Editorial

Jetzt sind Ideen gefragt

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Oliver Schneider, stellvertretender Chefredaktor, Netzwoche (Source: Netzmedien)
Oliver Schneider, stellvertretender Chefredaktor, Netzwoche (Source: Netzmedien)

Die Krise kommt von einem Augenblick auf den anderen, und sie kommt mit voller Wucht. Weltweit fahren Staaten das wirtschaftliche und soziale Leben zurück, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Die Auswirkungen dieses in der Geschichte bislang beispiellosen Ausnahmezustands sind kaum absehbar.

So gross die Probleme sind, so gross ist auch der Beitrag, den die ICT zur Bewältigung der Krise leistet. Dass Hundertausende in der Schweiz Homeoffice machen können, verdanken wir Cloud-Anwendungen, Collaboration-Tools und leistungsfähigen Internetverbindungen. In Zeiten geschlossener Schulen findet die Verbindung zwischen Schülern und Lehrern auf digitalen Kanälen statt.

Videokonferenzlösungen ermöglichen aber nicht nur Meetings und die Fortsetzung des Unterrichts. Sie überbrücken auch die Kluft, die das vom Bundesrat verordnete Social Distancing mitten in der Gesellschaft aufreisst. Am Wochenende konnte ich alle Mitglieder meiner Familie per Whatsapp-Gruppen-Call an einen virtuellen Tisch bringen. Es war das erste Mal seit mehreren Wochen, dass wir uns alle wieder einmal sahen. Facebook und Social Media wurden in den vergangenen Jahren mit Kritik überzogen – zum Teil sicherlich zu Recht. Doch in der aktuellen Situation ist die Nähe, die sie ermöglichen, von unschätzbarem Wert.

Es gibt viele weitere Beispiele, wie Technologie mithelfen kann, die anstehenden Herausforderungen zu lösen oder zumindest etwas zu entschärfen. Video-on-Demand und Onlinegames bieten Zerstreuung und Kontakt zur Welt jenseits der eigenen vier Wände. Mittels Apps lassen sich Nachbarschaftshilfe, Versorgung und Freiwilligenarbeit für Spitäler organisieren. Tech-Start-ups, KMUs und Tüftler können Kreativität und Engagement mobilisieren. So wie es die Initianten des "#CodeVsCovid19" tun. Während überall Events abgesagt werden, haben sie einen Hackathon für den Kampf gegen Corona lanciert. Personen und Organisationen, die von den Folgen der Pandemie betroffen sind, können ihre Problemstellungen einreichen, damit sie von den Teilnehmern bearbeitet werden können. Nun sind mehr solche Vorstösse gefragt – und Unterstützung von Staat, Wirtschaft und Wissenschaft.

Am Ende könnten die Herausforderungen der Corona-Pandemie zu einer neuen Sicht auf die Technologie verhelfen. Wir stellen in diesen Tagen fest, wie abhängig wir von Netzwerken, Onlineplattformen und digitalisierten Prozessen sind. Und wir sind den Menschen dankbar, die sich tagtäglich dafür einsetzen, dass die IT auch im Ausnahmezustand noch funktioniert. Auf der anderen Seite sehen wir aber auch, wie man mithilfe von Technologie Positives leisten kann, für die ICT-Branche, für die Schweizer Wirtschaft und für die Allgemeinheit.

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