Nachgefragt

"DevOps ist zentral für die digitale Zukunft von Six"

Uhr | Aktualisiert
von George Sarpong

Die Finanzdienstleisterin Six ist zentral für die Arbeit zahlreicher Schweizer Banken. Und für Six spielt das Arbeiten nach DevOps eine tragende Rolle. Was es bei DevOps-Projekten zu beachten gilt, erklären Robert Scherrer, Leiter Application Engineering, und David Brupbacher, Leiter der globalen IT Operations bei Six.

Welche Rolle spielt DevOps für Six?

David Brupbacher: DevOps ist zentral für die digitale Zukunft von Six. Wir müssen Produkte und einzelne Funktionen viel schneller, aber trotzdem in hoher Qualität auf den Markt bringen. Mit DevOps bewirken wir eine Kulturveränderung, brechen Verarbeitungssilos auf und lassen IT und Business näher zusammenrücken. End-to-End-Zusammenarbeit ist hier das Stichwort.

Weshalb haben Sie IPT mit dem DevOps-Projekt beauftragt?

Robert Scherrer: DevOps ist ein strategisches Thema, das im Top-Management verankert werden muss. IPT sorgt mit Managing Partner Peter ­Graef für viel Glaubwürdigkeit bei den Führungskräften von Six. Das Unternehmen bringt seine Expertise ein, zeigt die Aussensicht auf und ermöglicht uns den Erfahrungsaustausch mit anderen Firmen, die einen ähnlich innovativen Weg eingeschlagen haben.

Was war die grösste Herausforderung beim Projekt?

Scherrer: Die «Verheiratung» von IT und Business. Es reicht nicht, wenn Dev und Ops näher zusammenrücken – das Business gehört auch dazu. Lange war es ein Verhältnis zwischen «Lieferant und Kunde». Nun muss eine Partnerschaft zwischen IT und Business entstehen mit dem Ziel einer schnelleren Entwicklung von digitalen Produkten.

Wie hat Ihr «Meister Yoda» die Mitarbeiter vom Kulturwandel überzeugt?

Brupbacher: Der Kulturwandel ist eminent wichtig! Aber der Wandel erfolgt nicht von heute auf morgen. Wir führen DevOps zuerst in kleineren Gruppen ein und inspirieren mit Erfolgsgeschichten. So haben wir etwa bei Projektbeginn erste cross-funktionale Teams in Büros zusammengelegt. Sie leben die Six-DevOps-Prinzipien. Die Teams und Prinzipien sind aus den eigenen Reihen entstanden. Auf der Ebene Kultur sind dies funktionsübergreifende Teams, die sich gegenseitig weiterbringen, alle übernehmen die Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Kollegen werden inspiriert und mitgezogen. «One Team» lautet das Credo – wir wollen zusammen ans Ziel gelangen. Dabei lernen die Mitarbeiter Bestehendes konsequent zu hinterfragen, und unnötige Arbeitsschritte werden in diesem Prozess radikal eliminiert oder mindestens automatisiert.

Wie geht es weiter?

Scherrer: Wir haben mit dem DevOps-Projekt Haka6 – in Anlehnung an den neuseeländischen Maori-Tanz der All Blacks Rugby World Champion 2015 – einen starke interne Identifikation geschaffen. Er steht für Gemeinschaftssinn und Entschlossenheit. Wir positionieren die Identifikationsmerkmale prominent, weil sie für die Werte des Projekts stehen. Erste Teams in der IT haben bereits auf DevOps umgestellt. Nun gilt es, die ganze IT zu begeistern – und natürlich das Business! Damit wir eine «andere» Produktentwicklung erreichen, müssen IT und Business gemeinsam eine Wertschöpfungskette bilden. Erst dann entsteht ein wahrhafter Mehrwert.

DevOps bei SIX

Die Finanzdienstleisterin Six hat eine lange Tradition, die rasante technologische Entwicklung zu nutzen, um ihr innovatives Dienstleistungsangebot weiter auszubauen. Das erste Anzeigensystem für Online-Finanzinformationen nahm bereits 1975 den Betrieb auf, und seit über 20 Jahren wird der Handel an der Six Swiss Exchange elektronisch abgewickelt. Auch heute ist die Six gefordert, ständig neue innovative Lösungen zu bauen, etwa im bargeldlosen Zahlungsverkehr mit Paymit.
Aufgrund der seit 2007 gemachten guten Erfahrungen mit der frühen Adoption von agiler Softwareentwicklung mit Scrum haben Robert Scherrer, Leiter Softwareentwicklung, und David Brupbacher, der Leiter IT Operations, das Thema DevOps aufgegriffen. Sie vereinen in der Division Global IT über 750 Mitarbeitende für Software Development, Test und Betrieb und betrachten DevOps als Chance, die Lieferung von innovativer Software in der Six weiter zu optimieren. In einem ersten Schritt wurde ein Projekt gestartet, um das Nutzenpotenzial von DevOps für die IT-Organisation der Six zu eröffnen. Dieses Projekt umfasst die technologischen Möglichkeiten von flexibler Infrastruktur aus der Cloud und Automatisierung der Toolchain. Es werden aber auch die Prozesse von der Softwareentwicklung bis zum Betrieb und die damit verbundenen organisatorischen Aspekte miteinbezogen. Um die Anwendung von DevOps von Anfang an möglichst konkret zu gestalten, werden zwei Produkte der Six als Pilotprojekte von ­DevOps unterstützt.

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