EU „hilft“ Swisscom bei der Senkung der Roaming-Gebühren
Swisscom senkt zum 22. September die Roaming-Tarife innerhalb Europas auf einen Standardtarif von 85 Rappen die Minute. Diese Senkung kann als Folge der durch die EU-Kommission erzwungene Senkung der Roaming-Tarife in der EU gesehen werden, denn wie Swisscom-CEO Carsten Schloter schon früher sagte, rechnet er damit, dass der Swisscom-Partner Deutsche Telekom den gleichen Preis verlangen wird.
An einer Telefonkonferenz von heute Morgen verneinte Christian Petit, bei Swisscom Leiter Privatkunden, dass die Senkung der Roaming-Gebühren in der Schweiz auf Druck durch den Gesetzgeber stattgefunden habe. Die Frage, ob man nicht einfach einer Regulierung zuvorkommen wolle, wurde von Swisscom ebenfalls verneint. Bereits im April, als die EU-Kommission die Regelung zur Senkung annahm, forderte der Preisüberwacher Rudolf Strahm, Swisscom müsse die Tarife anpassen und der Bundesrat müsse die dafür gesetzliche Grundlage schaffen. Gegenüber dem Nachrichtendienst AP begrüsste Strahm nun heute Vormittag Swisscoms Anpassungen: Swisscom erfülle mit den tieferen Roaming-Tarifen auch mehrwertsteuerbereinigt die Preisobergrenze, die die EU für ihre Länder festgehalten habe, so Strahm. Für ihn ist die Senkung allerdings klar eine Reaktion auf den politischen Druck und die drohende Regulierung.
Wie Petit weiter sagte, geht Swisscom aufgrund der Gebührenanpassung für das laufende Geschäftsjahr von einem Umsatzrückgang von über 50 Millionen Franken aus. Swisscom fängt einen Teil des Verlusts allerdings damit wieder auf, dass die Taktung für Gespräche ins Ausland von einer halben auf eine Minute erhöht wird. Das heisst, dass ein Kunde, der zum Beispiel 2:02 Minuten telefoniert, neu 3 Minuten bezahlen muss und nicht mehr nur 2:30 Minuten. "Nicht gerade kundenfreundlich ist es, durch die Erhöhung der Taktung einen Teil der verlorenen Einnahmen wieder hereinholen zu wollen", kommentiert Comparis-Geschäftsführer Richard Eisler.
Schliesslich führt Swisscom einen Standardtarif für SMS von 40 Rappen ein. De facto gibt es also auch hier Erhöhungen, da ein SMS bisher in vielen Ländern im Standardtarif weniger als 40 Rappen gekostet hat. Auf die Frage, warum es im SMS-Tarif keine Anpassung nach unten gegeben habe, wies Petit auf das Fehlen einer entsprechenden EU-Regulierung hin.
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