Sorge um Telefonqualität

Die Swisscom verliert die SRG als Mobile-Kundin

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von Mark Baer

Ab Anfang 2020 werden auf einen Schlag alle 6900 Mitarbeitenden der SRG neu über das Handynetz von Sunrise telefonieren. Dass der Telekom-Herausforderer sich gegen den früheren Monopolisten durchsetzen konnte, freut die Sunrise-Geschäftsleitung. Einige SRF-Mitarbeitende machen sich hingegen Sorgen, dass in Zukunft die Telefonqualität abnehmen könnte.

(Source: Thomas Jensen / Unsplash)
(Source: Thomas Jensen / Unsplash)

Der Schweizer B2B-Telekommarkt ist hart umkämpft und befindet sich in einem regelrechten Verdrängungskampf. Nun konnte sich das börsenkotierte Unternehmen Sunrise einen dicken Fisch vom Platzhirsch Swisscom angeln. Wie die SRG gegenüber Werbewoche.ch bestätigt, werden im kommenden Jahr alle 6000 SRG-Mitarbeitende und etwa 900 technische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von TPC allesamt zu Sunrise wechseln.

Die SRG hat sich im Rahmen ihrer aktuellen Sparbemühungen auch die Telekommunikationsdienstleistungen angeschaut und von mehreren Playern offerieren lassen. Mit dem neuen Telekomprovider kann die SRG, laut Sprecher Edi Estermann, nicht nur "eine überaus zukunftsgerichtete Lösung anbieten, sondern gleichzeitig auch ganz beträchtlich Kosten sparen." Wie viel die Schweizerische Radio und Fernsehgesellschaft ab 2020 konkret sparen wird, wollte Estermann nicht verraten. Die Ausschreibung habe aber insgesamt zu sehr guten Angeboten geführt. Neben Sunrise und Swisscom hat sich auch Salt ins Zeug gelegt, konnte aber wie die Swisscom die SRG-Verantwortlichen nicht von sich überzeugen. Weder Swisscom noch Salt wollten zu ihrem Ausscheiden öffentlich Stellung beziehen.

Die Offerten und Gegen-Offerten seien professionell und akribisch aus technologischer und ökonomischer Warte miteinander verglichen worden, so der SRG-Sprecher. Zu den Unterschieden der drei Bewerber wollte sich die SRG nicht äussern.

Freude beim Herausforderer

Weniger zugeknöpft zeigte sich Sunrise. Laut Kommunikationschefin Therese Wenger bestätige der neu gewonnene Grosskunde die Strategie von Sunrise: "Wir sind der führende Herausforderer, fokussieren auf die beste Qualität bei Netz und Service sowie innovative Angebote." Sunrise setze diese Strategie seit vier Jahren konsequent um, was sich nun auch beim Erfolg im Geschäftskundenbereich zeige.

Auch die Schweizerische Post, Nestlé, Axpo, Valora, der Flughafen Zürich oder das Universitätsspital Zürich zählen zu den Kunden von Sunrise. Ist die Nummer zwei einfach viel günstiger oder weshalb ist Sunrise nun auch bei der SRG zum Handkuss gekommen? "Diese Firmen konnten wir aufgrund der Qualität unserer Dienstleistungen gewinnen", so Wenger. Der Preis müsse auch stimmen, Sunrise sei aber klar ein Qualitäts- und kein Billiganbieter.

Sind SRF-Mitarbeitende in Zukunft schlechter zu erreichen?

Sorgen um genau diese Qualität machen sich aber einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SRF. Ein SRF-Mann zeigt sich kritisch und sagt, dass man ab 2020 sicher mit weniger gutem Empfang am Smartphone rechnen könne. Ein anderer SRF-Mitarbeiter findet es "krass", wo die SRG überall anfängt zu sparen.

Die Reaktionen der Mitarbeitenden in den Unternehmenseinheiten fielen laut Edi Estermann "im erwarteten Rahmen" aus. Der SRG-Kommunikationschef bestätigt, dass es auf dem Intranet zahlreiche Fragen gab, die von den IT- und Telefonie-Experten beantwortet wurden und noch immer werden.

Sunrise sei der einzige Mobilfunkanbieter, dessen Mobilnetz vom führenden Benchmark, dem Connect Netztest, bereits dreimal in Folge als "überragend" ausgezeichnet wurde, so Therese Wenger in Richtung der SRF-Mitarbeitenden, die sich nicht auf den Netzwechsel freuen. "Diese Auszeichnung hat bisher nicht einmal der staatliche Anbieter erreicht", so die Sunrise-Sprecherin voller Stolz. Beim 4G-Netz sei man mit über 96 Prozent Flächenabdeckung der Schweiz und mit praktisch 100 Prozent Bevölkerungsabdeckung führend. Auch beim 5G-Test von RootMetrics habe man mit dem grössten und schnellsten 5G-Netz in der Schweiz überzeugen können. "Die SRF Mitarbeitenden können sich also insgesamt auf ein besseres Netz freuen."

Sunrise zählt heute in Verträgen über 3,6 Millionen Kunden. Im Mobile-Bereich erreicht das Unternehmen mit 2,4 Millionen Kunden einen Marktanteil von etwa 25 Prozent. Der Ex-Monopolist erzielt im Vergleich zu Sunrise etwa sechsmal mehr Umsatz und verfügt über zwölfmal mehr Mitarbeitende. Zudem verfüge die Swisscom mit dem Bund als Mehrheitsaktionär über viele Privilegien, wie Wenger hervorstreicht. "Das gibt eine Vorstellung davon, wie die Grössenverhältnisse sind und gleichzeitig auch davon, was es heisst, wenn sich Sunrise bei einem Kunden wie der SRG durchsetzen kann."

SRG-Deal ist auch Chefsache

Um die SRG als neue Kundin zu gewinnen bzw. sie zu behalten, waren bei Swisscom und bei Sunrise auch die CEOs involviert. Die Werbewoche weiss, dass zwischen Swisscom und der SRG auf oberster Ebene nach wie vor Gespräche geführt werden. Offenbar will die Swisscom-Spitze genau herausfinden, weshalb die Nummer 1 im Schweizer Telco-Markt sich gegen Sunrise nicht durchsetzen konnte.

Gut möglich, dass der SRG-Deal von Sunrise in Zukunft noch werbemässig ausgeschlachtet wird. Die Tatsache, dass Unternehmen wie Swiss International Airlines, Axpo, Tamedia beziehungsweise TX Group, CornerBank und weitere sehr rasch bereit waren, sich in der B2B-Werbekampagne von Sunrise integrieren zu lassen, zeige, dass Sunrise sie mit ihrer hohen Qualität überzeugen konnte. "Ob die SRG für Werbung zur Verfügung stehen würde, werden wir bestimmt zu gegebener Zeit mit ihnen anschauen", so Therese Wenger.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Werbewoche.ch.

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