Untersuchung des BFS

Hier mangelt es der Schweiz an digitaler Kompetenz

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von René Jaun und kfi

Ein Fünftel der Schweizer Bevölkerung besitzt keine oder nur geringe digitale Kompetenzen. Laut Bundesamt für Statistik besteht vor allem bei Personen mit niedrigem Bildungsstand die Gefahr, digital ins Hintertreffen zu geraten.

(Source: Creativeart / Freepik.com)
(Source: Creativeart / Freepik.com)

Zuerst die gute Nachricht: ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung ist digital recht kompetent unterwegs. Gemäss einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) (hier als PDF) verfügen 46 Prozent über "erweiterte allgemeine digitale Kompetenzen", während 28 Prozent "grundlegende Kompetenzen" besitzen. Das BFS weist darauf hin, dass die Erhebung auf Daten aus dem Jahr 2019 beruht, einer Zeit vor dem Lockdown.

Besonders breit vorhanden sind der Erhebung nach Kompetenzen bezüglich Informationsbeschaffung (81 Prozent) und Kommunikationskompetenzen (75 Prozent). Deutlich niedriger ist das Kompetenzniveau im Bereich der Verwendung von Software zur Erstellung und Bearbeitung digitaler Inhalte, heisst es in der Studie. Lediglich gut die Hälfte der Bevölkerung verfügt über Kenntnisse in diesem Bereich, die über Grundkenntnisse hinausgehen.

Bildung macht den Unterschied

"Die digitalen Technologien haben in den vergangenen Jahren im beruflichen und privaten Alltag stetig an Bedeutung gewonnen", schreibt das BFS. "Daher ist es wichtig, dass jede und jeder Einzelne über die nötigen Kompetenzen verfügt, um die neuen digitalen Tools möglichst optimal zu nutzen und nicht von der technischen Entwicklung abgehängt zu werden." Entsprechend untersuchte das BFS diejenigen 20 Prozent der Bevölkerung genauer, die über geringe oder gar keine digitalen Kompetenzen verfügen.

Fünf Variablen erwiesen sich laut BFS als "erklärungskräftig". Das deutlichste Merkmal ist hierbei der Bildungsstand: Hier zeigt sich, dass Personen mit lediglich obligatorischem Schulabschluss das höchste Risiko für mangelnde digitale Kompetenzen haben. 42 Prozent von ihnen fallen in diese Kategorie, schreibt das BFS. Zum Vergleich: Bei Personen mit einem Abschluss auf Tertiärstufe sind es noch 8 Prozent.

Von Migrationsstatus bis Alter

Auch unter ungelernten Angestellten oder Arbeitern ist der Anteil an Personen mit geringen digitalen Kompetenzen hoch. Er liegt bei ungelernten Arbeitskräften bei 27, in akademischen Berufen hingegen bei 5 Prozent. Aus Sicht des Migrationsstatus haben in der Schweiz geborene Ausländerinnen und Ausländer die höchste Wahrscheinlichkeit, lediglich über geringe digitale Kompetenzen zu verfügen.

Als weitere Faktoren, jedoch mit geringerer Erklärungskraft, nennt die BFS-Studie das Alter der Personen sowie die selbst wahrgenommene finanzielle Situation des Haushalts: "Nach Alter betrachtet haben die ältesten Personen das höchste Risiko, über geringe digitale Kompetenzen zu verfügen, und nach der finanziellen Situation sind es diejenigen, die die finanzielle Situation ihres Haushalts als schwierig beurteilen."

Das Thema digitale Kompetenzen habe in den letzten Jahren auf politischer und institutioneller Ebene an Bedeutung gewonnen, heisst es in der BFS-Studie. Unter anderem gehört sie zu den Zielen der vom Bundesrat verabschiedeten Strategie "Digitale Schweiz" aus dem Jahr 2016. Zuletzt aktualisierte der Bundesrat diese Strategie im September 2020, wie Sie hier lesen können.

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