Technologie gegen die Pandemie

Zwei Schweizer Blockchain-Projekte arbeiten am Corona-Pass

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von Yannick Chavanne und Übersetzung: Joël Orizet

Mit dem Smartphone beweisen können, dass man Covid-19 überstanden hat, oder zumindest nicht infiziert ist - zwei Schweizer Projekte arbeiten daran. Die Smartphone-App Health n Go und der digitale Immunitätsausweis des Westschweizer Unternehmens Sicpa setzen auf die Blockchain, um eine Lösung für die Mobilität in Zeiten von Corona zu entwickeln.

Die App für Gesundheitszertifikate Health n Go (oben) und der MyHealth Pass von Sicpa und Guardtime. (Source: Health n Go/Sicpa)
Die App für Gesundheitszertifikate Health n Go (oben) und der MyHealth Pass von Sicpa und Guardtime. (Source: Health n Go/Sicpa)

Reisen in Zeiten von Corona kann schnell problematisch werden. Als mögliche Lösung bringen einige Unternehmen, darunter auch Schweizer Firmen, die Idee von Gesundheits-Pässen oder Gesundheitszertifikaten ins Spiel. Eine der grossen Herausforderungen besteht darin, das Ergebnis eines Corona-Tests fälschungssicher und datenschutzgerecht zu speichern. Dabei gilt die Blockchain als vielversprechende Technologie, zumal sie Informationen dezentral speichern und ihre Unveränderlichkeit garantieren kann.

Health n Go: eine App für Gesundheitszertifikate

Die Blockchain-App Health n Go hat sich in einer ersten Testphase bewährt. Die App soll Gesundheitszertifikate ausstellen und kommt von der Westschweizer Elca-Gruppe. Die Tests wurden in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Labornetzwerk Medisupport und Mitarbeitenden von Matisa durchgeführt, einem Schweizer Hersteller von Gleisbaumaschinen mit Sitz in der Waadtländer Gemeinde Crissier.

Für einen Coronavirus-Test lud jeder Versuchsteilnehmer die Health n Go-App auf sein Mobiltelefon herunter und präsentierte sie dem Gesundheitspersonal von Medisupport. Nach dem Scannen eines QR-Codes überprüfte die medizinische Fachkraft die Identität der Person, nahm die Nasen- und Rachenabstriche und scannte den Code der Testprobe ein. Die Probe ging dann zum Testen ans Medisupport-Labor. Dieses stellte das Ergebnis als digital verschlüsseltes Gesundheitszertifikat aus, das in der App der Testperson erschien. Der QR-Code des Zertifikats liess sich zudem mit einem Scanner überprüfen, wodurch man sowohl die Identität der Testperson als auch ihr Coronavirus-Testergebnis überprüfen konnte.

Der Immunitätsausweis - ein umstrittenes Projekt

Das Westschweizer Unternehmen Sicpa ist der weltweit führende Anbieter von Sicherheitsfarben für Banknoten – und ebenfalls im Rennen um eine blockchainbasierte Lösung fürs Reisen nach Corona. Sicpa entwickelt eine Art Immunitätsausweis namens MyHealth Pass. Die Idee: Sobald ein Impfstoff erhältlich ist, sollen jene Menschen, die geimpft sind, einen QR-Code bekommen. Dieser sei manipulationssicher und liesse sich entweder digital oder auf Papier vorweisen - beispielsweise an einem Grenzübergang. Das Ganze funktioniert gemäss Sicpa ohne zentrale Datenspeicherung. Entwickelt wird die Lösung in Zusammenarbeit mit dem Softwareunternehmen Guardtime, das ursprünglich aus Estland kommt und seinen Hauptsitz kürzlich nach Lausanne verlagerte.

Projekte wie dieses lassen allerdings Bedenken aufkommen. So ist etwa der medizinische Nachweis der Immunität noch unsicher, wie Idris Guessous, Chefarzt am Universitätsspital Genf, gegenüber dem "Tagesanzeiger" sagt. Auch die Weltgesundheitsorganisation äussert Vorbehalte gegenüber solchen Immunitätspässen – ebenso wie die Menschenrechtsorganisation Privacy International. Diese befürchtet, dass mit solchen digitalen Pässen Sonderrechte eingeführt werden, was wiederum zu Ausgrenzung und Diskriminierung führen könnte.

Die SwissCovid-App, die offizielle Tracing App des Bundes für Mobiltelefone, erfährt noch immer keine breite Akzeptanz, wie eine Befragung der Forschungsstelle Sotomo im Auftrag des BAG zeigte. Im Interview zieht App-Entwickler Mathias Wellig Zwischenbilanz und spricht über die Hintergründe, Herausforderungen und haltlose Kritik.

Webcode
DPF8_189081

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