Das letzte IT-Kooperationswerk der Schweizer Banken verschwindet
Nachdem in den vergangenen Monaten verschiedene Banken die Weiterführung der Ibis-Bankenplattform in Frage stellten und in manchen Fällen den Wechsel auf Konkurrenzplattformen ankündeten, hat die Real-Time Center AG (RTC) als Entwicklerin und Betreiberin von Ibis von den verbleibenden Aktionärsbanken Klarheit über das weitere Vorgehen verlangt. Diese Klarheit habe man nun erhalten und damit Handlungsspielraum und Schlagkraft gewonnen, teilte RTC kurz vor Jahresende mit.
Klarheit herrscht demnach zum einen über die Zukunft der Plattform. Die BEKB und die RBA-Holding hätten sich „schon vor einiger Zeit“ entschlossen, auch über die nächsten fünf Jahre die Ibis-Plattform beizubehalten. Und auch die Banque Cantonale du Jura (BCJ) habe sich für die Weiterführung des Projekts Ibismove entschieden, das die inzwischen in die Jahre gekommene Plattform modernisieren soll, ebenso die Basellandschaftliche und die Aargauische Kantonalbank. Mit der nun errungenen Klarheit könne die Erneuerung von Ibis effizient umgesetzt werden, schliesst RTC. Voraussichtlich Anfang 2009 werde die neue Ibis-Version bei der BEKB erstmals zum Einsatz kommen, zitiert Inside-IT den RTC-Chef René Brazerol.
Daneben wurden aber offenbar auch die Weichen für die Zukunft von RTC selbst neu gestellt: RTC werde die internen Strukturen anpassen, um sich in Zukunft stärker als Dienstleistungsunternehmen positionieren zu können, meldete das Unternehmen. Dies bedeutet nichts weniger, als dass RTC dem Vorbild anderer Bankenkooperationen wie etwa Finnova folgen und seine Governance am Markt ausrichten wird, wie Brazerol gegenüber dem Netzticker bestätigte. Derzeit sind die Kundenbanken gleichzeitig auch Teilhaber des Unternehmens. Die neue Unternehmensstruktur soll bis Ende 2009 bereit stehen, also auf den Zeitpunkt, da die bisherigen Aktionärsbanken Migros Bank und Basler Kantonalbank aus der Kooperation austreten werden. Damit wird auch das letzte grosse Kooperationswerk der Schweizer Bankenwelt der Vergangenheit angehören.
Kurz vor Weihnachten hatte die Basler Kantonalbank bekannt gegeben, das Stammhaus bis 2009 und die Tochter Bank Coop bis 2010 auf Avaloq migrieren zu wollen. Zuvor hatten sich bereits die Migros Bank sowie die drei RBA-Banken Alpha Rheintal Bank, Bank CA St. Gallen und Swissregiobank von Ibis abgewendet. Die Gründe für den Exodus dürften in den Schwierigkeiten und den beträchtlichen Kosten der Modernisierung von Ibis liegen. Beobachter stellten aufgrund der zahlreichen Abgänge die Zukunft der Plattform zunehmend in Frage.
Ines Stutz
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