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Den ICT-Markt gibt es nicht mehr

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Zugegeben, der Titel ist etwas provokativ und auf den ersten Blick vielleicht auch nicht ganz verständlich und nachvollziehbar. Natürlich gibt es einen ICT-Markt, aber nicht mehr "den" ICT-Markt. Der Begriff umfasst heute eine Vielzahl weitgehend eigenständiger Märkte, mit eigenem Charakter und individueller Dynamik.

Der ICT-Markt ist heute kaum mehr vergleichbar mit dem in grossen Teilen geschlossenen, durch proprietäre Leistungsangebote geprägten EDV-Markt vor 30 Jahren. Der einst homogene und übersichtliche Markt mit wenigen dominierenden Teilsegmenten hat sich im Laufe der Zeit Jahre stark fragmentiert und disintegriert. Und aus dem EDV-Markt wurde der IT- oder auch ICT-Markt.

Vom EDV-Markt zum ICT-Markt

Der EDV-Markt von damals war in einige wenige grosse Segmente unterteilt, dominiert von den beiden grossen Bereichen der Rechner (Mainframes, Midrange-Systeme, Server, PCs und Workstations) und der Software (Systemsoftware und Anwendungen). Rund zwei Drittel der Projektausgaben und Investitionen der Schweizer Unternehmen entfielen zu dieser Zeit auf die Rechnerumgebungen und die dazugehörige Software.

Die dazugehörigen Professional- und Support-Services machten im Vergleich zu heute gerade einmal knapp die Hälfte des Anteils am ICT-Budget aus. Heute entfallen auf die ICT-Services 62 Prozent der Ausgaben.

Zusammengenommen bewegten sich die gesamten Ausgaben (B2B) im Schweizer EDV-Markt vor 30 Jahren noch deutlich im einstelligen Milliarden-Bereich, erst vor 20 Jahren überstiegen sie dann die 10-Milliarden-Franken-Grenze. Es war auch die Zeit des Aufbruchs der EDV in eine neue Ära, zu einem neuen Weltbild, in dessen Zentrum sich die Netze und das Internet als Drehscheibe der neuen E-Conomy ihren Platz eroberten.

Die Investitionen bewegten sich zusehends weg vom Desktop hin zum Netz, die Bandbreite wurde wichtiger als die CPU-Leistung und die Information als Produktionsfaktor hat Einzug in die Strategieentwicklung der Unternehmen gehalten. Und auf der EDV-Betriebsseite entwickelte sich eine steigende Bereitschaft zur Auslagerung der Informatik. Der Big Shift nahm seinen Lauf.

Die Digitalisierung schafft neue Strukturen

Heute präsentieren sich unter dem Umbrella-Begriff des ICT-Marktes Segmente mit eigenständigen Ausprägungen, Regeln und Gegebenheiten. Dazu zählen wir beispielsweise den Security-Markt, die Mobility, Analytics oder auch die Industrie-4.0-Themen und Märkte, die nicht mehr nur gänzlich auf die ICT (Produkte und Lösungen) reduziert werden können.

Gerade die Digitalisierung wirbelt die ehemals festgeschriebenen und klar umrissenen Grenzen des Marktes weiter durcheinander und schafft neue Strukturen und Segmente. Und im Kielwasser der Digitalisierung folgen neue Schwergewichte.

Diese Schwergewichte sind die Topmärkte und mutmasslichen Kerntechnologien der kommenden Jahre: die Blockchain, künstliche Intelligenz und Robotics. Die Evolution und Disintegration der Märkte geht weiter.

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