Die Kunst der disziplinierten Euphorie
Mal eben schnell eine Hymne zur Wohnungseinweihung komponieren, eine Web-App als digitales Gästebuch aufschalten und danach aus diversen Filmschnipseln ein exklusives Behind-the-Scenes-Video erstellen – und das, obwohl man weder ein Instrument spielt noch programmieren oder Videos schneiden kann. Wir stecken mitten in einer Zeit, in der wir künstliche Intelligenz als universelle Enablerin ausnutzen. Wir lassen uns von den Resultaten unserer Prompts beeindrucken und teilen die dabei entstehenden Produkte gern mit unserem Umfeld – übrigens leider oft unabhängig davon, ob die KI-Spielereien des Teilens würdig sind oder nicht.
Ähnliches spielt sich im professionellen Umfeld, ganz besonders natürlich in der IT-Branche, ab – wenn auch hoffentlich etwas seriöser; denn tatsächlich erlauben wir künstlicher Intelligenz, tief in unsere Geschäftsprozesse einzudringen. Angesichts dessen darf die Technologie keine Spielerei mehr sein. Wie ein Schweizer Unternehmen KI nutzt, sie aber nicht zum Selbstzweck einsetzt, lesen Sie in dieser Ausgabe der «Netzwoche», etwa im Interview mit Opacc-CEO Cris Wouters. Noch hält der Strom an ständig neuen KI-Produkten und -Experimenten an. Doch völlig unbeschwert ist die Euphorie nicht mehr. Immer lauter werden die Fragen nach Kosten und einem tatsächlich messbaren Mehrwert. In Unternehmen ist besonders herausfordernd, dass KI-Workloads anderen Kostenlogiken folgen als klassische IT-Systeme. KI-Experimente sind schnell gestartet. Sie wachsen aber auch schnell – und mit ihnen die fälligen Rechnungen.
Die Zeit der KI-Experimente ist nicht vorbei. Doch auf Dauer werden sich nicht mehr alle die Spielereien leisten können. Wohl beraten ist, wer die Kunst der disziplinierten Euphorie erlernt.
Unternehmen tun gut daran, bei aller Innovation auch die Wirtschaftlichkeit im Blick zu behalten. Inspiration, dies zu schaffen, finden Sie im Focus dieser "Netzwoche" zum Thema FinOps.
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