Editorial

Nerviges Netzwerk-Nirwana

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René Jaun, Redaktor. (Source: Netzmedien)
René Jaun, Redaktor. (Source: Netzmedien)

Unlängst bin ich in eine neue Wohnung gezogen. Die ­"Züglete" war eine Herausforderung, doch sie verlief alles in allem reibungsloser, als befürchtet. Eine frustrierende Ausnahme davon war die IT. Mein Zuhause – ich spreche manchmal auch vom Gadget-Paradies – enthält ein Sammelsurium von Geräten, die ich mir über die Jahre angeschafft habe. Sie speichern Daten, spielen Musik, steuern Steckdosen, messen Temperaturen und überwachen Türen. Mein Netzwerk zählt um die 30 Geräte. Alle konnten sie darin wunderbar miteinander kommunizieren – doch dann kam eben der Umzug.

Denn mit der Wohnung wechselte auch die Internetanschlusstechnologie, was zu meinem Unmut auch einen neuen Netzwerkrouter nötig machte. Mein Dienstanbieter Sunrise schickte mir ein Gerät, das ich nach Möglichkeit genauso konfigurierte wie meinen bisherigen Router. Trotzdem funktionierte das meiste erst mal nicht. Meine Geräte kamen zwar alle ins Netz, kommunizierten aber nicht mehr miteinander. Dies lag, wie ich schnell herausfand, am DNS-Server: Dieser wandelt bekannterweise die verständlichen Gerätenamen um in die eigentliche Netzwerkadresse, unter der man das Gerät findet. Doch genau diesen Umwandlungsdienst scheint mein neues Netzwerk-Herzstück zu verweigern. Praktisch heisst das: Sucht mein Lautsprecher nach dem Dateiserver "Renés-Riesige-Sound-Sammlung", erhält er plötzlich keine Auskunft mehr – sein Ruf verhallt quasi ungehört im "Netzwerk-Nirwana". Erst wenn ich dem Gerät von Hand beibringe, dass man meine Musik jetzt unter 192.168.145.8 findet, klappt der Zugriff wieder.

Keine Ahnung, warum ich einen Netzwerkrouter erhielt, der diese Grundfunktion nicht zu beherrschen scheint. Beim Sunrise-Kundendienst versprach man mir, mein Anliegen an die zuständige Abteilung weiterzureichen und mir einen Rabatt auf die nächste Rechnung zu geben. Eigentlich ganz nett – aber gelöst wurde mein Problem bislang nicht.

Für mich waren folglich mehrere Tage des Umkonfigurierens angesagt: Allen meinen Geräten brachte ich bei, sich nicht mehr beim Namen zu rufen, sondern sich anhand der Netzwerkadressen zu erkennen.

Beim Zusammenstellen des Cloud-Themenschwerpunkts dieser "Netzwoche" ging mir diese Geschichte oft durch den Kopf. Einerseits, weil sich mein Windows im Hintergrund regelmässig beklagte, es könne den Server "Renés-Back-up-Bunker" nicht mehr finden; andererseits, weil ich beim Lesen der Fachbeiträge den Eindruck gewann, eine Cloud-Infrastruktur sei die Möglichkeit, künftig den Konfigurationsaufwand eigener Server deutlich zu senken.

Dass mit der Cloud aber auch neue Herausforderungen auf Unternehmen zukommen, lesen Sie ebenfalls im Themenfokus. Weiter finden Sie einen ausführlichen Bericht zur geplanten Verordnung über die Entsorgung alter Elektrogeräte (Seite 16). Und wie die Schweiz zum führenden Innovation Hub der Welt werden soll, sagt Digitalswitzerland-Präsident Ivo Furrer im Interview.

Ich für meinen Teil verwalte mein Heimnetzwerk wohl auch weiterhin "On-Prem", wie man sagt. Vielleicht lernt mein Router ja in einem künftigen Update noch, meine Geräte beim Namen zu kennen.

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