Women in Tech

Lohngleichheit, Diversität, Wertschätzung - so gewinnen Firmen mehr Frauen für die IT

Uhr

Am 8. März ist der Weltfrauentag gewesen. Doch in der Schweizer ICT-Branche herrscht wenig Feierlaune, denn der Anteil an Informatikerinnen liegt bei kaum 15 Prozent. Das können Unternehmen dagegen tun.

(Source: artisticco / iStock.com)
(Source: artisticco / iStock.com)

Der niedrige Frauenanteil in der Schweizer IT ist seit Jahren ein Thema. Er verharrt laut Zahlen der niederländischen Jobplattform Honeypot bei unter 15 Prozent, womit sich die Schweiz im Vergleich mit vielen anderen europäischen Ländern und den USA unter den Schlusslichtern befindet.

Dass es in der Schweiz so wenige Informatikerinnen gibt, bemängelte der Branchen-Dachverband ICTswitzerland bereits 2017, wie Sie hier lesen können. Durch die technische Entwicklung verschwänden gerade diejenigen Jobs, in denen Frauen heute übervertreten seien. Es bestehe also die Gefahr, dass Frauen durch die Digitalisierung abgehängt würden. Gleichzeitig herrsche in der Branche ein ungedeckter Bedarf nach Fachkräften, den Frauen mit IT-Skills decken könnten.

 

Nerd-Image ist kontraproduktiv

Warum ist der Frauenanteil in der Schweizer IT heute immer noch so tief? Dies hat mehrere Gründe, wie Zerrin Azeri, Associate Director beim Personalvermittler Robert Half erklärt. Erstens sei der Frauenanteil in technischen Berufen generell niedrig, was auch an einem Rückstand bei der Ausbildung liege. Zweitens verdienten Frauen in IT-Berufen in der Schweiz immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen.

Der dritte Grund: Das Image der IT sei nicht attraktiv für Frauen, es fehle an Vorbildern. "Zugespitzt ausgedrückt: Frauen wollen keine schrulligen Nerds in Birkenstocksandalen sein, die irgendwo in einem Büro allein vor sich hin programmieren", sagt Azeri. Viertens spreche die männlich geprägte Kultur in vielen IT-Abteilungen Frauen nicht an.

Aus den Gründen für den Mangel an Informatikerinnen leitet Azeri auch die Massnahmen dagegen ab. Sie empfiehlt Unternehmen:

  • Die Saläre der Frauen denen der Männer anzupassen

  • Flexible Arbeitsmodelle anzubieten, die Bedürfnisse von Frauen erfüllen

  • Frauen in IT-Führungspositionen zu berufen

  • Weiterbildungsmöglichkeiten und Mentorinnenprogramme zu schaffen

  • Bewerber im Einstellungsprozess geschlechterneutral zu selektieren

 

"Startupticker.ch" hat zum Weltfrauentag eine Karte mit 120 Schweizer Start-ups publiziert, deren CEOs weiblich sind. (Quelle: startupticker.ch)

 

Auf die Kultur kommt es an

Eine wichtige Rolle spielt die Unternehmenskultur. Das bestätigte auch Valérie Vuillerat, ehemalige Chefin der Digitalagentur Ginetta und Mitbegründerin des IT-Frauennetzwerks We Shape Tech, im Interview mit der Redaktion. Frauen schätzten Kulturen der Diversität und der Inklusion, sagt Zerrin Azeri. Ein besonderes Augenmerk legten sie zudem auf partizipative, transparente Führungsstile und eine aktive Förderung der Mitarbeiter.

IT-Abteilungen seien aber häufig sehr männlich besetzt und geprägt, so Azeri weiter. Deren Strukturen seien sehr klassisch, um nicht zu sagen althergebracht. Frauen erwarteten aber, dass man ihnen gleich viel zutraut wie den Männern. In traditionell hierarchischen Strukturen sei dies oft nicht der Fall. "Erhöht sich der Anteil der Frauen im Unternehmen und vor allem der weiblichen Führungskräfte, brechen viele Grenzen, vor denen Frauen stehen, auf und die Unternehmenskultur ändert sich zum Vorteil beider Geschlechter", sagt Azeri.

 

Auch "Danke" sagen will gelernt sein

Unabhängig vom Geschlecht: Will ein Arbeitgeber seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen motivieren, sollte er laut Robert Half öfters mal "Danke" sagen. Zum internationalen "Employee Appreciation Day" am 6. März gab Zerrin Azeri Tipps, wie Vorgesetzte mit vergleichsweise wenig Aufwand ihren Angestellten Anerkennung zeigen können:

  1. Positives Feedback geben: Nehmen Sie sich Zeit, unmittelbares Lob auszusprechen. Der Effekt verpufft, wenn Sie erst drei Wochen nach einem gelungenen Projektabschluss Ihre Anerkennung zeigen.

  2. Einen freien Nachmittag oder zusätzlichen Urlaub anbieten: Mehr Freizeit ist bei Schweizern sehr beliebt. Genehmigen Sie nach erfolgreichen Projekten einen freien Nachmittag oder zusätzliche Urlaubstage.

  3. Kleine Feiern im Büro veranstalten: Erfolge feiern sich am besten gemeinsam. Laden Sie zum gemeinsamen Mittagessen ein oder sorgen Sie in Meetings für das entsprechende Catering.

  4. Mitarbeiter auszeichnen: Gibt es Programme in Ihrem Unternehmen, die Mitarbeiter auszeichnen?

  5. An Geburtstage, Jubiläen und andere Feiertage denken: Ein Blumengruss oder eine kleine Schokolade zum Geburtstag oder einem anderen Jubiläum verfehlen die Wirkung nicht. Sie zeigen damit, wie wichtig Ihnen der Mitarbeiter auch als Person ist.

Webcode
DPF8_173019

Kommentare

« Mehr