Swiss Developer Survey 2021

So tickt die Schweizer Entwicklergemeinde

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von Joël Orizet und cka

Das ganze Gerede um die Cloud lässt die Schweizer Entwicklergemeinschaft offenbar kalt. Für die Unternehmen heisst das: Mit Geschichten gewinnt man keine Fachkräfte. Viel wichtiger ist hingegen die Wahl der eingesetzten Programmiersprachen, Frameworks und Plattformen.

(Source: gilaxia / iStock.com)
(Source: gilaxia / iStock.com)

Wer Fachkräfte mit Programmier-Know-how sucht, sollte folgendes beachten: Sprachen, Frameworks und Plattformen sind entscheidende Faktoren für die Produktivität, die Zufriedenheit und die Arbeitsplatzwahl von Schweizer Softwareentwicklerinnen und -entwicklern. Dies geht aus den Ergebnissen der dritten jährlichen Befragung des Labels Swiss Made Software hervor.

888 Entwicklerinnen und Entwickler nahmen an der aktuellen Befragung teil. Das sind 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Die überwiegende Mehrheit der Befragten arbeitet für Schweizer Unternehmen im In- und Ausland (96 Prozent).

Cloud: Übrig bleibt nur Schall und Rauch

Im Vergleich zu den Ergebnissen des Vorjahres gibt es nur wenige neue Befunde. Die Autoren des Survey heben insbesondere einen "Nicht-Trend" hervor: Der Hype um die Cloud scheint im Softwareumfeld nicht anzukommen - das ist die eine Interpretation. Die andere lautet: Entwicklerinnen und Entwickler setzten sich schon längst vor Ausbruch der Coronapandemie mit dem Thema auseinander.

So oder so betrachten Engineers die Cloud nicht oder zumindest nicht mehr als ernstzunehmenden Trend. Zwar sieht man laut Swiss Made Software einen klaren Zuwachs bei "zwangsverschriebenen" Tools wie Microsoft Teams, doch die Änderungen bei den Public Clouds von Amazon, Microsoft und Google halten sich aus Sicht der Befragten in Grenzen.

Mehr öffentliche Fortbildung statt Inhouse-Trainings

Die Befragten zeigten sich mit ihrer Arbeitsstelle zufriedener als auch schon. So stieg der Anteil der Entwickler und Entwicklerinnen, die mit ihrer Stelle extrem zufrieden sind, von 34 auf 41 Prozent. Gerade jetzt schätzen die Entwickler, was sie haben, wie es im Ergebnisbericht heisst.

Andererseits nahm das Interesse an öffentlichen Fortbildungsveranstaltungen zu. 25 Prozent der Befragten äusserten entsprechende Wünsche; im Vorjahr waren es 10 Prozentpunkte weniger. Gleichzeitig sank das Bedürfnis nach Inhouse-Trainings von 40 auf 30 Prozent.

Javascript setzt sich durch, Java schwindet langsam

Javascript ist den Ergebnissen zufolge nach wie vor die meistgenutzte Programmiersprache. Auch auf den Rängen zwei bis sechs blieb das Ranking im Vergleich zum Vorjahr gleich, wobei sich allerdings die Prozentsätze veränderten: Javascript (plus 7 Prozentpunkte) und Typescript (plus 5 Prozentpunkte) kommen mehr und mehr zum Einsatz; Java (minus 8 Prozentpunkte) ist hingegen auf dem absteigenden Ast. Der Trend der abnehmenden Nutzung von Java habe sich seit 2019 sogar beschleunigt, heisst es in den Ergebnissen der Umfrage.

PHP erlebte gemäss den Umfrageautoren einen überraschenden Anstieg von 5 Prozentpunkten. Möglicherweise seien Java-Entwicklerinnen und -Entwickler auf PHP und Typescript umgestiegen.

Rust: Das Interesse ist da, die Verbreitung (noch) nicht

Spannend sei auch, dass 14 Prozent der Befragten gerne Rust ausprobieren möchten. Den Ergebnissen zufolge kommt die Programmiersprache allerdings noch kaum in der Schweizer Entwicklergemeinschaft zum Einsatz. Gerade mal 1,4 Prozent der Befragten gaben an, mit Rust zu arbeiten.

Rust war ursprünglich ein persönliches Projekt des Mozilla-Mitarbeiters Graydon Hoare, bevor die Programmiersprache 2010 zu einem Forschungsprojekt von Mozilla wurde. Aktuell wird Rust von der Rust Foundation weiterentwickelt, die im Februar 2021 von Mozilla, Google, Microsoft, AWS und Huawei gegründet wurde. Rust gilt als besonders sicher und eignet sich deshalb für die Systemprogrammierung sowie für die Weiterentwicklung des Internet of Things, wie Dominik Gruntz, Professor für Informatik an der FHNW, im Fachbeitrag über die "beliebtesten Programmiersprachen" schreibt. Im April 2021 öffnete Google das Android Open Source Project für Rust. Das heisst, untere Ebenen des Betriebssystems Android lassen sich nun - zusätzlich zu C und C++ - auch in Rust programmieren.

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