3000 Mitarbeitende bis Ende 2027

Bund testet Open-Source-Alternative zu Microsoft 365

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von Alexia Muanza und René Jaun und jor

Nach einer Machbarkeitsstudie startet die Bundeskanzlei ein Programm für souveräne Bürosoftware. Bis Ende 2027 rüstet sie rund 3000 Bundesangestellte mit einer quelloffenen Office-Lösung aus. Ob die Anwendung jemals Microsoft 365 komplett ersetzen wird, ist ungewiss.

(Source: Andreas Fischinger / Unsplash.com)
(Source: Andreas Fischinger / Unsplash.com)

Der Bund macht einen Schritt hin zu einer souveränen Alternative zu Microsoft 365. Im Rahmen eines neuen Programms testet die Bundeskanzlei quelloffene Office-Software. Ziel sei es, die Plattform bis Ende 2027 rund 3000 Mitarbeitenden der Bundesverwaltung zur Verfügung zu stellen, teilt die Behörde mit.

Mit dem Programm baut die Bundeskanzlei auf die unlängst abgeschlossene Machbarkeitsstudie "PoC BOSS" (Proof of Concept für eine Büroautomation mit Open-Source-Software) auf. Die Frage, ob der digitale Arbeitsplatz der Bundesverwaltung auch mit Open-Source-Software funktionieren könne, habe diese Studie "mit einem grundsätzlichen 'Ja' beantwortet", schreibt der Bund. Das Experiment sollte insbesondere klären, ob eine von Microsoft 365 unabhängige Lösung im Krisenfall kritische Prozesse gewährleisten kann.

Im Rahmen des Projekts testeten 172 Mitarbeitende aus verschiedenen Departementen "Opendesk", eine Open-Source-Arbeitsumgebung des deutschen Zentrums für Digitale Souveränität (Zendis). Die Plattform vereint unter anderem Open-Xchange für E-Mail und Kalender, Nextcloud für die Dateispeicherung, Jitsi für Audio- und Videokonferenzen sowie Element für Instant Messaging.

Die künftige Lösung soll die Office-Kernfunktionen abdecken: E-Mail, Kalender, Dokumente und Präsentationen, Telefonie sowie Audio- und Videokonferenzen. Die Lösung soll autonom und parallel zu Microsoft 365 betrieben werden. In einem ersten Schritt sollen sie Mitarbeitende verschiedener Departemente und der Bundeskanzlei erhalten, die an besonders kritischen Geschäftsprozessen beteiligt sind.

Für die erste Phase rechnet der Bund mit Kosten in Höhe von rund 9 Millionen Franken. Finanziert wird sie mit den vom Parlament bewilligten Mitteln für den Aufbau einer souveränen Schweizer Open-Source-Plattform für Büroanwendungen. Aus den Erkenntnissen der ersten Phase will der Bund die Kosten einer allfälligen breiteren Einführung sowie des laufenden Betriebs abschätzen.

Noch gibt es Vorbehalte

Laut Bundeskanzlei zeigen die Tests, dass sich die browserbasierte Umgebung grundsätzlich für die wichtigsten standardmässigen Büroanwendungen eignet. Im Vorfeld tauschte sich der Bund zudem mit dem deutschen Bundesland Schleswig-Holstein aus, das einen solchen Ansatz bereits weitgehend umgesetzt hat.

In der Mitteilung räumt die Bundesverwaltung aber auch ein, es bestünden weiterhin Einschränkungen, insbesondere bei Videokonferenzen in grossem Umfang. Die jetzt vorgesehene konkrete Umsetzung erfordere ausserdem umfangreiche Anpassungen, Sicherheits- und Plattformprüfungen. Nötig sei auch der Aufbau von zusätzlichem Know-how. All dies könnte möglicherweise zusätzliche finanzielle Mittel erfordern.

Ob die Lösung dereinst in der gesamten Bundesverwaltung ausgerollt wird, bleibt aktuell ungewiss. Die grösste Herausforderung sieht die Bundeskanzlei darin, dass zahlreiche Fachanwendungen der Verwaltung nach wie vor eng an die Microsoft-Architektur gekoppelt sind. Man werde "im weiteren Verlauf des Programms" prüfen und entscheiden, inwiefern der Arbeitsplatz der Bundesverwaltung künftig vollständig durch eine souveräne Lösung bereitgestellt werden soll.

 

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