Obligatorische Umfrage ist für blinde Menschen nicht zugänglich
Im Rahmen der Volkszählung ruft das Bundesamt für Statistik 300'000 Menschen zur Teilnahme an einer Umfrage auf. Doch die Onlineversion ist nicht barrierefrei, sodass blinde Menschen sie nicht ausfüllen können. Ihnen rät die Behörde, sich helfen zu lassen.
Rund 300'000 in der Schweiz wohnhafte Personen sind unlängst vom Bundesamt für Statistik (BFS) zur Teilnahme an einer Umfrage aufgerufen worden. Dabei handelt es sich um die stichprobenartig durchgeführte Strukturerhebung zur Volkszählung. Das Ausfüllen der Umfrage ist eigentlich obligatorisch.
Doch nicht alle Eingeladenen können diese Umfrage ausfüllen, wie "SRF" berichtet. Denn die Onlineversion ist nicht barrierefrei umgesetzt. Dies verunmöglicht es blinden Menschen, selbständig an der Umfrage teilzunehmen. Einer von ihnen ist Jonas Pauchard, der mithilfe eines Screen-Readers Computer und Smartphones nutzen kann. Doch aufgrund der mangelhaften Accessibility bei der BFS-Umfrage meldet ihm das Hilfsmittel beispielsweise nicht zurück, welche Antwortoptionen er bei den gestellten Fragen angewählt hat.
Barrierefrei in zwei Jahren
Beim BFS teilte man Pauchard mit, er könne auf die Teilnahme verzichten. Als Alternative riet man ihm, sich beim Ausfüllen des Fragebogens helfen zu lassen – ein Ratschlag, den er und andere blinde Menschen öfter zu hören bekommen. "Ich möchte diese Dinge aber autonom erledigen können, wann ich will und wo ich will", kommentiert Pauchard gegenüber "SRF".
Auf die Teilnahme zu verzichten, kommt für ihn ebenfalls nicht in Frage, denn gerade aufgrund seiner Behinderung möchte er seine Daten statistisch erfasst haben: "Menschen mit Sehbehinderung sind oft von Arbeitslosigkeit betroffen. Das kann so aber nicht abgebildet werden, obwohl es meines Erachtens extrem wichtig wäre", erklärt er.
Das BFS räumt ein, man wisse nicht, wie viele blinde Menschen sich beim Ausfüllen helfen liessen oder wie viele letztlich nicht teilgenommen haben. Der beim Bundesamt für die Befragung zuständige Jean-Paul Kauthen sagt gegenüber "SRF", man sei daran, das Thema Accessibility aufzunehmen. In zwei Jahren soll die obligatorische Bevölkerungsbefragung barrierefrei sein. Bis dahin bittet Kauthen sehbehinderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich beim Ausfüllen helfen zu lassen, damit ihre Lebenssituation am Ende in der Volkszählung abgebildet werde. Denn Blinde, die nicht teilnehmen, existierten statistisch nicht.
Was sich in puncto Accessibility in der Schweiz alles tut, schilderten die Referierenden an der Fachtagung E-Accessibility im November 2022. Hier erfahren Sie, wie digitale Barrierefreiheit zum Unternehmensstandard wird.
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