Expertenkolumne

Digitalisierung beginnt im Kern

Uhr | Aktualisiert
von Mike Seiler, Senior Business Development Manager bei Zühlke Schweiz
Mike Seiler, Senior Business Development Manager, Zühlke Schweiz (Source: Boris Baldinger)
Mike Seiler, Senior Business Development Manager, Zühlke Schweiz (Source: Boris Baldinger)

Robo-Advisor, künstliche Intelligenz, Big Data: wohlbekannte Schlagwörter, die uns von allen Seiten um die Ohren fliegen – und die Banken vor fundamentale Herausforderungen stellen. Finanzdienstleister müssen sich fragen, wie sie in Zeiten der technologischen Revolution überleben können. Futuristen sehen die Zukunft des Bankgeschäfts in kundenspezifischen, flexiblen und selbstregulierten Service-Modellen, die angetrieben werden durch automatisierte Prozesse und künstliche Intelligenz.

Das klassische Beratungs- und Geschäftsmodell der Banken wird dadurch in seinen Grundfesten erschüttert. Finanzinstitute müssen sich radikal neu erfinden und den Kunden kompromisslos ins Zentrum all ihren Wirkens rücken – und zwar nicht nur in Banking-Fragen, sondern auf alle Lebenssituationen bezogen.

Soweit so gut. Es mag sein, dass sich dieser Zustand in naher oder ferner Zukunft materialisieren wird. Tatsache ist aber auch, dass die organisatorische Flexibilität, der kulturelle Wandel, regelmässige Prozessanpassungen und moderne Technologien, die das überhaupt erst ermöglichen, bei vielen Schweizer Banken aktuell nur sehr eingeschränkt vorhanden sind. Bevor unsere Finanzdienstleister den Schritt in die Digitalisierung voll und ganz wagen können, muss die begonnene Grundlagenarbeit fortgesetzt und massiv ausgedehnt werden. FinTech und Open Banking helfen hier nur teilweise. Es braucht zusätzliche Investitionen und Know-how von aussen.

In der Kundenschnittstelle gilt es, die klassische Beratung durch den Berater effizienter und kundenspezifischer zu gestalten. Gleichzeitig müssen die Prozesse entsprechend angepasst und teilautomatisiert werden. Die End-to-End Betrachtung spielt dabei eine entscheidende Rolle, da die Verbindung mit den Kernsystemen lückenlos und integriert sichergestellt sein muss.

Mittels agiler Umsetzung von Anforderungen und kontinuierlich permanenter Auslieferung von inkrementellen Erweiterungen folgt die Stossrichtung sehr zeitnah den aktuellen Markgegebenheiten. Time-to-Market also.

Auf dieser Basis können nun auch zusätzliche Kanäle wie Online und Mobile gemäss Nutzerverhalten und Strategie miteingebunden und berücksichtigt werden.

Wenn diese Grundlagen geschaffen sind, können Banken das Potential, das ihnen die technologische Entwicklung eröffnet, voll ausschöpfen.

Dann mutieren visionäre Szenarien wie das eines hybriden Beratungsmodells – einem nutzbringenden, effizienten Mix aus Mensch und Technologie – plötzlich zur Realität.

Webcode
ZB201819

Kommentare

« Mehr