Unternehmensmanagement

"Unsere Manager auf Zeit sind es gewohnt, ins kalte Wasser zu springen"

Uhr | Aktualisiert

Gronova vermittelt Manager auf Zeit und hilft unter anderem Firmen, deren interne Abläufe ins Stocken geraten sind. Im Interview erklärt Paul Jabas, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung, welche Kunden Gronova bedient, und wann er einem Unternehmen nicht helfen kann.

Paul Jabas ist Partner und Mitglied der Geschäftsleitung von Gronova. (Quelle: Netzmedien)
Paul Jabas ist Partner und Mitglied der Geschäftsleitung von Gronova. (Quelle: Netzmedien)

Gronova bietet einerseits "Manager auf Zeit" und andererseits "Managementberatung" an. Können Sie mir diese beiden Stossrichtungen näher erklären?

Paul Jabas: Die meisten Unternehmen wachsen und werden grösser. Während in einem KMU alles überschaubar ist, geht die Arbeit bei grösseren Firmen durch mehrere Hände und über viele Schreibtische. Interne Abläufe werden so anspruchsvoller. Mehr Umsatz, neue Märkte und mehr Mitarbeiter an internationalen Standorten bedeuten auch mehr Komplexität. Eine Komplexität, die über die Zeit grösser wird und sich selbst nährt. Hier setzen wir den Hebel an: Wir verhelfen Firmen wieder zu einfacheren Strukturen und Abläufen, sodass sie effizienter, schneller und wirkungsvoller werden. Dies tun wir mit Manage­mentberatung und Management auf Zeit in Kombination. Daneben überbrücken wir Vakanzen auf Führungsebene einer Firma oder stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn es an Kapazitäten fehlt, um beispielsweise ein anspruchsvolles Projekt zu leiten.

Was sind Ihre typischen Kunden?

Unser Kundenstamm umfasst lokal tätige, mittelgrosse Unternehmen ab etwa 200 Mitarbeitern bis zu global aufgestellten Konzernen mit mehreren tausend Mitarbeitern.

Wie vermitteln Sie Kandidaten für das Management auf Zeit?

Beim Auftraggeber klären wir im Vorfeld Aufgaben, Zielvorstellung und Profil der benötigten Führungskraft. Er wählt seinen Favoriten aus den vorgeschlagenen Kandidaten aus. Innerhalb einer Woche ist die Lücke geschlossen oder die Projektleitung besetzt. Bedarf entsteht bei unseren Kunden durch eine plötzliche oder kurzfristig eingetretene Vakanz und durch fehlende Management- oder Projektleiterkapazität. Dafür stellen wir unseren Skillpool aus 750 Managern auf Zeit, Projektleitern und Experten zur Verfügung.

Dann kann man Gronova also nicht als Headhunter für Interims-CEOs bezeichnen?

Das ist richtig. Im Management auf Zeit sind Geschwindigkeit und Qualität ausschlaggebend. Unsere Kunde wählen im Bedarfsfall aus unserem handverlesenen Pool von Führungskräften. Weil wir alle Manager auf Zeit und deren Stärken persönlich kennen, bedeutet dies für unsere Kunden, die beste Auswahl für die gestellte Aufgabe zu bekommen. Die benötigte Kapazität steht quasi auf Abruf bereit. Ein Headhunter hingegen wird dann geeignete Kandidaten im Markt finden und ansprechen, sobald er mit dem Auftraggeber ein detailliertes Suchprofil erstellt und dessen Wunschkandidaten identifiziert hat. Headhunter halten keine Kandidaten auf Vorrat. Hier läuft die Zeit für den Kunden: Lieber etwas länger suchen, dafür den Richtigen einstellen. Während dieser Rekrutierungsphase kann einer unserer Manager auf Zeit gut überbrücken, um das Tagesgeschäft sicher zu stellen.

Aber die Führungskräfte aus Ihrem Pool müssen ja auch von etwas leben. Stehen die Ihnen einfach so zur Verfügung?

Unsere Manager auf Zeit sind selbständige Unternehmer und nutzen ihr persönliches Netzwerk für Mandate. Jeder Einzelne wird dabei stets selbst um eine gute Auslastung bestrebt sein. Gleichzeitig haben sie sich Gronova angeschlossen, um ihre Reichweite zu vergrössern. Natürlich streben wir an, Angebot und Nachfrage in Balance zu halten, auch wenn das nicht immer einfach ist. Wie derzeit, weil Firmen verstärkt Supply Chain Manager oder strategische Einkäufer nachfragen, seit die SNB den Franken Mindestkurses zum Euro aufgehoben hat. Andererseits kennen wir aber auch die Kehrseite: Bewegt sich am Arbeitsmarkt oder konjunkturell wenig, dann registrieren wir auch die geringere Nachfrage nach Management auf Zeit. Häufig ist es uns zusätzlich gelungen, solche Phasen durch Beratungsmandate auf Managementebene zu überbrücken.

Wieso wenden sich Firmen an Sie und welche Bedenken bringen Sie den Kandidaten entgegen?

Für Firmen sind es personelle Engpässe. Diese machen anfällig für Störungen und kurzfristige Veränderungen, weil es an Kapazität oder Wissen fehlt. Parallel steigt die Zahl komplexer Vorhaben. Das führt zur Doppelbelastung bei den Führungskräften und zu neuen Konflikten. Den Kandidaten stehen zwei Bedenken der Auftraggeber gegenüber: Er kennt uns nicht oder braucht eine zu lange Einarbeitungszeit. Aber unsere Manager auf Zeit sind es gewohnt, ins kalte Wasser zu springen. Dank ihrer breiten Erfahrung und soliden Ausbildung schwimmen sie obenauf und sind vom zweiten Tag an produktiv. Bei Erstkunden braucht es etwas Vertrauen in unser Wort. Die anderen wissen das aus Erfahrung.

Was sind die häufigsten Probleme von Unternehmen, die sich an Sie in Bezug auf Managementberatung wenden?

Ineffizienz in betrieblichen Abläufen, zu hohe Kosten bei der Leistungserbringung sowie unzufriedene Kunden.

Können Sie diesen Unternehmen im Normalfall helfen?

Liegen die Ursachen in der Organisation, die überlastet ist, und sind die internen Abläufe ins Stocken geraten, werden Geschäftsprozesse nicht gelebt oder falsch interpretiert, oder leidet die Kundenzufriedenheit, weil der Kunde nicht im Fokus aller Anstrengungen steht, dann können wir ­helfen.

Wenn ja, wie lange dauert es durchschnittlich etwa, bis die Unternehmen aus Ihrer Krise gefunden haben?

Unsere Auftraggeber stecken nicht immer in einer Krise, wenn sie uns holen. Gerade marktführende Unternehmen überprüfen ihre Leistungsfähigkeit regelmässig. Hier hat sich der "ganzheitliche Check-up der betrieblichen Leistungsfähigkeit" bewährt. Dabei decken wir innerhalb von zwei bis drei Wochen die Ursachen auf und geben konkrete Handlungsempfehlungen. Diese setzen wir gemeinsam mit dem Kunden um. Das betrifft Sofortmassnahmen sowie mittel- und längerfristige Aufgaben. Mittelfristig meint 6 bis 12 Monate, längerfristig 2 bis 3 Jahre. 

Und wenn Sie nicht helfen können – woran scheitert es?

An massiven Eingriffen in die Organisationsform, oder die internen Abläufe sind anspruchsvoll. Veränderung bedeutet Unsicherheit und löst Angst aus. Die muss ernst genommen und proaktiv angegangen werden. Wir müssen "Betroffene zu Beteiligten" machen, wie ich das nenne. Projekte scheitern, wenn Widerstand gegen Veränderung ignoriert oder die Ernsthaftigkeit hinter dem Vorhaben nicht glaubhaft kommuniziert wird.

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