KPMG-Studie

Smartphones können Medizinkosten senken

Uhr | Aktualisiert

In einer Studie hat KPMG untersucht, wie stark Smartphones zur Senkung der Gesundheitskosten beitragen können. Das Schweizer Gesundheitswesen könnte fast 300 Millionen Franken im Jahr einsparen. Vor allem die Behandlungsphasen könnten stärker digitalisiert werden.

(Source: Ambrophoto / Fotolia.com)
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Das Schweizer Gesundheitssystem sei eines der teuersten der Welt, schreibt etwa das Schweizerische Gesundheitsobservatorium. Pro Kopf lagen die Ausgaben 2014 bei 759 Franken im Monat. Dies sind 11 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsprodukts, wie das Beratungsunternehmen KPMG in der Studie: «Clarity on Healthcare – Digitalisierung: Potenziale im Gesundheitswesen» schreibt. Die Kosten pro Kopf steigen weiter, weshalb die Kostenexplosion im Gesundheitswesen ein Dauerbrenner in der Schweizer Politik ist.

Patientenpfade bieten grösste Einsparpotenziale

In einer Studie untersuchte KPMG, ob neue technische Geräte wie Smartphones und Wearables helfen könnten, die Kosten zu senken. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Einsparpotenzial bei fast 300 Millionen Franken im Jahr liegt.

Vor allem in der Digitalisierung des sogenannten Patientenpfades sieht KPMG viel Potenzial. Wearables und Gesundheitsapps könnten etwa Informationen zu Vitalwerten an telemedizinische Einrichtungen übermitteln, was deutlich günstiger sei als der persönliche Kontakt. Auch der Patient würde profitieren, denn er spare Zeit, müsse nicht mehr physisch vor Ort sein und er könne sein Anliegen unabhängig von Öffnungs- oder Bürozeiten vorbringen.

Auch das Buchen von Terminen über Apps spare Zeit, ebenso wie der digitale Versand von Dokumenten über Plattformen wie das elektronische Patientendossier. Das Einsparpotenzial für den digitalen Patientenpfad berechnet KPMG mit 87 Minuten beziehungsweise 59 Franken pro Patient. Dabei wurde vorausgesetzt, dass der Patient die fünf Stationen Hausarzt, Spezialist, Akutspital, Rehabilitation und wieder Hausarzt durchläuft.

(Source: KPMG)

Digitalisierung verspricht noch mehr Einsparungen

Im Folgenden erstellte KPMG eine Hochrechnung. Als Basis dienten die vom Bundesamt für Statistik erhobenen 1,4 Millionen Spitalaufenthalte und die 16,8 Millionen spitalambulanten Konsultationen pro Jahr. Errechnet wurden dabei Einsparungen in der Höhe von 300 Millionen Franken (siehe Grafik). KPMG betont, dass es sich dabei um eine konservative Schätzung handle, der Nutzen demzufolge noch grösser ausfallen könnte. Es habe sich gezeigt, dass das Einsparpotenzial besonders hoch sei, wenn viele Stationen durchlaufen würden. Dies betreffe vor allem chronisch kranke Patienten, die 80 Prozent der Gesundheitskosten verursachten.

Gemäss KPMG ist die Digitalisierung des Patientenpfads ein kleiner Bereich. «Mit Blick auf die enormen Skaleneffekte der Digitalisierung könnte dieses Potenzial deutlich gesteigert werden. Würde das elektronische Patientendossier – gekoppelt an die Möglichkeiten eines Smartphones – konsequent genutzt, wäre die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Patientendaten gewährleistet, wodurch wiederum die Qualität in der medizinischen Versorgung merklich gesteigert und dem ungebremsten Kostenanstieg im Schweizer Gesundheitswesen Einhalt geboten werden könnte», resümiert Marc-André Giger, Gesundheitswesen-Spezialist von KPMG, die Studienergebnisse.

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