WayGuard

Begleit-App für den Heimweg: Warum die Polizei nicht nur begeistert davon ist

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von Jara Helmi, Watson

Eine App, die Frauen sicher nach Hause bringen soll, startet in der Schweiz durch. Über 11'000 Mal kam sie bereits zum Einsatz – auch im Notfall. In diesen Situationen sollte sie jedoch lieber nicht benutzt werden, sagt die Polizei.

(Source: Gerd Altmann / Pixabay)
(Source: Gerd Altmann / Pixabay)

Seit November vertrauen Tausende Frauen auf die App "WayGuard" der Axa-Versicherung. Die Entwickler wurden gar von den zahlreichen Registrierungen überrascht. 11'800 waren es innerhalb eines Monats, 70 Prozent davon sind Frauen. Mithilfe von Standort-Tracking, Chats und Notrufknopf soll diese vor allem Frauen sicher nach Hause bringen. Fühlt sich eine Userin unwohl oder bedroht, kann diese eine Zentrale anrufen und sich von geschultem Personal telefonisch begleiten lassen. So gibt das Care-Team beispielsweise Verhaltenstipps oder Hinweise, wo sich ein Rückzugsort wie ein Hotel oder Restaurant in der Nähe befindet.

Die Notrufzentrale der App befindet sich in Deutschland. Trotz geografischer Distanz kontaktiert sie bei einem Notfall die örtliche Polizei in der Schweiz und informiert diese über den Standort des Nutzers.

Bei der Polizei stösst die App grundsätzlich auf offene Ohren. Doch bei der Funktion der Notrufzentrale sieht sie Schwierigkeiten. "Wenn es zum Vorfall kommt, muss es schnell gehen. Läuft der Notruf über eine Drittperson, geht das zu lange. Ausserdem kann es sein, dass so wichtige Informationen verloren gehen", sagt Polizeisprecher der Stadtpolizei Zürich Marco Cortesi. Zudem könne der Einsatzleiter anhand der Sprechart und Stimmlage der anrufenden Person die Situation besser einschätzen. Spreche er nur mit Dritten, sei das schwieriger.

Auch die Berner Polizei empfiehlt, im Notfall die 117 zu wählen. "Unsere Mitarbeiter können aufgrund ihrer Schulung und Erfahrung den Sachverhalt gezielt erfragen. Ausserdem können sie unmittelbar die passenden Massnahmen einleiten oder Verhaltensanweisungen geben", sagt der Berner Polizeisprecher Christoph Gnägi.

Würde es einer Person auf dem Heimweg mulmig zumute sein, könne sie sich auch an die Polizei wenden, so Gnägi weiter. In Zürich sieht man es anders: "Fürchtet sich jemand, nachts alleine unterwegs zu sein, können wir die Person nicht per se am Telefon nach Hause begleiten", sagt Cortesi.

Zusammenarbeit mit der Polizei geplant

Die Axa-Versicherung sieht in ihrer App einen klaren Vorteil: "Uns ist der genaue Standort des Nutzers bekannt. Die Polizei steht bei einem ‹normal ausgelösten› Notruf an die 117 immer vor der Herausforderung, herauszufinden, wo genau sich die in Not geratene Person befindet", sagt Moska Miakhel vom Innovationsteam der Axa-Versicherung. Die meisten Menschen in Not seien ausserdem in der Stresssituation nicht in der Lage, klar sagen zu können, in welcher Strasse oder an welchem Ort sie sich befänden. "Je nach Notsituation kostet es Minuten, den Standort herkömmlich herauszufinden. Deshalb ist die App eine beschleunigende Zwischenstelle", so Miakhel weiter.

Während es in Köln, dem Hauptsitz der App, eine Zusammenarbeit mit der Polizei gibt, ist das in der Schweiz noch nicht der Fall. "Es laufen aber erste Gespräche", sagt Miakhel von der Axa-Versicherung. In Deutschland sei "WayGuard" bereits seit 2017 ein fester Bestandteil der Präventionsarbeit der Polizei.

Dieser Artikel erschien zuerst am 10. Januar 2020 auf watson.ch.

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