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Die Zukunft des Bezahlens

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Das Bezahlen erfolgt immer mehr mobil und digital. (Source: pressureUA / iStock.com)
Das Bezahlen erfolgt immer mehr mobil und digital. (Source: pressureUA / iStock.com)

Smartphone ersetzt Portemonnaie – vor zehn Jahren klang das noch nach Zukunftsmusik. Heute wäre dieser Satz keine Schlagzeile mehr wert. Denn Mobile Payment ist in der Schweiz angekommen. Die Massnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie haben diese Entwicklung beschleunigt, aber nicht verursacht. Die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs hat schon lange vor Corona begonnen und wird auch nach der Pandemie weitere Kreise ziehen.

Die Zahlungsdienstleister haben diesen Trend antizipiert. Trotzdem stehen sie vor Herausforderungen, weil inzwischen Tech-Giganten wie Apple, Google oder Samsung im Zahlungsmarkt mitmischen. Ihr Vorteil: gigantische Nutzerzahlen und starke Marktstellungen. Den Zahlungsdienstleistern bleibt kaum eine andere Wahl: Sie schrauben an den Preismodellen und setzen ebenfalls auf Technologien. Ziel sind Innova­tionen wie Mobile Wallets, Echtzeitzahlungen und automatisierte, mit dem IoT verbundene Bezahllösungen, wie Marc Schluep, Managing Director von Worldline Schweiz, schreibt.

Doch wie sieht das Ganze aus Sicht der Onlinehändler aus? Und was ist mit den Bedürfnissen der Bezahlenden? Die Hürden sollten tief sein, aber es gibt noch einen wichtigeren Aspekt, nämlich das Vertrauen in die entsprechende Bezahlmethode. In diesem Punkt hat Twint einen grossen Vorsprung gegenüber Apple Pay oder Paypal, wie Walter Oberli, Partner und Senior Consultant bei Carpathia, erklärt.

In technologischer Hinsicht läuft es darauf hinaus, dass sich biometrische und verhaltensbasierte Bezahlformen durchsetzen, wie Tobias Trütsch von der Universität St. Gallen schreibt. Dies wiederum führt dazu, dass das Bezahlen gewissermassen auf die Hinterbühne verschwindet. Mit anderen Worten: Der Bezahlvorgang wird keine Handlung mehr sein, sondern automatisch durch den Zahlungsdienstleister abgewickelt – so läuft es beispielsweise bei "Amazon Go" oder bei der "Avec Box" von Kioskbetreiberin Valora. Die Konsequenz laut Trütsch: Konsumentinnen und Konsumenten geben mehr aus, verschulden sich eher und verwandeln sich vom anonymen Kaufsubjekt zum "gläsernen Kunden".

Es ist kein Zufall, dass sich hierzulande Twint als Bezahl-App durchgesetzt hat. Die App gehört den grossen Schweizer Banken, die damit ein ambitioniertes Ziel verfolgen: den Technologiekonzernen im Zahlungsmarkt die Stirn zu bieten. Haben die Banken die Tech-Konzerne geschlagen? "Derzeit ist Twint tatsächlich in der Poleposition", sagt Andreas Dietrich, Leiter des Instituts für Finanzdienstleistungen an der Hochschule Luzern, im Interview. Fraglich ist allerdings, wie lange das so bleibt. Denn der Markt sei sehr dynamisch. Und abgesehen von den Tech-Giganten sollte sich Twint auch vor Konkurrenz aus der "alten Welt" hüten: "Visa und Mastercard sind mächtige Player", sagt Dietrich. Mit ihren neuen Debitkarten könnten die Kreditkartenherausgeber den Mobile-Payment-Anbietern das Geschäft streitig machen.

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