Swisscom will schweizweites Glasfasernetz mit Konkurrenz bauen
Während die meisten Industriegebiete in der Schweiz bereits mit Glasfasernetzen erschlossen sind, wollen die Anbieter nun Wohnungen und Privathäuser an die schnellen Datennetze anschliessen - auch Swisscom. Erste Haushalte werden voraussichtlich Ende 2008 ans Glasfasernetz angeschlossen.
In einem Interview mit der Sonntagszeitung bot Swisscom-Chef Carsten Schloter den Konkurrenten an, sich an den Bauprojekten zu beteiligen: „Wenn wir entscheiden, ein Gebäude an einer bestimmten Strasse anzuschliessen, dann werden wir unsere Mitbewerber darüber informieren. Wir werden ihnen sagen, wann wir die Strasse aufreissen, und ihnen anbieten, sich an den Kosten zu beteiligen und ihre eigene Glasfasern zu verlegen.“ Man sei zum Schluss gekommen, dass einzig ein solches Vorgehen betriebs- und volkswirtschaftlich Sinn mache.
Schloter fordert im umgekehrten Fall das gleiche Recht für Swisscom - und meint damit vor allem das EWZ. Letzte Woche startete dieses gemeinsam mit Orange in Zürich sein Glasfaserprojekt, für dessen Bau und Betrieb die Stimmberechtigten der Stadt Zürich im März einen Rahmenkredit von 200 Millionen Franken bewilligt hatten. Gegen diese Entscheidung hatten vor allem die vier Telcos Swisscom, Cablecom, Sunrise und Colt aus Angst vor zusätzlicher Konkurrenz mit einer Kampagne mobil gemacht. Schloter fordert nun explizit von den Elektrizitätswerken, dass auch diese beim Bau kooperieren: „Wir werden aber von den andern die gleichen Rechte fordern. Wenn irgendwo ein Kabelanbieter oder ein Elektrizitätswerk eine Strasse öffnet, wollen auch wir dort unsere Glasfasern verlegen.“ Erste informelle Gespräche hätten stattgefunden. Zudem will Schloter das Modell mit den Regulierungsbehörden sondieren.
Gegenüber der NZZ reagierte das EWZ zurückhaltend auf Schloters Modell. Es sei zwar volkswirtschaftlich sinnvoll, brauche aber vertiefte Abklärungen zu den Kosten und der Strategie, meinte EWZ-Geschäftsleitungsmitglied Bruno Hürlimann. Mögliche Probleme einer Beteiligung Swisscoms sieht er vor allem darin, dass das EWZ sein Netz allen Telcos „diskriminierungsfrei“ zur Verfügung stellen will. „Es wäre für die anderen Anbieter womöglich seltsam, wenn wir künftig eng mit der Swisscom zusammenarbeiten würden“, sagte Hürlimann gegenüber der NZZ.
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