Editorial

Die Party ist abgesagt – vorerst

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Oliver Schneider, stellvertretender Chefredaktor, Netzwoche (Source: Netzmedien)
Oliver Schneider, stellvertretender Chefredaktor, Netzwoche (Source: Netzmedien)

Es sollte der Launch des Jahres werden; ein Befreiungsschlag nach einer Ewigkeit von politischen Debatten, technischen Vorbereitungen und E-Health-Konferenzen. Ab dem 15. April 2020 sollte es für Spitäler Pflicht sein, ihren Patienten ein elektronisches Patientendossier (EPD) anzubieten. Sollte, denn am 19. Februar teilte das Bundesamt für Gesundheit mit, dass es nichts wird mit dem Start im April. Das erste EPD werde erst im Sommer 2020 angeboten. Die Zertifizierung der Stammgemeinschaften, der zukünftigen Anbieter des EPD, brauche mehr Zeit. Voraussichtlich schaffe nur eine der acht Stammgemeinschaften die Zertifizierung im Frühling. Der Rest soll im Herbst folgen.

Die unendliche Geschichte EPD schreibt damit ein weiteres Kapitel. Und sie dürfte noch lange kein Ende finden. Stationäre Einrichtungen müssen per Gesetz mitmachen, Pflegeheime und Geburtshäuser haben noch zwei Jahre länger Zeit. Für Patienten und Ärzte ist die Teilnahme freiwillig.

Wie gut das Schweizer Gesundheitswesen auf den Start des EPDs – sofern er denn einmal tatsächlich stattfindet – vorbereitet ist, erfahren Sie in dieser Ausgabe von "IT for HealthEditorial. Die EPD-Readiness von Alters- und Pflegeheimen thematisiert ­Sarah Klopfenstein auf Seite 5. Die Bereitschaft der Spitex nehmen Lars Kündig und Rainer Endl ab Seite 8 unter die Lupe. In der Titelgeschichte ab Seite 16 stehen die Spitäler auf dem Prüfstand, die im April eigentlich hätten loslegen sollen. Auf Seite 21 wird deutlich, dass dem EPD möglicherweise die Zeit davonläuft. Die neue Ausgabe des Swiss E-Health-Barometers zeigt, dass die Skepsis gegenüber dem Projekt wächst. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer sind sich plötzlich unsicher, ob sie überhaupt ein EPD eröffnen wollen. Schuld daran seien die Schwierigkeiten bei der Einführung und der Mangel an konkreten Erfahrungen. Für die E-Health-Branche ein Schuss vor den Bug. Und eine Mahnung, den Worten jetzt endlich Taten folgen zu lassen.

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