ITU-Studie

Frauen haben im Internet das Nachsehen

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Obwohl weltweit mehr Menschen einen Internetzugang haben, nimmt der Graben zwischen männlichen und weiblichen Internetnutzern in Entwicklungsländern zu. Das ergab eine Studie der Internationalen Fernmeldeunion.

(Source: Guy Erwood / Fotolia.com)
(Source: Guy Erwood / Fotolia.com)

Im Jahr 2019 sind insgesamt 4,1 Milliarden Menschen online, wie die Internationale Fernmeldeunion (ITU) aufzeigt. Das sind knapp 54 Prozent der Weltbevölkerung. In Industrieländern sei die Sättigung bald erreicht, ganze 88 Prozent der Menschen seien online. In den ärmsten Ländern der Welt dagegen hätten im Durchschnitt nur 2 von 10 Bewohnern einen Zugang zum Internet. Die Studie zeigt: Je entwickelter eine Region ist, desto mehr Internetzugänge und technologische Kenntnisse haben die Menschen. Die ITU betrachtet dabei aber nicht einzelne Ländern, sondern Regionen wie Europa, Afrika oder die saudischen Staaten.

In Europa schrumpfe zwar der Graben zwischen der Zahl von internetnutzenden Frauen und Männern. 2013 nutzen 9,4 Prozent mehr Männer als Frauen das Netz. 2019 waren es noch 5,9 Prozent. In anderen Teilen der Welt wachse der Graben aber. Das liege an diversen Gründen. Zum einen hätten mehr Männer überhaupt einen Anschluss ans Internet. Zum anderen würden mehr Frauen in eher ländlichen Regionen leben, hätten weniger oft die Schule besucht und hätten weniger Übung im Lesen und Schreiben. Das wirkt sich gemäss Studie deutlich aus: Während 2013 in Entwicklungsländern 29,9 Prozent mehr Frauen als Männer keinen Zugang hatten, sind es 2019 42,8 Prozent. Für Susan Teltscher, zuständig für den Kapazitätsausbau bei der ITU, seien die Folgen "schwerwiegend". Frauen seien zunehmend von der digitalisierten Welt abgeschnitten, sie könnten viele der Applikationen, die ihr Leben erleichtern könnten, nicht nutzen. Die ITU ruft Regierungen in aller Welt auf, mehr zu investieren, um "die Menschen fit zu machen für das digitale Zeitalter". Denn in 40 der 84 befragten Länder hätte weniger als die Hälfte der Bevölkerung Grundfertigkeiten wie etwa das Verschicken einer E-Mail mit Anhang.

Der Unterschied zwischen den Ländern ist gemäss Studie gross: Während in Europa 82,5 Prozent das Internet nutzten, seien es in Afrika nur 28,2. Die Gesamtnutzerzahl habe sich zudem von 2001 (495 Millionen Nutzer weltweit) zu 2019 (4,13 Milliarden Nutzer weltweit) verachtfacht. Die Verteilung in Industrieländern und Entwicklungsländern hätten sich in den letzten elf Jahren ebenfalls stark verschoben. Während 2008 von insgesamt 1570 Millionen Internetnutzern weltweit 811 Millionen Nutzer aus Entwicklungsländern stammten, seien es 2019 schon 3 Milliarden.

Für die Umwelt ist die steigende Internetnutzung eine negative Entwicklung. Wie viel Treibhausgas eine Suchanfrage erzeugt und welches Land der grösste Onlineumweltsünder ist, erfahren Sie hier.

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