Systor: Schiffbruch mit Zuschauer
Nach der Insolvenzerklärung der Deutschen Systor-Tochter hat nun auch das Schweizer Mutterhaus beim Bezirksgericht Zürich eine provisorische Nachlasstundung erwirkt. Ausgenommen von dieser Massnahme ist die auf Outsourcing spezialisierte Tochter Systor Business Services mit rund 119 Mitarbeiter. Systor hat jetzt nochmals zwei Monate Zeit, um die Refinanzierung des Unternehmens sicherzustellen. Nach Ablauf dieser Frist entscheidet sich, ob eine definitive Nachlasstundung durchgeführt werden kann, womit Systor nochmals sechs Monate Zeit bekäme, um eine Lösung für die Weiterführung des Betriebes zu finden. Welche Lösung sich dabei abzeichnen könnte, ist noch völlig unklar. Systor-Pressesprecherin Bettina Cohen gegenüber dem Netzwoche-Ticker: Es werden zur Zeit sämtliche Optionen geprüft. Mehr kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht dazu sagen. Geplatzt sind vorerst die Verhandlungen zwischen der UBS, welche direkt (58,9 Prozent) und indirekt über UBS Capital (39,2 Prozent) 98 Prozent von Systor besitzt, und dem Bankenkonsortium, das vor zwei Jahren die kostspielige Übernahme der Deutschen Schuhmann-Gruppe finanziert hatte und bei der die Systor heute mit 75 Millionen Euro in der Kreide steht. Laut Medienberichten hat die UBS in den vergangenen Monaten vergeblich nach einem Käufer für Systor gesucht. Gemäss der heutigen Basler Zeitung soll auch Swisscom interessiert gewesen sein, wobei der Deal an der Preisvorstellung der UBS gescheitert sei. Von Seiten des Bankenkonsortiums wird gegenüber der heutigen NZZ moniert, dass die Finanzierung der Übernahme der Schumann-Gruppe nur aufgrund der Bonität des Käufers zustande gekommen sei und weil die UBS ein gewisses Auftragsvolumen in Aussicht gestellt habe. Dieses sei nun im laufenden Jahr um 20 Millionen Euro verfehlt worden. Zudem habe die UBS Systor die Kreditlimite von 8 Millionen Franken gekündigt. Damit lässt sich der Eindruck nicht entschärfen, dass sich die UBS als Besitzerin der Systor aus der Verantwortung stiehlt. Systor wurde 1993 von der ehemaligen SBV übernommen und realisierte noch 1999 75 Prozent ihres Umsatzes mit der später zur UBS fusionierten Grossbank. In der Hypephase fasste die UBS dann den Plan, den hauseigenen IT-Dienstleister an der Börse zu versilbern, weshalb man auch zur (zu) teuren Übernahme der Schumann-Gruppe drängte, um den Kundenkreis auszuweiten. Die Rechnung für diese gescheiterte Spekulation bezahlen nun, sofern sich keine andere Lösung ergibt, vor allem die 425 Mitarbeiter, deren Löhne noch bis und mit Januar gesichert sind.
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