Interview mit Hannes Gassert

"Es ist der perfekte Ort um zu sehen, wie aus Daten Ideen entstehen"

Uhr | Aktualisiert

"Sport macht Spass, Sport ist gesund, Sport ist ein Geschäft – und Sport, das sind auch Daten." So das Motto der Sports Hackdays, die diese Woche stattfinden. Die Redaktion sprach mit Hannes Gassert, Mitorganisator des Anlasses.

Hannes Gassert, Partner und Geschäftsleitungsmitglied von Wemakeit sowie selbst Unternehmer und Start-up-Gründer (Quelle: Hannes Gassert)
Hannes Gassert, Partner und Geschäftsleitungsmitglied von Wemakeit sowie selbst Unternehmer und Start-up-Gründer (Quelle: Hannes Gassert)

Zur Person: Hannes Gassert ist Unternehmer an der Schnittstelle zwischen Medien, Kultur und Technologie. Als Mitgründer und Verwaltungsrat von Liip oder des Start-ups Skim.com ebenso wie als Strategieberater oder Vorstand von Opendata.ch und /ch/open setzt er sich für neue Technologien ein. Open Government Data, Open Source und offene Standards sind für Gassert Treiber nachhaltiger Innovationen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Herr Gassert, was sind die Ziele der Internationalen Sports Hackdays?

Sport ist eine gute Sache - wir wollen alle gesund, sportlich und fit sein. Sport ist aber auch ein riesiges Business. Und es werden Leidenschaften geweckt, bei den eingefleischten Fans und einem Milliardenpublikum. Nun geschieht mit dem Sport zurzeit etwas, das wir auch anderswo beobachten können: Er wird von Technologie und Daten durchdrungen. Dieser Trend stammt primär aus den USA, wo Sportler und Teams intensiv vermessen werden. Jeder Fan kann dort von seinem Lieblingsbaseballspieler sagen, wie oft er den Ball trifft, wie viele Homeruns er in der laufenden Saison bereits geschafft hat, et cetera. Ebenfalls sehe ich eine Verbindung zum aktuellen Trend des "quantified self" - das heisst, dass wir unsere eigenen Aktivitäten mit Hilfe verschiedenster "Wearables" versuchen messbar zu machen. Auch dort werden verschiedenste Daten generiert, die man auswerten könnte.

Es geht Ihnen also primär um die Daten und deren Verwendung?

Genau, das Ziel von opendata.ch ist denkbar einfach. Wir wollen offen zugängliche Daten, die alle frei nutzen können, wie man das zum Beispiel bei Open Government Data kennt. Wir wollen diese Idee nun auf den Sportbereich ausdehnen und somit den Begriff Open Sports Data etablieren.

Sie haben das Thema "quantified self" angesprochen. Geht es Ihnen eher um Daten zum Profisport oder auch zu Amateuren?

Unser Fokus liegt zurzeit eher beim Sport als Branche. Es wird aber an unserem Anlass auch Personen geben, die mit ihren privaten Daten kommen. Wir wollen, dass Ideen, Applikationen und Prototypen entstehen, die einerseits darauf ausgelegt sind, zum Beispiel einem Team oder einem Profisportler zu folgen. Es werden auch Tools entwickelt werden, die in Richtung Finanzierung und "Sport als Business" gehen. Konkret meine ich, dass man berechnen können wird, was es "kostet", ein Goal in der Super League zu erzielen oder umgekehrt, was es kostet, wenn die Spieler nicht treffen. Andererseits wird sich auch für die Hobbysportler einiges tun: Es gibt zum Beispiel Daten zu Volksläufen, wie der Patrouille des Glaciers. Diese Erfahrung, wie es ist, über diesen Berg zu rennen, wird quantifizierbar, wodurch der Anlass im Nachhinein nochmals genau analysiert werden kann.

Was gibt es bereits jetzt im Open-Sports-Bereich? Sind schon Applikationen vorhanden?

Eigentlich gibt es bis jetzt vor allem sehr, sehr viele Daten. Die Idee hinter den Sports Hackdays ist daher vor allem eine der Beschleunigung. Es soll auf interdisziplinäre Art und Weise gelingen, verschiedenste Personen wie Designer, Programmierer, Trainer oder auch Fans an einen Tisch zu bringen. Aus dieser Mischung heraus werden neue Ideen generiert und Prototypen entwickelt. Nach den zwei Tagen, die der Event dauern wird, kann in einzelnen Teams weitergemacht werden. Erfahrungsgemäss schafft die bunte Mischung von Teilnehmern die perfekte Umgebung, um aus Daten Ideen entstehen zu sehen.

Gibt es schon Apps für die breite Masse?

Applikationen für das grosse Publikum gibt es noch wenig, aber bereits jetzt arbeiten Journalisten an spannenden Auswertungen, Wissenschafter an Analysen und Spielernaturen an Toto-Algorithmen. Jetzt aber demokratisieren wir Sportdaten: Wir haben einen Datenfundus gesammelt und ihn auf datahub.io gestellt. Dort können nun Sportdaten gefunden wurden, sei dies zur Olympiade in Sotschi oder zu den Goals und den Spielzügen des FC Basel. Wir hoffen also, dass es an den Hackdays nun vorwärts geht und haben sogar Gäste aus dem Sportleistungszentrum des Bundes in Magglingen, die aktiv teilnehmen und faszinierende Daten mitbringen werden. Mit ihnen werden wir Trainingsapplikationen prototypen, das heisst, man sieht auf einem Tablet bereits während eines Spiels oder Wettbewerbs, was schief läuft und wieso.

Die Sports Hackdays finden an mehreren Orten gleichzeitig statt. Wie läuft die Organisation des Anlasses ab?

Hackdays, egal zu welchem Thema, dauern traditionellerweise zwei Tage: Freitag und Samstag. Die Idee ist, dass am Freitag die Teilnehmer vom Arbeitgeber frei erhalten und am Samstag aus Eigeninteresse dabei bleiben. Dieses Konzept hat sich bewährt. Für Firmen ist es nämlich attraktiv, wenn sich die Mitarbeiter neue Skills aneignen, gerade im Datenbereich, Stichwort Big Data. Bei den Sports Hackdays haben wir das Datum insofern geschickt gewählt, als dass am Samstag nach dem Ende des Anlasses der Champions-League-Final stattfindet. Ziel oder zumindest mein Wunschtraum ist es, dass es uns gelingt, diesen mit neu entwickelten Tools live auszuwerten. Organisatorisch gesehen ist der erste Tag eher der Ideengeneration und der Teambildung gewidmet, wobei es natürlich auch bereits mit der Arbeit losgehen wird – bei Bedarf bis tief in die Nacht. Am zweiten Tag wird die Arbeit fortgesetzt und Personen, die am Freitag nicht kommen konnten, stossen dazu und werden in die Arbeitsabläufe integriert.

Gibt es einen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Teilnehmern der Hackdays?

Nein, es geht nicht darum, dass jemand gewinnt. Gute Ideen werden gesammelt, und man versucht gemeinsam, etwas zu erreichen. Der Anlass wird zudem ja das erste Mal international durchgeführt. Bereits früher wählten wir jeweils einen Veranstaltungsort in der Romandie und einen in der Deutschschweiz. Neu kommen nun London, Wien und Mailand dazu. Die Open-Data-Bewegung ist schliesslich eine internationale Community. Der Austausch ist absolut zentral für uns. Es wird daher diverse Live-Schaltungen an die anderen Veranstaltungsorte geben, und vielleicht entsteht dann doch so etwas wie ein Wettbewerb, zum Beispiel zwischen den Italienern und den Engländern.

Wo steht die Open-Data-Bewegung im Sportdatenbereich in fünf Jahren?

Im Rahmen der internationalen Open Knowledege Foundation wird es eine Sportdaten-Abteilung geben. Es gibt dort bereits Sammlungen zu Finanzdaten, zu Forschungsdaten und so weiter. Der Sport wird aber ganz klar hinzukommen. Dabei geht es auch darum, einen Kanal zu schaffen, über den die verschiedenen Akteure miteinander kommunizieren können - seien dies Appentwickler oder Sportorganisationen. Zurzeit wissen viele Akteure nämlich noch nicht, wohin es mit ihrer Datenpolitik gehen soll. Soll die FIFA Daten verkaufen? Hat die UEFA mehr davon, wenn sie ihre Daten offenlegt? Was sind hier nachhaltige Modell? Ich hoffe natürlich, dass es zur Offenlegung kommen wird, da dies einen Innovationsschub freisetzen würde, von dem am Schluss alle profitieren. Sieht man Sport als Ökosystem, dann bringt diesem eine offene "Datenschicht" über kurz oder lang mehr als privater Datenhandel.

Ist es Zufall, dass die Open-Sports-Data-Bewegung vom Standort Schweiz aus lanciert wurde und nicht anderswo?

Nein, die FIFA befindet sich in Zürich, die UEFA (Union des Associations Européennes de Football) in Nyon, die FIBA (Fédération Internationale de Basketball) im Kanton Waadt, die IIHF (International Ice Hockey Federation) in Zürich und auch das IOK (Internationales Olympisches Komitee) hat seinen Sitz in der Schweiz. Vom Standort her sind wir also die perfekte Drehscheibe, um die Open-Sports-Data-Bewegung vorwärts zu pushen.

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