Spin-off der ETH und der Empa

Chiral sammelt 12 Millionen US-Dollar für neue Chip-Technologie

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von Yannick Chavanne und Übersetzung: Joël Orizet, nki

Das Zürcher Start-up Chiral hat in einer Finanzierungsrunde 12 Millionen US-Dollar erhalten. Mit dem Geld will das Spin-off der ETH Zürich und der Empa die Grenzen des Mooreschen Gesetzes überwinden. Das Unternehmen entwickelt ein neuartiges Robotik-System, das Nanomaterialien in Halbleiterchips integriert.

Das Team von Chiral will die Chip-Fertigung revolutionieren. (Source: zVg)
Das Team von Chiral will die Chip-Fertigung revolutionieren. (Source: zVg)

Das Deeptech-Unternehmen Chiral mit Sitz in Dübendorf (ZH) hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 12 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Lead-Investor ist Crane Venture Partners, beteiligt sind zudem Quantonation, HCVC und Founderful. Das Start-up profitierte zudem von einer öffentlichen Förderung durch Innosuisse.

Chiral will mit dem frischen Kapital eine industrielle Fertigung für sogenannte Post-Silizium-Chips aufbauen, die auf Nanomaterialien wie Kohlenstoff-Nanoröhren basieren.

An den Grenzen des Mooreschen Gesetzes

Die Halbleiterindustrie stösst bei der Miniaturisierung von Silizium an physikalische und wirtschaftliche Grenzen, wie sie das Mooresche Gesetz beschreibt. Um Leistungssteigerungen und eine höhere Energieeffizienz weiterhin zu gewährleisten, gelten neuartige Nanomaterialien als vielversprechender Weg. Hersteller wie TSMC nahmen die Integration solcher Materialien bereits in ihre Technologieroadmaps auf.

"Nanomaterialien zeigen in der Forschung seit Jahren eine herausragende Leistung, aber ohne skalierbare und kontrollierbare Fertigungsprozesse bleibt ihr Nutzen begrenzt", lässt sich Seoho Jung, CEO von Chiral, in einer Mitteilung zur Finanzierungsrunde zitieren. "Chiral verfügt über die notwendigen Fähigkeiten, um aus Durchbrüchen auf Materialebene eine industrielle Realität zu machen."

Ein Roboter für die Nano-Integration

Um diese Fertigungslücke zu schliessen, entwickelte Chiral nach eigenen Angaben das branchenweit erste robotergestützte System zur Integration von Nanomaterialien. Die Plattform kombiniert Automation, Hochpräzisionstechnik und künstliche Intelligenz. Sie platziert die Nanomaterialien selektiv und kontrolliert auf Silizium-Wafern und minimiert dabei das Risiko von Verunreinigungen und Defekten. Ziel ist es, von einzelnen Experimenten zu einer Integration im Wafer-Massstab überzugehen.

Der Mehrwert von Chirals Ansatz überzeugt auch die Investoren. "Der nächste grundlegende Wandel im Computing wird nicht nur von den Materialien kommen, sondern davon, dass diese Materialien für echte Systeme und Kunden funktionieren", sagt Krishna Visvanathan, Mitgründer und Partner bei Crane Venture Partners.

Chiral macht bereits den Schritt vom Labor in die Fabrik. Noch in diesem Jahr, so CEO Seoho Jung, installiert das Unternehmen seine ersten kommerziellen Systeme bei Kunden. 
 

Das Mooresche Gesetz geht übrigens auf Intel-Mitgründer Gordon Moore zurück und besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Chip (und damit die Rechenleistung) etwa alle 18 Monate verdoppelt. Es handelt sich allerdings nicht um ein physikalisches Gesetz, sondern um eine These, die seit vielen Jahren umstritten ist, sich aber dennoch als eine Art selbst erfüllende Prophezeiung für die gesamte Branche bewährt hat - mehr dazu lesen Sie hier.  

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