Swisscom plant Grosseinkauf - kleinere Einkäufe sind dennoch weiter möglich
Swisscom teilte heute Montag mit, dem Verwaltungsrat des italienischen ISPs Fastweb ein Übernahmeangebot unterbreitet zu haben. Demnach will Swisscom für 47 Euro pro Anteil 100 Prozent der Aktien von Fastweb kaufen. Dies ergäbe einen Gesamtkaufpreis von maximal 3,7 Milliarden Euro (rund 6 Milliarden Franken). Swisscom hofft nun, dass der Fastweb-Verwaltungsrat den Aktionären empfehlen wird, das Angebot anzunehmen. Das operative Geschäft und die Marke von Fastweb würden unverändert weitergeführt.
Bereits Anfang Dezember 2005 kursierten in der italienischen Presse erste Gerüchte, Swisscom habe Interesse an Fastweb. Fastweb hat sich auf IP-Dienstleistungen spezialisiert. Als weitere Interessenten wurden Rupert Murdoch, die Deutsche Telekom, France Télécom sowie diverse Private-Equitiy-Funds gehandelt.
Fastweb pflegt bereits seit 2001 einen vollständig IP-basierten Breitband-, Sprach- und TV-Dienst. Swisscom erwartet vor allem hier beträchtliche Synergien. Die Erfahrungen von Fastweb beim Betrieb eines vollständig IP-basierten Breitbandnetzes der neuesten Generation, beim Ausbau und der Kommerzialisierung von Glasfasernetzen sowie bei der Entwicklung und Vermarktung breitbandbasierter Multimediadienste würden sehr wertvoll sein, so Swisscom. Zudem ist Italien insofern ein attraktiver Breitbandmarkt, als dass die Breitbandabdeckung mit 13,2 Prozent im letzten Jahr weit unter dem europäischen Durchschnitt lag und deshalb für die nächsten Jahre ein hohes Wachstumspotenzial aufweisen könnte.
Wie Swisscom-CEO Carsten Schloter an einer Telefonkonferenz heute Vormittag ausführte, wird Swisscom in nächster Zeit keine grösseren Firmenaufkäufe mehr tätigen, falls die Transaktion zustande kommt. In den vergangenen Monaten erklärte Schloter in verschiedenen deutschen Zeitungen, in der nächsten Zeit im Bereich der Breitbandanbieter vor allem in Osteuropa kleinere Akquisitionen tätigen zu wollen. Wie Swisscom-Sprecher Sepp Huber auf Anfrage des NetzwocheTickers sagte, sind diese Pläne, die zum Teil schon umgesetzt sind, von der geplanten Fastweb-Übernahme nicht tangiert. So hat Swisscom in der Vergangenheit in Polen, Bulgarien, Rumänien und der Ukraine kleinere Netze gekauft und ausgebaut. Gemäss Huber wurde hier bis jetzt eine zweistellige Millionensumme investiert. Huber betont auch, dass Swisscom auch nach der Übernahme von Fastweb weiterhin genügend finanziellen Spielraum haben wird, um in solche kleinere Projekte und auch in der Schweiz zu investieren.
Trotz des Verbots des Bundesrates, im Ausland zu akquirieren, darf Swisscom Fastweb kaufen, was dieser auch heute Vormittag bestätigte. Nach der massiven Kritik am Vorgehen des Bundesrates im vergangenen Winter hatte dieser sein Akquisitions-Verbot dahingehend konkretisiert, dass ein allfälliges Engagement im Ausland das Kerngeschäft im Inland unterstützen oder in die Unternehmensstrategie eines modernen Full-Service-Anbieters passen sollte. Zudem sollte die Nettoverschuldung der Swisscom auf das Anderthalbfache des EBITDA-Ergebnisses begrenzt wird. Damit bleiben Swisscom für Zukäufe, wenn das Jahresresultat 2005 betrachtet wird, zwischen 5 und 6 Milliarden Franken. Gemäss Schloter soll aber diese Limite nur zu zwei Dritteln ausgeschöpft werden. Den Rest will Swisscom durch den Verkauf von maximal 4,9 Millionen Aktien aus dem eigenen Bestand finanzieren. Diese Aktien hatte Swisscom 2006 im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms erworben. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2006 wird Swisscom morgen Dienstag vorlegen.
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