Focus: Embedded Finance

Banking is necessary – banks with Fintechs too!

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von Jan-Philip Schade, Co-Founder & CEO, Kaspar&

Ist Fintech wirklich die Wachablöse für klassische Banken? Wahrscheinlich nicht. Aber es geht auch nicht mehr ohne ein Miteinander. Ein Aufruf für ein starkes gemeinsames Ökosystem.

Jan-Philip Schade, Co-Founder & CEO, Kaspar&. (Source: zVg)
Jan-Philip Schade, Co-Founder & CEO, Kaspar&. (Source: zVg)

1994 hat Bill Gates mit seiner viel beachteten Aussage «Banking is necessary – banks are not» das Ende von Banken im klassischen Sinne postuliert. Heute, fast 30 Jahre später, hat sich die Prophezeiung jedoch nicht vollends materialisiert: So wurde zwar fast genauso viel in europäische Neo-Bank-Challenger investiert wie insgesamt in den Schweizer Venture-Capital-Markt in den Jahren 2021 bis 2023, und dennoch beträgt deren Marktdurchdringung nur 7 Prozent in ganz Europa. Zunehmende regulatorische Schwierigkeiten, eine mangelnde Monetarisierung und ein bisher häufig immer noch fehlendes Kundenvertrauen machen es den Challenger-Banken alles andere als einfach, den Markt zu erobern und die Dominanz bestehender Institute infrage zu stellen.

Die jungen Wilden haben einiges beweisen können

Wer sich jetzt jedoch freut und glaubt, dass der Einfluss von Fintechs auf den Bankenbereich vorbei sei, der irrt sich. Denn drei Dinge haben die jungen Wilden in den vergangenen Jahren eindrucksvoll demonstrieren können:

  • Banking kann Spass machen: Der geschickte Einsatz von UI und UX kann zu Finanz-Apps führen, die wirklich ein Erlebnis bieten und Freude in der Bedienung auslösen.
  • Innovation und Time to Market: Der kontinuierliche Release neuer Features führt zu einer dauerhaften Produkt­interaktion und festigt das Interesse an Finanzthemen.
  • Data Analytics: Schnelles, datengetriebenes Lernen von Nutzerverhalten erlaubt eine effiziente Anpassung von User Journeys und somit eine ständige Verbesserung des Angebots.

Erst Fintechs konnten also das in die Bankenwelt bringen, was in anderen Dienstleistungsbereichen schon längst als Normalität gilt. Anstatt sich somit als direkte Konkurrenten zu betrachten, ergibt es aus heutiger Sicht viel mehr Sinn, die Möglichkeit von Synergien auszunutzen, denn im Gegensatz zu Fintechs verfügen Banken über einen direkten Zugang zu einer grossen Bestandskundenbasis, ein profitables unterliegendes Geschäftsmodell sowie ein hohes Mass an Kundenvertrauen. Würde dies mit der oben beschriebenen Innovationskraft von Fintechs verbunden werden, so könnte Banking dauerhaft neu definiert werden. 

Vom Wettbewerb zum Ökosystem: Open Banking heute

Um solche Kooperationen jedoch Realität werden zu lassen, braucht es einen effizienten Austausch von Bankdaten in einem offenen, aber dennoch vertrauensvollen Ökosystem. In der Schweiz hat sich hierfür zunehmend die «bLink»-Plattform der Schweizer Börse Six etabliert, die es ermöglicht, Daten mittels standardisierter APIs zwischen Banken und angeschlossenen Fintechs auszutauschen. Auf diese Art und Weise können Endkunden etwa Apps von Fintechs nutzen und dort nicht nur ihre Bankdaten einsehen, sondern auf ihr Vermögen und Zahlungskonto zugreifen. Anders ausgedrückt: Kunden können die Vorteile eines Fintechs in Anspruch nehmen, ohne jedoch ihre Kontobeziehung von ihrer Hausbank umziehen zu müssen. Und genau dies ist der eigentliche Kern der dahinterstehenden gesamten Open-Finance-Bewegung, denn sie ermöglicht, dass alle Spieler im Markt ihre spezifischen Stärken genauso ausspielen können, dass für Kunden am Ende ein bestmögliches Erlebnis und Produkt entsteht.

Banken sind also alles andere als eine aussterbende Spezies, sondern auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Finanzplatzes – zumindest, wenn sie zusammen mit Fintechs auf ein offenes Ökosystem setzen.

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