Digitale Souveränität

Infomaniak gibt Mehrheit der Stimmrechte an Stiftung ab

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von Alexia Muanza und Übersetzung: Joël Orizet, nki

Der Westschweizer Cloud-Anbieter Infomaniak überträgt die Mehrheit der Stimmrechte an eine gemeinnützige Stiftung in Genf. Das Unternehmen will sich somit gegen unerwünschte Übernahmen absichern und seine Nachfolge langfristig regeln.

Boris Siegenthaler, Gründer und Chief Strategy Officer von Infomaniak. (Source: zVg)
Boris Siegenthaler, Gründer und Chief Strategy Officer von Infomaniak. (Source: zVg)

Mit einer neuen Stiftung stellt Infomaniak seine Eigentümerstruktur neu auf. Die Fondation Infomaniak hält ab sofort fast zwei Drittel der Stimmrechte des Genfer Cloud-Anbieters - über spezielle Aktien, die sich nicht verkaufen lassen. Firmengründer Boris Siegenthaler und die 36 Aktionärinnen und Aktionäre aus der Belegschaft genehmigten den Schritt einstimmig, wie das Unternehmen mitteilt.

"Diese Stiftung ist das Ergebnis von dreissig Jahren Engagement und garantiert, dass Infomaniak weiterhin einer Digitalisierung dient, die dem Menschen dient, den Planeten respektiert und die Autonomie Europas bewahrt - weit über die Personen hinaus, die das Unternehmen heute prägen", lässt sich Siegenthaler in der Mitteilung zitieren. Die neue Governance soll unter anderem Nachfolgeprobleme verhindern und das Unternehmen vor einer möglichen Übernahme schützen.

Infomaniak begründet den Schritt mit den aktuellen Entwicklungen im Cloud-Geschäft. Dazu zählen der Vormarsch von KI, die starke Abhängigkeit von US-amerikanischen Hyperscalern sowie die Übernahme europäischer Cloud-Anbieter durch internationale Konzerne. Auch Gesetze wie der US Cloud Act, die Behörden weitreichenden Zugriff auf Daten ermöglichen, erwähnt das Unternehmen ausdrücklich.

Stiftung soll Werte und Unabhängigkeit sichern

Die Stiftung übernimmt laut Infomaniak eine Doppelrolle: Sie fördert gemeinnützige Projekte und fungiert gleichzeitig als langfristige Eigentümerin, die die Unabhängigkeit des Unternehmens sichern soll. Die Stiftung unterstützt Projekte in den Bereichen digitale Souveränität, ethische Digitalisierung, Umwelt und Energiewende.

Eine Beteiligungs-Charta definiert zentrale Grundsätze wie Datenschutz, lokale Verankerung, digitale Souveränität und ökologische Verantwortung. Ohne Zustimmung der Stiftung soll künftig weder ein Verkauf noch ein Kontrollwechsel möglich sein. Auch grundlegende Änderungen an diesen Prinzipien schliesst das Regelwerk aus.

An der operativen Führung ändert sich nichts. Marc Oehler bleibt CEO, Céline Morey CFO und Boris Siegenthaler Chief Strategy Officer. Die Stiftung greift laut Mitteilung nicht in operative, technische oder kommerzielle Entscheidungen ein.

Zudem erweitert Infomaniak den Verwaltungsrat mit Patricia Solioz Mathys und Paul Such, dem CEO von Swiss Post Cybersecurity. Neu entstehen auch zwei spezialisierte Ausschüsse für Audit und Risiken sowie für Vergütung.

 

Übrigens: Mehr über das Konzept der digitalen Souveränität und darüber, wie Schweizer Behörden diese stärken können, verrät Matthias Stürmer, Leiter des Instituts Public Sector Transformation an der BFH, im Interview.

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