KI durchdringt den Alltag in der Schweiz
Mehr und mehr Menschen in der Schweiz nutzen KI-Tools im Alltag. Das Land liegt weit über dem globalen Durchschnitt, wie ein Bericht von Microsoft zeigt. Der Report offenbart jedoch auch eine wachsende digitale Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
Mehr als jede dritte erwerbstätige Person in der Schweiz nutzt inzwischen generative künstliche Intelligenz. Laut dem neuen "AI Diffusion Report" von Microsoft stieg die Nutzungsquote hierzulande im ersten Quartal 2026 auf 37,8 Prozent. Die Schweiz liegt weiterhin deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 17,8 Prozent.
Der Bericht, der sich auf anonymisierte Telemetriedaten des Konzerns stützt, misst die Nutzung generativer KI bei Personen zwischen 15 und 64 Jahren. Marc Holitscher, National Technology Officer bei Microsoft Schweiz, sieht für die Schweiz eine "sehr starke Ausgangsbasis". Nun müssten Unternehmen diese Dynamik in messbaren Mehrwert umwandeln.
Globale Kluft vertieft sich
Global zeichnet der Report jedoch ein gespaltenes Bild. Während die KI-Nutzung in Industrieländern respektive im "globalen Norden" auf 27,5 Prozent anstieg, erreichte sie im "globalen Süden" lediglich 15,4 Prozent. Die Kluft wächst weiter, da die Nutzung im Norden deutlich schneller zunimmt als im Süden. Als Gründe nennt der Bericht strukturelle Hürden wie fehlenden Zugang zu zuverlässiger Infrastruktur, Konnektivität und digitalen Kompetenzen.
An der Spitze des Ländervergleichs stehen die Vereinigten Arabischen Emirate mit einer Nutzungsrate von 70,1 Prozent, gefolgt von Singapur (63,4 Prozent) und Norwegen (48,6 Prozent). Die Schweiz liegt auf Platz 14 - noch vor den USA (Platz 21 mit einer Nutzungsrate von 31,3 Prozent) und Deutschland (Platz 23 mit 31,1 Prozent).

KI-Nutzung im Ländervergleich: Die Schweiz liegt mit einer Quote von 37,8 Prozent auf Platz 14. (Source: zVg)
KI als Jobmotor für die Softwareentwicklung?
Ein klarer Trend zeigt sich dem Report zufolge in der Softwareentwicklung. KI-gestützte Programmier-Tools steigern die Produktivität massiv. So nahmen "Git pushes", mit denen Entwicklungsteams Code-Änderungen online stellen, im Jahresvergleich um 78 Prozent zu.
Laut Microsoft scheint dies jedoch die Nachfrage nach menschlichen Fachkräften bisher nicht zu senken - im Gegenteil. In den USA erreichte die Zahl der angestellten Softwareentwicklerinnen und Softwareentwickler 2025 einen Rekordwert von 2,2 Millionen. Der Bericht schränkt jedoch ein, dass es für eine endgültige Aussage über die langfristigen Arbeitsmarkteffekte noch zu früh sei. Die aktuellen Daten würden jedoch nahelegen, dass steigende Produktivität die Kosten senke und Unternehmen dazu anrege, mehr Software für neue Anwendungsfälle zu entwickeln, heisst es im Bericht.
Die Forschung zeichnet allerdings ein anderes Bild: So zeigt etwa eine Untersuchung des King’s College London, dass Unternehmen mit hoher Exposition gegenüber generativer KI ihre Beschäftigung teilweise reduzieren, insbesondere bei jüngeren Fachkräften und technischen Rollen in der Softwareentwicklung. Besonders betroffen sind demnach Neueinstellungen und Junior-Positionen, für die die Nachfrage deutlich zurückgeht. Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine Studie der Universität Stanford: Seit der Einführung von ChatGPT Ende 2022 ging die Beschäftigung junger Softwareentwicklerinnen und -entwickler im Alter von 22 bis 25 Jahren um rund 20 Prozent zurück.
Auch in der Schweiz zeigen sich Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt, wie eine Studie der KOF-Ökonomen Jeremias Klaeui und Michael Siegenthaler feststellt: Seit Herbst 2022 stieg die Arbeitslosigkeit in KI-exponierten Berufen demnach bis zu 30 Prozent stärker als in weniger betroffenen Tätigkeiten.
Mehr über die besagte KOF-Studie der ETH Zürich erfahren Sie im Fachbeitrag von Michael Siegenthaler: "Die Arbeitslosigkeit steigt – und KI dürfte ein Grund sein".
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