Das Stethoskop

Requiem fürs EPD

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von Jürg Lindenmann, Health-IT

Die Post zieht dem elektronischen Patientendossier den Stecker – und der Bund startet mit dem elektronischen Gesundheitsdossier den nächsten Versuch. Stellt sich die Frage, ob die Neuauflage erfolgreich sein kann.

Jürg Lindenmann, selbstständiger ­Berater, Health-IT. (Source: zVg)
Jürg Lindenmann, selbstständiger ­Berater, Health-IT. (Source: zVg)

Es gibt wohl kaum ein deutlicheres Signal für das – vorläufig – unrühmliche Ende des elektronischen Patientendossiers: Ausgerechnet die Post, ein Unternehmen im Eigentum des Bundes und einer der wichtigsten Anbieter, gibt ihre heutige EPD-Plattform auf. Bis Ende 2026 soll sie zwar noch weiterbetrieben werden. Danach ist Schluss.

"Den Stecker ziehen und neu beginnen", hat der Schreibende schon vor Jahren gefordert. Doch wie bei so vielen Dingen setzt sich die Vernunft manchmal erst durch, nachdem das Elend gross genug geworden ist.

Dem Scheitern des EPD liegen zahlreiche Ursachen zugrunde. Dazu gehören die bekannten Versäumnisse der verantwortlichen Behörden, die komplizierten Zuständigkeiten sowie offensichtliche Fehlkonstruktionen des EPD-Gesetzes und seiner Verordnungen. Darüber hinaus zeigt sich ein strukturelles Problem, das viele akteursübergreifende Digitalisierungsvorhaben im Schweizer Gesundheitswesen betrifft: Verantwortlichkeiten, Finanzierung, technische Umsetzung und konkreter Nutzen fallen auseinander.

Es wäre allerdings zu einfach, das Scheitern allein dem Bund zuzuschreiben und damit das Thema – samt den dafür aufgewendeten Millionen – für erledigt zu erklären. Bund, Kantone, Stammgemeinschaften, Anbieter und Leistungserbringer trugen in unterschiedlicher Weise zur heutigen Situation bei. Vor allem gelang es nicht, ihre Interessen auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. Das ist im Schweizer Gesundheitswesen leider eher der Normalfall als die Ausnahme.

Leidet das Gesundheitswesen unter einer Aversion gegen Digitalisierung?

Viele gute private oder von unten entstandene Digitalisierungsinitiativen und Produkte setzen sich nur punktuell oder überhaupt nicht durch – selbst wenn ihre Nutzung kostenlos angeboten wird.

Möglicherweise liegt dies auch daran, dass Digitalisierung von den "Büezern" des Gesundheitswesens, insbesondere von Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachpersonen, häufig nicht als Entlastung erlebt wird. Vielmehr erscheint sie ihnen als Begleiterin einer überbordenden Bürokratie, einer zunehmenden Regulierung und eines immer engmaschigeren Mikromanagements.

Wer Digitalisierung wiederholt als Ursache zusätzlicher Arbeit erlebt, entwickelt verständlicherweise wenig Begeisterung für die nächste digitale Lösung. So entsteht eine Erschöpfung, die auch sinnvolle Anwendungen trifft. Nicht die Digitalisierung an sich wird abgelehnt, sondern eine Digitalisierung, deren Nutzen im Arbeitsalltag nicht erkennbar ist.

Fazit

Es stellt sich deshalb die Frage, ob die Neuauflage unter dem Titel "elektronisches Gesundheitsdossier", kurz E-GD, erfolgreich sein kann. Das neue Gesetz soll wesentliche strukturelle Fehler des EPD korrigieren. Damit allein ist es jedoch noch nicht getan.

Das E-GD wird nur dann erfolgreich sein, wenn es für Patientinnen und Patienten sowie für die Gesundheitsfachpersonen einen unmittelbar erkennbaren Nutzen schafft und sich ohne zusätzliche Bürokratie in die Arbeitsabläufe integrieren lässt.

Andernfalls wälzen wir den Felsblock wie Sisyphos ein weiteres Mal den Berg hinauf – in der Hoffnung, dass er dieses Mal oben bleibt.

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