Nachgefragt

Github-Kauf bewegt die Open-Source-Community

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Anfang Juni hat Microsoft die Entwicklerplattform Github für 7,5 Milliarden US-Dollar gekauft. In der Open-Source-­Community löste dies Ängste aus. Die Redaktion hat nachgefragt, welche Chancen sich durch die Entscheidung bieten und welche Gefahren lauern.

(Source: Yuri Arcurs / Fotolia.com)
(Source: Yuri Arcurs / Fotolia.com)

2001 hat der damalige Microsoft-CEO Steve Ballmer Linux noch als Krebsgeschwür bezeichnet. Spätestens seit Satya Nadella beim Softwarekonzern am Ruder ist, weht ein anderer Wind. Das zeigte das Unternehmen auch mit dem Kauf der Entwicklerplattform Github Anfang Juni, für die Microsoft 7,5 Milliarden US-Dollar hinblätterte. Diesem Schritt begegnete die Entwicker-Community mit viel Skepsis.

Positive und negative Aspekte

Auch bei Matthias Stürmer, Dozent und Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit, löste die Ankündigung durch Microsoft "gemischte Gefühle aus", wie er in einem Gespräch sagt. Er sieht dennoch sowohl positive wie auch negative Aspekte. Sehr positiv sei, dass das Thema Open Source durch die Ankündigung in den Blick einer breiten Öffentlichkeit gerückt sei. Unter anderen berichteten Massenmedien wie der "Blick" oder "20 Minuten" über den Kauf. Viele Personen hätten dadurch zum ersten Mal von Plattformen wie Github erfahren, was der Bewegung einen Schub geben könnte, so Stürmer.

Negativ bewertet er, dass "schon wieder ein grosser US-Konzern den Zuschlag bekommen hat". Ein wichtiges Element der Open-Source-Community gehe damit an einen Grosskonzern. Dabei sei es egal, ob dies nun Microsoft ist oder eine andere Firma.

Für Stürmer wäre es naheliegender gewesen, wenn Google Github gekauft hätte. Die Entscheidung von Microsoft unterstreicht für ihn jedoch, dass Open Source für Microsoft eine wichtigere Rolle einnehme. Der Name Microsoft habe die Github-Community schon etwas vor den Kopf gestossen. Gerade im Bereich Open Source sei das Unternehmen lange ein Feindbild gewesen, was jedoch nicht mehr zutreffe, sagt er. In den vergangenen Jahren hätte sich Microsoft unter Satya Nadella deutlich in Richtung Open Source weiterentwickelt.

Keine grossen Veränderungen erwartet

Stürmer erwartet nicht, dass sich Github durch den Kauf grundlegend verändert. Microsoft habe nicht so viel Geld in die Plattform investiert, um sie zu zerstören, glaubt Stürmer. "Microsoft übernimmt zwar Github, aber nicht die Millionen von Open-Source-Projekten an sich", betonte er.

Für die Übernahme sprechen laut Stürmer vor allem drei Punkte. Erstens bekomme Microsoft durch den Kauf Zugriff auf alle Daten in Github. Dadurch könne die Firma einerseits sehen, bei welchen Open-Source-Projekten besonders viel laufe und so die Technologietrends der Zukunft besser abschätzen. Zweitens könne Microsoft mit der Kon­trolle von Github seine eigenen Entwickler-Tools besser den Programmierer-Communitys zugänglich machen. Und drittens werde bei den Millionen Entwicklern auf Github ersichtlich, welches die besonders engagierten Personen seien. Das sei wiederum fürs Recruiting von Talenten sehr attraktiv.

Obwohl gleich nach der Übernahme einige Entwickler ankündigten, zu Konkurrenzplattformen wie Gitlab wechseln zu wollen, befürchtet Stürmer keinen Massen­exodus. Die Auswirkungen für die Gemeinschaft würden gering sein. Ausserdem sei der Lock-in-Effekt bei Github nicht so gross wie bei üblichen Social-Media-Plattformen. Wenn es hart auf hart komme, dann wäre ein Umzug auf eine Alternative schnell möglich, so Stürmer.

Microsoft wirbt um Vertrauen

Für Tobias Steger, PR & Communications Lead bei Micro­soft, ist der Kauf ein klares Zeichen, dass Microsoft sich stärker in Richtung Open Source weiterentwickeln will. Für Steger ist es zentral, dass Microsoft "sorgfältig mit der Community umgeht". Das Vertrauen der Community dürfe nicht enttäuscht werden, um das Projekt Github als Ganzes nicht zu gefährden. Als gelungenes Beispiel nennt Steger den Kauf der Karriereplattform Linkedin. Die Befürchtungen, dass Linkedin sich fundamental verändern könnte, hätten sich nicht bewahrheitet. Github soll als offene Plattform weiterbestehen und dies mit einer langfristigen Perspektive.

Microsoft will den Entwicklern auch in Zukunft keine Einschränkungen machen. Für Microsoft gehe es darum, die Stärke von Github weiter auszubauen und sich nicht nur auf den Mehrwert für die eigenen Produkte zu konzentrieren, sagt Steger weiter. Das Unternehmen arbeite daher hart daran, das Vertrauen der Entwickler zu gewinnen.

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