Focus: IT-Projektmanagement

Trends im IT-Projektmanagement

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von Holger Wache, Leiter CAS "IT-Projektmanagement", FHNW & Experte für Agilität im CAS "IT-Projektmanagement", FHNW & Beat Fraefel, Experte für Agilität und Dozent im CAS "IT-Projektmanagement", FHNW

Im IT-Projektmanagement geraten Vertreter agiler und Befürworter klassischer Methoden schnell in einen Glaubenskrieg. Es ist jedoch auch möglich, einen hybriden Ansatz zu wählen. Zu reden gibt auch die Frage, worin der Unterschied zwischen Projekt- und Produktmanagement besteht.

Die Digitalisierung fordert ihren Tribut. Heutzutage lassen sich kaum mehr Projekte ohne eine Beteiligung der IT umsetzen. Damit machen sich immer mehr die Besonderheiten in IT-Projekten – und ihre Lösungsansätze – in Projekten bemerkbar.

Agile vs. klassische Vorgehensweise

Die klassische Vorgehensweise im Projektmanagement geht von Phasen aus, die nacheinander durchgeführt werden. Ein genauer Plan und klare Meilensteine vermitteln den Eindruck, dass solche Projekte einfacher gemanagt werden können. Änderungen, vor allem im späteren Projektverlauf, lassen sich allerdings meist nur aufwändig umsetzen.

Speziell bei IT-Projekten kann beobachtet werden, dass sich Anforderungen an eine IT-Lösung nur sehr schwer im Vorfeld und umfassend definieren lassen. Auch ändern sie sich im Laufe der Zeit. Oftmals entspricht dann die IT-Lösung nicht den Vorstellungen des Auftraggebers oder der Nutzer. Im Software-Engineering wurden zu diesem Zweck agile Methoden entwickelt, die in Zyklen stetig die Rückkopplung mit dem Auftraggeber/Nutzer suchen, um frühzeitig die (Änderungs-)Wünsche aufnehmen zu können. Die so entstehende Lösung ist rascher nutzbar. Vor allem kann flexibel mit Veränderungen umgegangen werden. Da agile Methoden aber in der Regel keine Meilensteine und Deadlines haben, werden sie als schwieriger zu managen wahrgenommen.

Diese beiden Vorgehensweisen scheinen diametral zu sein. Was dem einen als Vorteil gereicht, wird dem anderen als Nachteil angelastet. Bei der Frage, welche Vorgehensweise allgemein die bessere sei, können wahre Glaubenskriege entstehen. Dies muss nicht sein, wenn man die richtige Projektmethode aufgrund der Charakteristik des Projekts wählt: Es gilt abzuschätzen, wie viel Stabilität beziehungsweise unvorhersehbare Faktoren das Projekt in puncto Anforderungen, Technologie und immer mehr auch bezüglich der beteiligten Personen prägen. Dabei hilft die erweiterte Stacey-Matrix (Grafik).

Projekte mit stabilen Voraussetzungen, die sich damit durch hohe Planbarkeit auszeichnen, sollen mit klassischen Methoden vorangebracht werden. Sind aber Stabilität und Planbarkeit nicht wirklich gegeben, braucht es zwingend agile Methoden. In der Praxis heisst dies vielfach, dass hybride Vorgehensweisen zur Anwendung kommen, bei denen beide Aspekte berücksichtigt werden.

Projektmanagement oder doch eher Produktmanagement?

Ein Projekt ist per Definition ein Vorhaben, das zeitlich begrenzt ist. Wenn eine IT-Lösung eingeführt wurde, dann sollte das Projekt auch irgendwann einmal beendet sein. Dies entspricht jedoch immer weniger der Praxis, da eine IT-Lösung mit deren Benutzung "lebt": Anforderungen kommen hinzu, Bedürfnisse ändern sich oder versteckte Fehler tauchen auf. Es ist zu beobachten, dass dieser Anspruch unterschätzt oder gar übersehen wird. Oder die geplante einmalige Einführung wird als ewiges Projekt nie fertig.

Bei komplexen Softwaresystemen sollte daher anders vorgegangen werden: Verschiedene Anforderungen müssen in einem Lebenszyklus-Modell immer wieder identifiziert, priorisiert, gebaut, eingeführt und irgendwann wieder abgebaut werden – das umfasst weit mehr als einfach "Wartungsarbeiten". Es ist deshalb naheliegend, solche Systeme nicht mehr aus der Sicht des Projektmanagements, sondern als kontinuierliches Produktmanagement zu betrachten. Von der ersten Planung bis zum Abbau sind immer wieder Arbeiten notwendig; was sich ändert, ist die Intensität im Verlauf der Zeit. Ein Produktmanager ist über den ganzen Lebenszyklus verantwortlich für die Identifikation und Priorisierung von neuen oder veränderten Funktionen, und ein Produkt-Portfoliomanagement sorgt dafür, dass die verfügbaren Ressourcen denjenigen Produkten zukommen, die am meisten Wert generieren. Durch diese systematische Priorisierung lässt sich ganz nebenbei auch vermeiden, dass an zu vielen Projekten gleichzeitig gearbeitet wird – die Reduktion des Multitaskings verbessert die Qualität und verringert die Durchlaufzeit von Anpassungen und Weiterentwicklungen.

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