Streit um Bonuszahlungen

Update: Samsung verhindert Streik in letzter Minute

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von René Jaun und Joël Orizet und jor, rja

Samsung hat sich kurz vor Beginn eines angekündigten Grossstreiks mit seiner Gewerkschaft geeinigt. Damit verhindert der südkoreanische Technologiekonzern vorerst einen Arbeitskampf, der die globale Chip-Industrie unter Druck gesetzt hätte.

Ein Halbleiterwerk von Samsung in Hwaseong, Südkorea. (Source: zVg)
Ein Halbleiterwerk von Samsung in Hwaseong, Südkorea. (Source: zVg)

Update vom 21.05.2026: Samsung hat den drohenden Grossstreik seiner Chip-Belegschaft in letzter Minute abgewendet. Die Gewerkschaft setzte den ursprünglich für drei Wochen angekündigten, zuletzt aber auf 18 Tage angesetzten Streik vorläufig aus, nachdem sich beide Seiten auf einen Kompromiss geeinigt hatten, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. 

Somit verhindert Samsung vorerst den grössten Arbeitskampf seiner Unternehmensgeschichte. Rund 48'000 Beschäftigte hatten mit einem Streik gedroht. Besonders kritisch wäre ein Produktionsausfall in der Halbleitersparte gewesen: Samsung zählt zu den wichtigsten Herstellern von Speicherchips weltweit und spielt eine zentrale Rolle in globalen Lieferketten für KI-Systeme, Smartphones und Rechenzentren.

Im Zentrum des Konflikts standen Bonuszahlungen und Gewinnbeteiligungen. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich verlangt, dass Samsung 15 Prozent seines Betriebsgewinns in einen Bonusfonds für Mitarbeitende einzahlt und die bisherige Obergrenze für Boni streicht. Laut der nun ausgehandelten Vereinbarung reserviert Samsung künftig rund 10,5 Prozent des Betriebsgewinns der Chipsparte für Sonderboni. Einige Forderungen setzte die Gewerkschaft also durch, andere schwächte sie allerdings ab.

Internationale Medien bewerten die Einigung vor allem mit Blick auf die globale Chip-Industrie als wichtiges Signal. Mehrere Berichte verweisen darauf, dass ein längerer Streik bei Samsung neue Spannungen in den ohnehin fragilen Halbleiter-Lieferketten ausgelöst hätte.

Samsung versucht nun, nach Monaten der Eskalation wieder Ruhe in den Konzern zu bringen. Chipchef Jun Young-hyun forderte die Mitarbeitenden laut Reuters in einem internen Schreiben dazu auf, die "Zeit des Konflikts hinter sich zu lassen" und gemeinsam an der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu arbeiten.

An der Börse reagierten die Anlegerinnen und Anleger erleichtert: Die Samsung-Aktie legte nach Bekanntgabe der Einigung zeitweise deutlich zu.

Originalmeldung vom 20.05.2026: 

48'000 Samsung-Mitarbeitende drohen mit Streik

21 Tage lang könnten an die 48'000 Mitarbeitende des Chipherstellers Samsung ihre Arbeit niederlegen. Mit diesem Szenario droht die Gewerkschaft Samsungs aufgrund gescheiterter Lohnverhandlungen mit der Geschäftsleitung. Werden sich die Verhandlungspartner nicht einig, könnte der Streik am Donnerstag, 21. Mai 2026, starten, wie "Reuters" berichtet.

Konkret fordert die Gewerkschaft die Geschäftsleitung dazu auf, die Grenze für Bonuszahlungen aufzuheben. Laut "Reuters" begrenzt Samsung diese aktuell auf 50 Prozent des Jahresgehalts. Ferner verlangen die Angestellten, dass Samsung 15 Prozent seines jährlichen Betriebsgewinns in einen Bonuspool investiert, der an die Beschäftigten ausgeschüttet werden soll. "SRF" berichtet zudem von einer Forderung nach mindestens 7 Prozent mehr Lohn.

Chipkrise verschärft

Die Gewerkschaft stelle "inakzeptable Forderungen", zitiert "Reuters" aus einer Stellungnahme Samsungs. Laut dem Bericht stossen dem Management die Ansprüche auf höhere Boni auf, insbesondere darum, weil sie auch Verlust einfahrende Geschäftsbereiche beträfen. Die Forderungen zu akzeptieren, würde "die Grundprinzipien der Unternehmensführung untergraben", so die Konzernleitung.

Der angedrohte Streik wäre der grösste in Samsungs Unternehmensgeschichte, wie "SRF" anmerkt, und er könnte nicht nur für Samsung drastische Folgen haben. Der Tech-Konzern stehe hinter fast einem Viertel aller südkoreanischen Exporte, heisst es im Bericht. Blieben diese Exporte aus, bekämen dies auch viele vom Samsung abhängige Firmen zu spüren. Insbesondere der seit Längerem schwächelnde Chip-Markt wäre davon betroffen.

Angesichts der drohenden Auswirkungen ist es kaum mehr überraschend, dass sich auch die Regierung Südkoreas für die Gespräche zwischen der Samsung-Leitung und der Mitarbeitenden interessiert. Wie "Reuters" weiter schreibt, könnte sich die Regierung aktiv einmischen. Sie könnte unter anderem ein "Notschiedsverfahren" anordnen. Damit wäre das Bestreiken des Unternehmens während eines Monats verboten, während die Regierung zwischen den Verhandlungspartnern zu vermitteln versucht. Laut "SRF" ist offenbar ein Gericht bereits eingeschritten. Es habe entschieden, dass der Geschäftsbetrieb von Samsung auf einem "normalen Niveau aufrecht erhalten werden" müsse.

 

Lesen Sie auch: Samsung Electronics hat für das vierte Quartal 2025 einen Rekordumsatz bekannt gegeben. Getragen wurde das Ergebnis von der Chip-Sparte des Unternehmens, die von der hohen Nachfrage nach KI-Speichern profitierte. Das Geschäft mit Smartphones und anderen Endgeräten war hingegen rückläufig.

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