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Vibe Coding: Wie KI Softwareentwicklung verändert

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von Claudio Mirti, Microsoft

Vibe Coding ermöglicht es, Software über natürliche Sprache statt klassischen Code zu ­entwickeln. Wie ein Thermomix in der Küche beschleunigt er den Prozess – ersetzt aber weder das Fachwissen noch den Profikoch.

Claudio Mirti, Sr. Solution Engineer Data & AI EMEA, Microsoft. (Source: zVg)
Claudio Mirti, Sr. Solution Engineer Data & AI EMEA, Microsoft. (Source: zVg)

Vibe Coding beschreibt eine Arbeitsweise, bei der Entwicklerinnen und Entwickler ihre Absicht in natürlicher Sprache formulieren und ein KI-Modell daraus funktionierenden Code erzeugt. Man beschreibt das gewünschte Verhalten – etwa «erstelle ein Formular mit Validierung» – und überlässt die Umsetzung der KI. Geprägt wurde der Begriff 2025 von KI-Forscher Andrej Karpathy: schneller, iterativer, stärker auf Ergebnis statt auf Syntax fokussiert.

Anders als Autocomplete-Funktionen, die einzelne Zeilen vorschlagen, übernimmt Vibe Coding ganze Entwicklungsschritte: von der Idee über die Implementierung bis zur Iteration. Der Mensch bleibt der Lenker des Prozesses und konzentriert sich zunehmend auf die Lösung des Problems, während die KI Teile der Umsetzung übernimmt.

Wofür eignet sich der Ansatz?

Vibe Coding bewährt sich dort, wo Geschwindigkeit vor Perfektion steht: bei Prototypen, internen Tools oder Proof-of-Concepts, die schnell sicht- und testbar sein sollen. Auch im Lernkontext profitieren Einsteigerinnen und Einsteiger, da sie Programmierkonzepte direkt im Dialog mit der KI erfahren. Für produktionskritische oder sicherheitsrelevante Systeme reicht Vibe Coding allein nicht aus, solange keine zusätzlichen Prüfschritte eingebaut sind.

Der Thermomix-Effekt: nützlich, aber kein Ersatz für das Handwerk

Ein Thermomix macht das Kochen schneller und zugänglicher – doch wer ihn benutzt, wird dadurch kein Sternekoch und kann damit kein Restaurant eröffnen. Genau so verhält es sich mit Vibe Coding. Die KI-gestützte Entwicklung senkt die Hürde, funktionierenden Code zu erzeugen, erheblich. Aber sie ersetzt nicht das Verständnis dafür, was im Hintergrund passiert – und was schiefgehen kann.

Generierter Code kann syntaktisch korrekt, aber architektonisch fragwürdig sein – mit unnötiger Komplexität, ohne Fehlerbehandlung oder mit Sicherheitslücken, die ohne fachkundiges Review unentdeckt bleiben. Unternehmen sollten deshalb klare Leitlinien setzen: Code-Reviews bleiben Pflicht, Tests und Sicherheitsprüfungen dürfen nicht entfallen, und Entwicklerinnen und Entwickler müssen Vorschläge der KI einordnen und korrigieren können. Vibe Coding verschiebt das erforderliche Fachwissen – es macht es nicht überflüssig.

Praxisbeispiel: Prototyping bei Microsoft

Wie sich der Ansatz im Unternehmensalltag niederschlägt, zeigt sich etwa bei Microsoft. Bei internen Hackathons und Proof-of-Concepts setzen Teams zunehmend auf Github Copilot – etwa den Agent-Modus in Visual Studio Code –, um Ideen innerhalb von Stunden statt Wochen in lauffähige Demos zu verwandeln. Ein Fachbereich kann so eine Geschäftsidee direkt durchspielen, ohne zuerst ein vollständiges Lastenheft zu erstellen. Entsteht aus dem Prototyp ein ernsthaftes Vorhaben, wird der KI-generierte Code in den regulären Entwicklungsprozess überführt – inklusive Architekturprüfung, Tests und Sicherheits-Reviews.

Zurück zur Analogie: Der Thermomix hat seinen festen Platz in der Küche – auch in Profiküchen. Aber er ersetzt die Ausbildung nicht, und ein Restaurantbetrieb braucht mehr als ein gutes Gerät. Vibe Coding ist ein kraftvolles Werkzeug für die richtige Phase: Ideen schnell greifbar machen, iterieren, lernen. Für Unternehmen lohnt sich daher ein zweistufiger Ansatz: Vibe Coding gezielt bei frühen Phasen nutzen, klassische Entwicklungsstandards aber konsequent für alles einsetzen, was tatsächlich in Produktion geht. Und wie immer, das WAS (Use Case) vor Augen halten.

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