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Open Source und Gemeinden – eine Auslegeordnung

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von Alexander Sollberger, Verein Myni Gmeind

Die IT der öffentlichen Verwaltung ist heute mehr und mehr geschäftskritisch und systemrelevant. Gemeinden müssen digitale Leistungen sicher, zuverlässig und wirtschaftlich erbringen und gleichzeitig technologische Abhängigkeiten vermeiden. Open Source und gemeinsame Ansätze bieten dafür eine Grundlage.

Alexander Sollberger Präsident Verein Myni Gmeind. (Source: zVg)
Alexander Sollberger Präsident Verein Myni Gmeind. (Source: zVg)

Die IT der öffentlichen Verwaltung ist zu einem zentralen Pfeiler des Service public geworden. Digitale Souveränität wird dabei so wichtig wie Energiesouveränität. Gemeinden stehen vor der Aufgabe, digitale Leistungen zuverlässig und sicher bereitzustellen und gleichzeitig Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern oder Technologien aktiv zu vermeiden. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie digitale Lösungen entwickelt, betrieben und langfristig weiterentwickelt werden.

Gemeinden erfüllen vergleichbare Aufgaben und bewegen sich oft innerhalb identischer rechtlicher Rahmenbedingungen. Viele Verwaltungsleistungen basieren auf ähnlichen Prozessen, unabhängig von Grösse oder Lage der Gemeinde. Dieses gemeinsame Fundament bietet ein grosses Potenzial für die Zusammenarbeit und Wiederverwendbarkeit. In der Praxis existieren jedoch weiterhin zahlreiche parallele Lösungen für dieselben Aufgaben. Diese Fragmentierung verursacht hohe Kosten, erschwert den Wissenstransfer und verhindert Skaleneffekte.

Hier setzt beispielsweise die Initiative "Gemeinde Connect" an, die vom Schweizerischen Gemeindeverband und dem Verein Myni Gmeind lanciert und von der Digitalen Verwaltung Schweiz unterstützt wird. Ziel ist es, Gemeindeverbände und Gemeindeorganisationen dabei zu unterstützen, digitale kommunale Serviceleistungen gemeinsam und einfacher bereitzustellen. Statt isolierter Einzelentwicklungen werden Ressourcen gebündelt, ­Erfahrungen geteilt und Lösungen gemeinschaftlich getragen. 

Ein zentraler Bestandteil eines solchen Projekts ist die gemeinsame Erarbeitung von fachlichen Definitionen, Best Practices und modularen Bausteinen, die als Open-Collaboration-Ressourcen allen Beteiligten zur Verfügung stehen. Doppelspurigkeiten sollen reduziert werden. Ohne eine koordinierende Community bleibt dieses Potenzial oft ungenutzt.

Transparenz ist dabei zentral. Open-Source-Ressourcen auf Basis offener Standards und von offenem Quellcode ermöglichen Einblicke in technische Abläufe, erhöhen die Nachvollziehbarkeit digitaler Prozesse und erleichtern Prüfungen. Gemeinden können die Software­qualität und Sicherheitsrisiken häufig nur eingeschränkt beurteilen. Der Open-Source-Ansatz mit einer aktiven Community erkennt Schwachstellen schneller und verbessert Lösungen kontinuierlich weiter. 

Dieser Ansatz verändert auch die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Anbietern und Partnern. Der Fokus verschiebt sich von einer klassischen Kunden-Lieferanten-Beziehung hin zu einer geteilten Verantwortung. Gemeindeverbände definieren Prioritäten, beteiligen sich an der Weiterentwicklung und tauschen Erfahrungen aus, was jedoch neue Kompetenzen verlangt. Der Aufbau von Wissen in den Gemeinden wird damit zu einem zentralen Erfolgsfaktor.

Digitale Souveränität erfordert Investitionen in Kompetenzen, Koordination und Governance sowie den Mut, Open-Source-Lösungen gezielt einzufordern. Open Source ist kein Selbstzweck, sondern ein wirksames Instrument für eine gemeinschaftlich getragene, transparente und nachhaltige digitale Infrastruktur der Gemeinden.

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