Viseca und Cornercard greifen mit Payinit im P2P-Markt an
Die Kreditkartenfirmen Viseca und Cornercard wollen den Markt für mobile Direktzahlungen aufmischen. Mit ihrem neu gegründeten Joint Venture Payinit planen sie eine offene Infrastruktur für weltweite P2P-Überweisungen. Der Vorstoss zielt auf das P2P-Geschäft von Twint, positioniert sich aber vor allem gegenüber internationalen Anbietern wie Revolut.
Viseca und Cornercard kündigen den Aufbau einer neuen Zahlungsinfrastruktur an. Wie die beiden Kartenherausgeber mitteilen, gründen sie zu diesem Zweck die Firma Payinit. Diese soll eine offene Plattform für weltweite Peer-to-Peer-(P2P)-Geldtransfers entwickeln. Die Lösung soll Usern ermöglichen, Geld von ihrer Schweizer Zahlkarte über die Infrastruktur der internationalen Kartennetzwerke direkt auf andere Karten, in Wallets oder auf Bankkonten weltweit zu überweisen. Als technische Basis dienen die globalen Netzwerke von Visa und Mastercard, die entsprechende Push-Payment-Funktionen bereits heute bereitstellen.
Anstatt einer weiteren geschlossenen App soll Payinit als offene Industrielösung konzipiert sein. Ein zentrales Element ist ein sogenanntes Alias Directory. Dieses Verzeichnis ermöglicht Geldtransfers via Telefonnummer oder E-Mail-Adresse und erspart den Austausch von IBANs. Somit setzen die beiden Kartenherausgeber auf eine Funktion, die Kundinnen und Kunden von internationalen Anbietern wie Revolut oder Wise bereits kennen, auch wenn diese auf anderen Infrastrukturen basieren.
Offenes Modell soll breite Adaption sichern
Viseca und Cornercard betonen den offenen Charakter der Plattform und positionieren Payinit als interoperable Basistechnologie. Interessierte Finanzinstitute können die Infrastruktur über einen Dienstleistungsvertrag nutzen. Eine Beteiligung am Joint Venture werde zwar begrüsst, sei jedoch keine Voraussetzung für die Nutzung der Infrastruktur, heisst es in der Mitteilung.
Die technische Umsetzung übernimmt der spezialisierte Dienstleister Opentech mit seiner Plattform Openpay Send. Dessen Aufgabe ist es, die Interoperabilität zwischen Banken, Kartenherausgebern und den internationalen Zahlungsnetzwerken zu gewährleisten.
Mit dem Vorhaben drängen die beiden Partner in den P2P-Markt, in dem auch Twint aktiv ist. Das neue Joint Venture adressiert jedoch primär einen anderen Anwendungsfall: Während Twint den Schweizer Markt fokussiert, zielt Payinit auf globale Transaktionen. Somit positioniert sich das Joint Venture insbesondere als heimische Alternative zu den international agierenden Neobanken. "Wir schliessen eine wichtige Angebotslücke im Schweizer Bezahlkartengeschäft", lässt sich Michael Walther, CFO von Viseca und Verwaltungsratspräsident von Payinit, in der Mitteilung zitieren.
Erfolg hängt von der Akzeptanz der Banken ab
Die Plattform verspricht die Integration moderner P2P-Dienste auf Basis etablierter Karteninfrastruktur, ohne dass Institute diese von Grund auf neu entwickeln müssen. Für Endkundinnen und -kunden dürfte Payinit in der Regel im Hintergrund bleiben, da die Nutzung über bestehende Banking- oder Payment-Apps vorgesehen ist. Entscheidend für den Erfolg des Modells ist allerdings die Frage, ob die etablierten Banken und neuen Player die Einladung zur Kooperation annehmen. Ohne breite Integration in bestehende Anwendungen dürfte die Nutzung entsprechend begrenzt bleiben.
Der Start des Dienstes ist für Ende 2026 vorgesehen.
Twint knackte im August 2025 übrigens die 6-Millionen-User-Marke - mehr dazu lesen Sie hier.
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