Liquid Working statt Offshoring

Wie TI&M gegen den Fachkräftemangel ankämpft

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Der Fachkräftemangel ist für viele Unternehmen noch immer eine Herausforderung. Betroffen ist unter anderem der Zürcher IT-Dienstleister TI&M. CEO Thomas Wüst hat der Redaktion verraten, was TI&M gegen den Mangel an IT-Spezialisten unternimmt.

Thomas Wüst, CEO von Ti&M (Quelle: Ti&M)
Thomas Wüst, CEO von Ti&M (Quelle: Ti&M)

Der Fachkräftemangel ist ein Dauerthema in der ICT-Branche - wie schlimm ist es wirklich?

Thomas Wüst: Für TI&M ist der Mangel an Fachkräften eines der grössten Probleme. Mit unseren Kernthemen Cloud, KI/AI und Digitalisierungsprojekten bewegen wir uns an der Spitze der technologischen Entwicklung. Gerade in diesen Bereichen sind die vergleichsweise wenigen Fachkräfte sehr gefragt. Vor allem bei Entwicklern ist es sehr schwierig genügend Experten für unsere Projekte zu bekommen. Aktuell suchen wir beispielsweise mehr als 60 Experten in unseren Standorten Zürich, Bern und Frankfurt am Main. Wir wachsen jährlich um mehr als 20 Prozent und mit mehr Fachkräften könnten wir noch schneller wachsen. Der Mangel an Fachkräften wirkt sich daher direkt negativ auf unsere Geschäftsentwicklung aus. Weiterhin verzichten wir bewusst auf Offshoring oder Nearshoring, was die Situation für uns noch erschwert. Unserer Ansicht nach eignet sich Offshoring nicht für Innovationsthemen. Wenn Entwickler über den Globus verstreut sind, fehlt der direkte Austausch, was sich wiederum negativ auf die Qualität und Time-to-Market auswirkt.

Was tut TI&M, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden?

Wir werben aktiv Fachkräfte von den Schweizer Hochschulen an. Im Ausland haben wir ein Rekrutierungsprogramm mit einer Hochschule in Mailand. Zudem wollen wir uns mit innovative Anstellungsbedingungen als attraktiven Arbeitgeber positionieren. Daher haben wir das Liquid Working eingeführt. Damit können unsere Mitarbeitenden etwa flexibel längere Auszeiten nehmen oder innerhalb einer Woche das Pensum erhöhen oder senken. Zudem bekommen Frauen eine Wiedereinstiegsgarantie von 2 Jahren nach der Geburt eines Kindes. Offshoring und Nearshoring sind für uns keine Optionen. Wir wollen auch weiterhin aus der Schweiz heraus innovative Lösungen schaffen, dass gehört zu unserer DNA.

Sind Firmen, die zu wenige Fachkräfte finden, daran nicht auch mitschuldig? Vielleicht sind sie für die Entwickler schlicht zu wenig attraktiv? Oder liegt es wirklich nur am Markt?

Ich würde hier nicht von Mitschuld sprechen. Vielmehr ist der Wettbewerb zwischen den IT-Firmen um die wenigen Fachkräfte sehr stark. Teilweise sind die Spiesse zwischen den grossen und kleinen Firmen auch nicht gleich lang, gerade was die Bekanntheit angeht. Mit guten Anstellungsbedingungen und innovativen Arbeitszeitmodellen wie zum Beispiel Liquid Working versuchen wir uns daher abzuheben.

Was kann die Branche tun, um mehr Fachkräfte für die ICT zu begeistern?

Wir müssen mehr in die Förderung des Nachwuchses investieren. Vor allem müssen auch mehr Mädchen für Berufe in der ICT begeistert werden und dies zu einem möglichst frühen Zeitpunkt. Wir machen dies unter anderem mit unserem Programm "hack an app". Entwickler von uns gehen dabei an Schulen und führen Kinder spielerisch an die ICT heran. Eine solche Initiative alleine ist jedoch noch nicht genug und es braucht meiner Ansicht nach deutlich mehr in dieser Richtung. Ich hoffe, dass der Lehrplan 21 hier langfristig Besserung bringen wird. Zudem muss sich die IT stärker als ganzheitlicher und attraktiver Arbeitgeber positionieren. Die ersten Schritte dahin sind schon gemacht, der Weg ist jedoch noch weit.

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