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Digitale Inhalte im KI-Zeitalter – Vertrauen durch Zertifizierung

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von Reto P. Grubenmann, KPMG Schweiz

Täuschend echte Bilder, Stimmen und Texte lassen sich dank KI immer einfacher erzeugen. Dadurch gerät das Vertrauen in digitale Informationen unter Druck. Umso wichtiger werden Technologien und Standards, die die Herkunft und Authentizität digitaler Inhalte nachvollziehbar machen.

Reto P. Grubenmann, Leiter der Zertifizierungs­stelle, KPMG Schweiz. (Source: zVg)
Reto P. Grubenmann, Leiter der Zertifizierungs­stelle, KPMG Schweiz. (Source: zVg)

Mit der Verbreitung generativer KI verschieben sich die Massstäbe zur Beurteilung digitaler Inhalte. Was glaubwürdig wirkt, ist nicht mehr zwangsläufig echt: Visuelle Qualität, sprachliche Plausibilität oder ein vertraut wirkender Absender verlieren als Vertrauenssignale an Aussagekraft. Die Herausforderung liegt daher nicht allein in der Erkennung von Fälschungen, sondern im verlässlichen Nachweis von Herkunft und Integrität digitaler Inhalte.

Technische Massnahmen reichen nicht

Verschiedene technologische Verfahren können das Vertrauen in einer KI-geprägten Informationslandschaft stärken. Dazu zählen etwa kryptografische Signaturen, digitale Herkunftsnachweise, Wasserzeichen oder verifizierbare Identitäten. Sie können Hinweise auf die Herkunft und Integrität digitaler Inhalte liefern sowie Informationen über deren Erstellung, Verarbeitung oder Veränderung bereitstellen.

Manipulationen und Fälschungen lassen sich damit jedoch nicht vollständig ausschliessen. Denn technische Schutzmechanismen reichen nicht aus, um digitales Vertrauen zu schaffen. Entscheidend ist, dass sie in klare Prozesse, Verantwortlichkeiten und Governance-Strukturen eingebettet sind. Organisationen sollten festlegen, wie KI-Systeme eingesetzt werden, wer Verantwortung übernimmt, wie Risiken gesteuert werden und welche Kontrollen über den gesamten Lebenszyklus gelten.

ISO-Zertifizierung für vertrauenswürdige KI

Genau hier setzt die internationale Norm ISO/IEC 42001 an. Als Standard für KI-Managementsysteme (AIMS) definiert sie Anforderungen an die verantwortungsvolle Entwicklung, Nutzung und Überwachung von KI-Systemen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Daten-Governance: Organisationen müssen Prozesse definieren und umsetzen, die die Datenqualität, Integrität, Herkunft und Nachvollziehbarkeit gewährleisten. Dazu zählen auch Anforderungen an Transparenz und Erklärbarkeit. ISO/IEC 42001 schafft damit einen Rahmen für den strukturierten Umgang mit KI.

Zusätzliche Relevanz erhält dieser Ansatz durch den EU AI Act. Die Verordnung definiert Anforderungen an Transparenz, Risikomanagement, Dokumentation und menschliche Aufsicht beim Einsatz von KI. Für Unternehmen wird es damit zunehmend wichtig, den verantwortungsvollen Einsatz von KI nachweisen zu können. ISO/IEC 42001 ersetzt die regulatorischen Vorgaben zwar nicht, bietet jedoch einen strukturierten und international anerkannten Rahmen, um viele organisatorische Anforderungen des AI Acts systematisch zu adressieren und zu verankern.

Digitales Vertrauen: eine Führungsaufgabe

Die KI-Ära macht deutlich: Vertrauen entsteht künftig weniger durch den ersten Eindruck eines Inhalts als durch die Fähigkeit, seine Entstehung und Verwendung nachvollziehbar einzuordnen. Unternehmen müssen belastbare Strukturen schaffen, die Transparenz, Kontrolle und Verantwortlichkeit im Umgang mit digitalen Informationen sicherstellen.

Damit wird digitales Vertrauen zu einer Führungsaufgabe. Organisationen müssen nachvollziehbar machen können, wie KI-generierte Informationen entstehen, auf welchen Daten und Systemen sie basieren und wer Verantwortung trägt. Gleichzeitig steigt der Bedarf, diese Prozesse auch gegenüber Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden nachweisen zu können. 

Die Kombination aus technologischen Schutzmechanismen, regulatorischen Anforderungen wie dem EU AI Act und unabhängigen Zertifizierungen nach ISO/IEC 42001 dürfte sich deshalb zu einem zentralen Fundament digitaler Vertrauenswürdigkeit entwickeln.

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