Crypto Summit in Zürich

Goldgräberstimmung in der Kryptowelt

Uhr | Aktualisiert

Investoren, Blockchain-Entwickler und Start-up-Gründer haben sich zum Crypto Summit in Zürich getroffen. Sie versprechen, mit der Technologie die Welt verändern zu können. Die Schweiz sucht derweil nach Wegen, mit der neuen Branche umzugehen.

Von links: Olga Feldmeier (Smart Valor) im Gespräch mit Günther Dobrauz (PWC), Nicolas Burer (Digitalswitzerland), Ruedi Noser (Ständerat) und Jörg Gasser (EFD). (Source: Netzmedien)
Von links: Olga Feldmeier (Smart Valor) im Gespräch mit Günther Dobrauz (PWC), Nicolas Burer (Digitalswitzerland), Ruedi Noser (Ständerat) und Jörg Gasser (EFD). (Source: Netzmedien)

Blockchain, Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICOs) bewegten im vergangenen Jahr die IT-Welt. Start-ups, etablierte Firmen und Propheten versprachen mit der dezentralen Buchführung ganze Branchen umzuwälzen. Doch spätestens mit den Kursschwankungen des Bitcoins, den mit ICOs verdienten Millionen und den staatlichen Reaktionen darauf tauchten viele Fragezeichen auf. Wie lässt sich die Krypto-Ökonomie regulieren? Welche Rolle kann die Schweiz darin spielen und wofür kann man die Blockchain eigentlich konkret nutzen?

Antworten auf diese Fragen versuchte der Crypto Summit 2018 zu geben, der gestern in der Samsung Hall in Dübendorf über die Bühne ging. Vertreter von Blockchain-Start-ups, Berater, Investoren und Juristen zeigten dem Publikum ihre Sicht auf das Thema. Dieses kam zahlreich in die beiden Säle des Events.

Zum Auftakt stand die Frage nach dem Nutzen der Blockchain für die Gesellschaft im Zentrum. Die Technologie ermögliche eine nie dagewesene Demokratisierung des Kapitals, sagte Olga Feldmeier, CEO des Veranstalters Smart Valor, beim Begrüssungs-Panel. Durch Blockchain-Plattformen könne künftig jeder Mensch auf der Welt überall investieren können - ohne Banken, Wartezeiten oder Grenzen.

Olga Feldmeier, CEO von Smart Valor, erhofft sich von der Blockchain eine Finanz-Revolution. (Source: Netzmedien)

Skeptischer war in diesem Punkt Alex Tapscott, Mitbegründer des Blockchain Research Institute. Die Blockchain sei eine Evolution des Internets, da sie nicht nur Informationen, sondern auch Güter weltweit zugänglich mache. Wie jede Technologie sei aber auch Blockchain nur ein Werkzeug, das sich "für gute oder böse Zwecke" verwenden lasse. Die Blockchain könne zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit in der Welt führen, dafür gebe es allerdings keine Garantie.

Bis zu diesem Ziel müssten noch eine Menge Probleme gelöst werden, waren sich die Teilnehmer des Panels einig. Die Regulierung sei momentan eine Herausforderung, ebenso das Thema Sicherheit. Auch setze die Branche aktuell noch zu stark auf den Handel mit Kryptowährungen und ICO-Token. Es sei viel Geld im Markt, nun müsse gezeigt werden, wo der Mehrwert ausserhalb der Bitcoin-Spekulation liege. Es brauche Use Cases für die Blockchain.

Blockchain-Firmen werben um Investoren

Verschiedene Firmen stellten am Crypto Summit solche Geschäftsideen vor und warben um Investoren. Vinny Lingham etwa will mit seinem E-ID-Start-up Civic eine elektronische Identität auf Blockchain-Basis realisieren. Ähnlich wie beim Projekt der Stadt Zug sollen die Personendaten dabei unter der Kontrolle des Nutzers bleiben. So könne man das Vertrauen in Finanzmärkte und das Internet wiederherstellen, das in den vergangenen Jahren schweren Schaden genommen habe, sagte Lingham.

Etherisc präsentierte dem Publikum seine Vision einer dezentralen Versicherung, die mittels Smart Contracts funktionieren soll. Livetree will Medieninhalte per Blockchain finanzieren und in Kinos und Fernsehen bringen. Cedex stellte eine Blockchain-Plattform vor, mit der man dereinst Diamanten so einfach wie Kryptowährungen handeln könne.

Evgeni Borisov will mit Vimana das selbstfahrende Auto überspringen. (Source: Netzmedien)

Viel Aufmerksamkeit erhielt Evgeni Bosisov, CEO von Vimana. Das Unternehmen möchte dereinst Drohnen auf den Markt bringen, die Güter und Menschen durch die Städte dieser Welt fliegen sollen. Die Blockchain gewährleistet hierbei laut Borisov sowohl die Transaktionen wie auch die Sicherheit und die Koordination der Flugzeuge. An Bord seien Partner wie die NASA sowie Städte wie Dubai und Singapur, sagte der Russe, der sich vom Moderator zum "Elon Musk der Luftfahrt" ausrufen liess.

Lob und Tadel für die Schweiz

Der Crypto Summit bot auch Gelegenheit, um über die Schweiz als "Crypto Nation" zu diskutieren. Warum sich die Branche gerade im Raum Zug ansiedle, dazu gab es an einem Panel verschiedene Ansichten. Das dezentrale Konzept hinter der Blockchain und der Fokus auf das Vertrauen zwischen den Menschen passe gut zur Schweiz, sagte etwa FDP-Ständerat Ruedi Noser. Günther Dobrauz von PWC wies auf die hohe Technologie-Kompetenz, die Start-up-freundliche Regulierung und die Offenheit gegenüber Innovationen hin.

Klar sei aber auch, dass sich die Schweiz nicht auf dem Status quo ausruhen dürfe. Um zum "nächsten Silicon Valley" zu werden, wie Nicolas Burer von Digitalswitzerland sagte, müssen Blockchain-Talente in die Schweiz gelockt werden. Noser merkte an, man müsse sich nach Jahren der Abschottungspolitik nicht wundern, wenn jetzt die IT-Fachleute fehlten. "Die Schweiz hat hier einige sehr dumme Dinge gemacht", sagte er an die Adresse der SVP-Wähler.

Bitcoin-Investor Tim Draper warnte die Schweiz vor zu viel Regulierung. (Source: Netzmedien)

Umso wichtiger sei es nun, mit klaren Richtlinien Rechtssicherheit zu schaffen und für die Bedürfnisse der Blockchain-Branche zu werben, sagte Jörg Gasser, Staatssekretär für internationale Finanzfragen im Eidgenössischen Finanzdepartement. Man müsse den Schweizern zeigen, dass die Technologie eine Zukunft habe und dem Finanzplatz keinen Schaden zufügen werde.

Dem pflichtete Noser bei und rief dazu auf, auch die grossen Finanzunternehmen mit an Bord zu holen, die am Crypto Summit kaum vertreten seien. Er gab sich zuversichtlich: "Wir haben schon viel erreicht." Kritischer sah dies Tim Draper, der per Skype zugeschaltet war. Der Investor aus San Francisco warnte, dass die Schweiz beim Rennen um den besten Krypto-Platz zurückfalle. "Macht ICOs einfacher, statt Barrieren aufzustellen", forderte Draper.

Worauf Investoren und Start-ups bei ICOs achten müssen

Neben der politischen Debatte am Panel zeigten mehrere Referenten, was in der Schweiz beim Thema Blockchain läuft. Oliver Bussmann, ehemaliger CIO der UBS und heute Präsident der Crypto Valley Association, gab zum Beispiel über den aktuellen Stand der ICOs Auskunft.

Die Branche professionalisiere sich zusehends, passe sich der Regulierung an und lerne von Best Practices. Das locke Investoren an und schaffe neue Geschäftsfelder. Bussmann gab Hinweise, worauf Unternehmen bei einem ICO achten müssten. Hierbei sei die Compliance ebenso wichtig wie gutes Marketing, um ein Netzwerk von Investoren aufzubauen.

Oliver Bussmann zeigte den aktuellen Stand zum Thema ICO. (Source: Netzmedien)

Wie der rechtliche Rahmen in Gestalt der Finma-Richtlinien für ICOs aussiet, erklärte Andreas Glarner vom Beratungsunternehmen MME. Die Regulierung der Finma, die nach Art des Tokens und Stand des ICOs die anzuwendenen Gesetze definiert, sei zur richtigen Zeit gekommen, sagte Glarner. Start-ups wüssten nun, was sie vor der Finanzierung abklären müssten.

Vom Bitcoin-Tellerwäscher zum Millionär

Niklas Nikolajsen, Chef des Finanzdienstleisters Bitcoin Suisse, schilderte seine Reise ins Crypto Valley. In Dänemark geboren, sei er in die Schweiz gekommen, da er hier ein attraktives Umfeld für die Kryptobranche erwartete. Seine Zeit als Softwareentwickler bei Credit Suisse habe ihn allerdings eines Besseren belehrt. Er habe der Bank mehrmals den Aufbau einer Bitcoin-Sparte vorgeschlagen, sei mit dem Anliegen aber nicht durchgedrungen.

Niklas Nikolajsen berichtete von seinen Erfahrungen als Krypto-Unternehmer. (Source: Netzmedien)

Er habe sich deshalb dazu entschlossen, mit Gleichgesinnten aus der CS eine eigene Firma zu gründen, sagte Nikolajsen. Der Anfang in einem kleinen Büro in Zug sei schwer gewesen. Dazu seien viel Skepsis und der Crash des Bitcoins nach dem Zusammenbruch der Kryptobörse Mt.Gox im Jahr 2014 gekommen. "Aber wir haben überlebt", sagte Nikolajsen, ohne seinen Stolz zu verhehlen.

Mit dem Kursanstieg des Bitcoins in der vergangenen Jahren habe Bitcoin Suisse den Durchbruch geschafft. Aus der kleinen Kryptofamilie sei eine Firma mit 53 Angestellten, einem Finma-Zertifikat und Anerkennung in der Finanzwelt geworden. Auch die CS zeige mittlerweile Interesse. "Die Blockchain ist vielleicht die Wiedergeburt des Finanzplatz Schweiz", sagte Nikolajsen.

Ein Token für alles

Bitcoin Suisse wolle in Zukunft verstärkt auf die sogenannte "Tokenization" setzen, kündigte Nikolajsen an. Glaubt man den Referenten des Crypto Summits ist diese das Thema, dass die Blockchain-Community 2018 beschäftigen wird. Dabei werden in der physischen Welt existierende Güter, etwa Rohstoffe, Immobilien oder Kunstwerke, auf einer Blockchain abgebildet.

Jury und Publikum konnten über die besten Start-ups abstimmen. (Source: Netzmedien)

Zusammen mit dem Konzept eines dezentralen Marktes mit niedrigen Zugangshürden könnten Handel und Besitz von Gütern durch Tokenization auf eine neue Grundlage gestellt werden, waren nicht nur die Teilnehmer eines Panels zum Thema überzeugt. Vor einer Umsetzung dieser Vision müssten allerdings noch viele technische, rechtliche und praktische Fragen geklärt werden. Was etwa passiert, wenn die Blockchain gehackt wird, auf der die Besitzurkunde eines Hauses liegt? Auf diese Frage konnten die Referenten am Crypto Summit noch keine Antwort geben.

Smart Valor hat die Referate und Panels als Video in Netz gestellt:

Webcode
DPF8_86503

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