Mehr in Biotech statt ICT

2,1 Milliarden Franken für Schweizer Start-up-Szene

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von Marc Landis und kfi

Im Corona-Jahr 2020 haben Geldgeber rund 12 Prozent weniger in Schweizer Start-ups investiert als 2019. Erstmals seit 2017 wurde ausserdem weniger in ICT und mehr in Biotech investiert.

(Source: Bluehousestudio / iStock.com)
(Source: Bluehousestudio / iStock.com)

Seit Beginn der Pandemie haben zahlreiche Schweizer Firmen mit umfangreichen Kreditbürgschaften und À-fond-perdu-Beiträgen durch den Staat unterstützt werden müssen. Die Pandemie konnte aber den "Gründer-Spirit" der Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer nicht bremsen, wie der Thinktank Avenir Suisse in einem Blog-Beitrag auf seiner Website schreibt.

Viel Investitionen, aber kein Rekordwert

Rund 50'000 neue Firmen wurden demnach 2020 dem Schweizer Handelsregister hinzugefügt – 5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch auf der Seite der Investoren sei die Entwicklung erfreulich gewesen. Hier habe die Zahl der Finanzierungsrunden im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent zugenommen. Der Medianbetrag der Investments betrug 2020 laut Swiss Venture Capital Report, auf den sich Avenir Suisse bezieht, pro Finanzierungsrunde 2,9 Millionen Franken gegenüber 1,9 Millionen im Jahr 2019.

Unter dem Strich flossen 2020 rund 2,1 Milliarden Franken in Schweizer Start-ups, was allerdings nicht an den Rekordwert 2019 mit 2,4 Milliarden Franken heranreichte.

Am meisten Kapital investierten Geldgeber 2020 in Biotech-Start-ups, wie Avenir Suisse weiter berichtet. Sie verdrängten demnach erstmals seit 2017 Start-ups des ICT-Sektors als finanzierungsstärkster Bereich von der Spitze, zititert der Thinktank das deutsche Venture Capital Magazin.

Die Investitionen in Schweizer Start-ups von 2012 bis 2020. (Source: Avenir Suisse / Venture Capital Magazin)

Die Aussichten bleiben gut

Die Autorin des Avenir-Suisse-Beitrags nennt drei Hauptgründe hinter dem aktuellen Investitionstrend: Erstens suchten Investoren im Niedrigzinsumfeld nach renditestarken Anlagemöglichkeiten. Zweitens wachse die Zahl der Schweizer Risikokapitalfirmen, was sich in erhöhtem Mittelzufluss niederschlage. Drittens seien die Investoren aus Asien und den USA trotz eingeschränkter Reisetätigkeit aktiv geblieben, denn die Pandemie habe den Abschluss von Deals via Videokonferenz "etabliert".

Auch die Zukunftsaussichten sind laut Avenir Suisse positiv. Eine Umfrage unter 40 Schweizer Risikokapital-Managern habe ein optimistisches Bild gezeichnet. Demnach kündigten 90 Prozent an, 2021 mindestens so viel in Start-ups zu investieren zu wollen wie 2020. Zudem rechneten fast alle Befragten mit weiter wachsenden Volumina.

Trotz dieser grundsätzlich intakten Zukunftsaussichten mahnt die Avenir-Suisse-Autorin erheblichen Verbesserungsbedarf bei den regulatorischen Rahmenbedingungen für Start-ups an. So wäre ein einfacherer Zugang zu internationalen Top-Talenten, ein stabiler Wissenstransfer und Forschungsaustausch der international ausgerichteten Schweizer Universitäten auch nach dem Scheitern des Rahmenabkommens sowie der Abbau bürokratischer Hürden hilfreich.

Der Investitionstrend in Biotech könnte sich auch bis ins Jahr 2021 fortsetzen. So hat etwa Google unlängst ein neues Förderprogramm für Start-ups aus den Branchen Healthtech, Fitness und Wellbeing angekündigt, wie Sie hier lesen können.

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