GDI-Studie zur Zukunft des Wohnens

Paradigmenwechsel in den eigenen vier Wänden

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Forscher des Gottlieb-Duttweiler-Instituts haben untersucht, wie die Schweizer wohnen. Mit der Digitalisierung sollen neue Wohnkonzepte entstehen. Die Wohnung wird Teil der Gemeinschaft.

(Source: jesussanz / Fotolia.com)
(Source: jesussanz / Fotolia.com)

Das Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) hat eine neue Studie zum Wohnen in der Schweiz publiziert. 4'351'846 Wohnungen gibt es hierzulande und kaum eine gleicht der anderen, wie die Studienautoren schreiben. Zu unterschiedlich seien die Werte, Lebensstile, Möglichkeiten und Wünsche der einzelnen Bewohner.

Die Anforderungen an das Wohnen verändern sich laut GDI ständig. Unter anderem, weil die Menschen in der Schweiz zunehmend individuell und flexibel leben wollten. Ökonomisch sei der Verdichtungsdruck in urbanen Gebieten eine starke Treibkraft. Er führe dazu, dass in Städten erstmals die durchschnittliche Wohnfläche pro Person wieder abnimmt.

Die Studie betrachtet insbesondere die heutigen Phänomene Microliving und Singularisierung des Wohnens. Die Alleinwohnenden seien schon länger die mit Abstand wichtigste Haushaltsgrösse in der Schweiz, aber nicht mehr wie früher grösstenteils ältere, verwitwete Frauen, sondern Männer und Frauen zwischen 30 und 60 Jahren. Alleinwohnende seien nicht mehr "Übriggebliebene", die keinen Partner finden, der Einpersonenhaushalt sei zumindest als Lebensabschnittslösung in allen Bevölkerungsgruppen angekommen und akzeptiert.

Wohnen in der Zukunft

Das Wohnen am Anfang des 21. Jahrhunderts stehe vor einem Paradigmenwechsel. Die Digitalisierung biete Chancen für neue Wohnkonzepte und -formen. Entwicklungen in Bereichen wie Virtual Reality, Spracherkennung oder Chatbots könnten dazu beitragen, dass Wohnen zu einem massgeschneiderten Erlebnis mit maximaler Bequemlichkeit werde.

Etwa im Jahr 2030 werde die Immobilie zum Bestandteil des Ökosystems, die Wohnung Teil einer Gemeinschaft. Kollektive Wohnformen würden an Bedeutung gewinnen. Vermehrt werde nur noch das Basisangebot in den eigenen vier Wänden genutzt, der Rest werde ausgelagert. Kochen, Essen, Wäschewaschen oder Fernsehen lösten sich von der Privatsphäre der eigenen Wohnung und würden gemeinschaftlich auf der Etage, in der Nachbarschaft stattfinden. Wohlbefinden sei nicht mehr an Flächenverbrauch gekoppelt. Arbeiten und wohnen geschehe multilokal. Die temporäre Gemeinschaft ergänze oder ersetze die Familie. Dadurch würden aber auch neue Herausforderungen zur Kooperation mit der Umgebung entstehen. Ausserdem könne eine Gegenbewegung mit traditionellen Wohnkonzepten entstehen.

Die Studie "Microliving – Urbanes Wohnen im 21. Jahrhundert" stellt das GDI zum kostenlosen Download bereit.

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