Joint Venture mit Investor Dediq

SAP spaltet Geschäft mit Finanzdienstleistungen ab

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von Joël Orizet und lha

SAP gliedert sein Geschäft mit Finanzdienstleistern aus. Der Walldorfer ERP-Hersteller gründete zu diesem Zweck ein Joint Venture mit dem Münchener Investor Dediq.

Der Hauptsitz von SAP in Walldorf. (Source: SAP)
Der Hauptsitz von SAP in Walldorf. (Source: SAP)

SAP will sein Business mit Banken und Versicherern abspalten. Der deutsche Softwareriese plant, ein Joint Venture mit der Münchener Beteiligungsgesellschaft Dediq zu gründen. Die neue Gesellschaft soll im zweiten Halbjahr 2021 die Arbeit aufnehmen, wie SAP mitteilt. Ziel sei es, die SAP-Angebote für Finanzdienstleister auszubauen und in neue branchenspezifische Lösungen zu investieren.

Dediq investiert gemäss Mitteilung über 500 Millionen Euro in die neulhae Geschäftseinheit, deren Name noch nicht bekannt ist. Der Investor erhält dafür einen Anteil von 80 Prozent, wie das "Handelsblatt" berichtet. SAP bringe seine Produkte, Organisationseinheiten sowie das Vertriebsnetz ins Geschäft ein und halte die übrigen 20 Prozent. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

Finanzsektor als Schlüsselbranche

Die neue Einheit soll unabhängig agieren und ihre strategische Richtung selbstständig festlegen. SAP-Finanzvorstand Luka Mucic und Dediq-Chef Matthias Tomann stellten das Joint Venture gemäss "Süddeutsche Zeitung" als eine Art "Speedboat" vor, das sich auf die rasche Entwicklung von Innovationen für die Kernprozesse von Banken und Versicherungen konzentrieren solle.

"Der Finanzsektor ist eine Schlüsselbranche für SAP", lässt sich SAP-CEO Christian Klein in der Mitteilung zitieren. Durch den Deal mit Dediq sei das Unternehmen in der Lage, schneller Cloud-Lösungen für Finanzdienstleister bereitzustellen.

Teil der branchenspezifischen Cloud-Lösungen

Die künftigen neuen Branchenlösungen basieren allesamt auf SAP-Produkten. Sie würden als Teil der Industry-Cloud-Lösungen von SAP entwickelt und auf SAP-Technologien wie beispielsweise S/4Hana und der SAP Business Technology Platform aufbauen.

Als Beispiel nennt SAP Banklösungen für die Kreditvergabe, die alle möglichen Phasen der Abwicklung umfassen sollen - von der Anbahnung und der Beurteilung des Kreditrisikos über die Refinanzierung bis zum Bankmanagement. Alle zugehörigen Daten würden an einem zentralen Ort hinterlegt.

Als Betriebsmodell hätten Kunden die Wahl, sagt ein SAP-Sprecher auf Anfrage: Die Daten könnten im hauseigenen SAP-Rechenzentrum in Walldorf gehostet werden, bei einem Hyperscaler wie Microsoft Azure oder AWS - sowohl in einer Private-, wie auch in der Public Cloud, oder aber im Rahmen eines Hybrid-Cloud-Szenarios, also beispielsweise mit einer On-Premise-Version von SAP Hana mit Verbindung zu einer Public Cloud.

Auch Schweizer Finanzdienstleister im Visier

SAP wolle mit den künftigen Angeboten auch Schweizer Finanzdienstleister adressieren. Welche Art von Banken genau zur Zielgruppe gehöre, könne man im Augenblick noch nicht verraten. Nur so viel: SAP ziele insbesondere auf Finanzdienstleister, die etwas mit SAP-Technologien anfangen könnten - das heisst: vor allem Unternehmen, die nennenswerte Datenmengen verarbeiten und eine bestimmte Anzahl Kunden betreuen.

SAP wird weiterhin auch selbst Software und Support für Banken und Versicherer anbieten. Die bisherigen SAP-Kunden sollen weiterhin SAP-Kunden bleiben, heisst es in der Mitteilung.

Auch Microsoft setzt mit branchenspezifischen Cloud-Lösungen auf vertikale Märkte. Ende Januar lancierte der Softwarekonzern eine "Microsoft Cloud for Retail"; und im Mai 2020 brachte Microsoft eine "Cloud for Healthcare" auf den Markt.

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