Lösung zur Dokumenten-Zertifizierung geplant

Blockchain soll Vertrauen in Onlinedienste des Kantons Jura erhöhen

Uhr
von Rodolphe Koller und Übersetzung: Ludovic de Werra, kfi

Für das Jahr 2021 hat der Kanton Jura eine neue Lösung zur Zertifizierung von Dokumenten geplant. Die Lösung basiert auf der Blockchain-Technologie. Damit erhofft sich der Kanton, das Vertrauen der Bürger und Unternehmen in die Online-Dienste der Verwaltung zu stärken.

Delémont, Hauptort des Kantons Jura (Source: Jeremy.toma, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Delémont, Hauptort des Kantons Jura (Source: Jeremy.toma, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt hat der Kanton Jura beschlossen, eine eigene Blockchain-basierte Lösung einzusetzen. Gemäss einem Whitepaper erhofft sich der Kanton, das Vertrauen der Bevölkerung und Unternehmen in die Online-Dienste der Verwaltung zu verstärken. Langfristig soll die Lösung nach estnischem Vorbild ein zentrales Element des staatlichen Informationssystems sein und auch zur Nachverfolgung verwaltungsinterner Vorgänge genutzt werden.

Der Kanton plant die Implementierung der Lösung in der zweiten Jahrenshälfte 2021. Sie basiert auf der von Estland entwickelten und genutzten KSI-Blockchain sowie der vom Projektpartner Sicpa entwickelten CERTUS-Technologie.

Digitaler Download-Beleg

Das Blockchain-System unterstützt zwei Mechanismen. Der Erste ist eine Zeitstempelfunktion, die das Hochladen eines Dokuments in den virtuellen Schalter des Kantons bescheinigt. Nach Upload des Dokuments wird ein digitaler Hash an den lokalen Blockchain-Server gesendet. Dieser retourniert die KSI-Signatur mit einem Zeitstempel. Nach dem Download gilt diese Signatur als Beleg für die Integrität des Dokuments, das genaue Datum des Downloads und den Aussteller der Signatur. Die Quittungen können von Einwohnern wie auch vom Staat zur Kontrolle des Dokumentenverkehrs genutzt werden.

Zertifizierung von Dokumenten

Der zweite Mechanismus ermöglicht die in einem Dokument enthaltenen Informationen zu zertifizieren und stützt sich auf den Online-Dienst CERTUS von Sicpa. Das könnte etwa einer Verwaltung ermöglichen zu überprüfen, ob eine Bescheinigung aus dem Betreibungsregister korrekt ist. Ein QR-Code auf dem Dokument soll alle wichtigen Informationen enthalten wie etwa Datum und Bonität bei einer Urkunde aus dem Schuldnerverzeichnis. Personen oder Organisationen können diesen QR-Code mit einer App scannen und somit die darin enthaltenen Informationen lesen und überprüfen. Der QR-Code wiederum soll auf einem Link in der KSI-Blockchain gesichert sein. Somit kann der Benutzer den Code auf seine Gültigkeit prüfen und darauf, wer ihn ausgestellt hat.

Datenschutz, Ökologie und Adaption

Der Kanton Jura betont im Whitepaper, dass die KSI-Blockchain-Infrastruktur auf bereits bestehenden Infrastrukturen aufbaut und nicht auf einem energieintensiven Konsensalgorithmus vom Typ "Proof of Work". Die Daten verlassen ausserdem nicht die Server des Kantons. Schliesslich plant der Kanton Jura, zusammen mit der "Haute École Arc Gestion" Workshops zum Thema "Digitales Vertrauen" zu veranstalten – nicht zuletzt, um der Bevölkerung die Technologie näherzubringen. Mehr zum Projekt des Kantons Jura erfahren Sie in diesem Whitepaper (französisches PDF).

Übrigens hat der Kanton Zürich im März einen Blockchain-Leitfaden für Behörden und Amtsstellen veröffentlicht. Dieser soll helfen, eigenen Anwendungsfälle sowie Angebote von Blockchain-Dienstleistern zu beurteilen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Webcode
DPF8_219029

Kommentare

« Mehr