Cispe reicht Beschwerde gegen Broadcom ein
Der europäische Cloud-Verband Cispe hat eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom eingereicht. Der Verband wirft dem Unternehmen vor, seine Marktmacht mit unfairen Lizenzbedingungen für VMware-Software zu missbrauchen und fordert ein sofortiges Einschreiten der EU-Wettbewerbshüter.
Cispe, der Verband europäischer Cloud-Infrastrukturanbieter, hat eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom eingereicht. Der Verband wirft dem US-Konzern vor, seine dominante Marktstellung einzusetzen, um mit unfairen Lizenzbedingungen für die VMware-Software den europäischen Cloud-Markt zu kontrollieren. Man verlange sofortige Massnahmen von der Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission, teilt der Verband mit.
Auslöser ist die Ankündigung von Broadcom vom Januar 2026, das VMware Cloud Service Provider Programm in Europa zu kündigen. Diese Entscheidung schliesst die meisten europäischen Cloud-Dienstleister vom Vertrieb der VMware-Produkte aus und überlässt das Feld einer Handvoll ausgewählter Partner. Hinzu kämen massive Preiserhöhungen von bis zu 1000 Prozent, erzwungene Bündelungen sowie Vorauszahlungen und Mindestabnahmen, die auf potenzieller statt tatsächlicher Nutzung basieren. Viele Cloud-Anbietende in Europa stünden dadurch vor dem Aus, während in einigen Märkten "virtuelle Monopole" entstünden, argumentiert der Verband.
Um den "unmittelbaren und irreparablen Schaden" abzuwenden, fordert Cispe konkrete Sofortmassnahmen:
- Sofortige Aussetzung der Kündigung des Partnerprogramms und die Wiederaufnahme der europäischen Cloud-Dienstleister;
- Wiedereinführung des 2025 abgeschafften "White Label"-Programms, das kleineren Anbietenden den Vertrieb von VMware-Lösungen ermöglichte;
- Schutz vor Vergeltungsmassnahmen durch Broadcom, der durch Bussgelder abgesichert werden soll.
Heftige Kritik aus der Branche
Der Vorstoss von Cispe reiht sich in den wachsenden Protest in der Branche ein. Die aktuelle Beschwerde unterstützt eine frühere Klage des deutschen Anwenderverbands Voice und spiegelt die Sorgen zahlreicher Unternehmen wider. "Mit der Beendigung des VMware-Programms schädigt Broadcom mit unfairen und aus unserer Sicht illegalen Methoden Unternehmen - sowohl Cloud-Anbieter als auch ihre Kundschaft", sagt Francisco Mingorance, Generalsekretär von Cispe. "Man muss sich Tyrannen entgegenstellen, um sie zu stoppen."
Auch aus anderen europäischen Ländern kommt scharfe Kritik. "VMware änderte 2024 über Nacht Preise, Lizenzmodell und Prozesse, ohne Kundinnen und Kunden ausreichend Zeit oder Informationen zur Anpassung zu geben", kritisiert Danielle Jacobs, CEO von Beltug, dem belgischen Verband von CIOs und Digital-Fachleuten.
Simon Besteman von der Dutch Cloud Community ergänzt: "Die Massnahmen von Broadcom hatten einen verheerenden Effekt. Die Kosten der Kunden sind exponentiell gestiegen, Anbieter wurden sabotiert und sahen sich ausserstande, ihre Verpflichtungen zu erfüllen." Widerspruch führe zu Drohungen und Vergeltung.
"Unsere Mitglieder haben so etwas noch nie erlebt", sagt Finn Vagner, CEO der Danish Cloud Community. "Kurzfristig bringt dieses Verhalten unsere Mitglieder in eine extrem kritische Lage. Langfristig kann es der gesamten Branche schaden. Wir fordern die Europäische Kommission daher auf, einzugreifen und einen Präzedenzfall zu schaffen."
Übrigens: Auch das European Cloud Competition Observatory (ECCO) übt Kritik an Broadcoms VMware-Lizenzmodell und stellt entsprechende Forderungen - mehr dazu lesen Sie hier.
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