Fürs elektronische Patientendossier

Kanton Waadt lanciert eigene E-ID

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von Yannick Chavanne und Übersetzung: Marc Landis, kfi

Der Kanton Waadt hat die VaudID-santé eingeführt, eine elektronische Identität, die vom Staat ausgegeben und verwaltet wird. Die Lösung basiert auf der Technologie der Elca-Gruppe und wurde speziell für den Zugriff auf die elektronische Patientenakte entwickelt.

(Source: jannoon028 / Freepik)
(Source: jannoon028 / Freepik)

Der Kanton Waadt hat die VaudID-santé angekündigt, einen eigenen elektronischen Identifikator für das elektronische Patientendossier (EPD). Letzteres wurde Ende Mai in der Westschweiz von der Referenzgemeinschaft CARA (Freiburg, Genf, Jura, Waadt, Wallis) eingeführt. Seitdem ist es möglich, sein EPD zu eröffnen und den Angehörigen der Gesundheitsberufe ein Zugangsrecht zu gewähren. Damit der Patient seine Daten einsehen und sein EPD verwalten kann, muss er jedoch im Besitz eines elektronischen Identifikationsnachweises sein, das von den Mitgliedskantonen bereitgestellt und vom Bund zertifiziert wird.

Diese elektronische Identität gemäss dem EPD-Gesetz (EPDG) ist somit im Kanton Waadt ab sofort verfügbar. Genf verfügt ebenfalls bereits über ein eigenes System, die GenèveID. Die Kantone Freiburg, Jura und Wallis bieten an, sich mit der SwissID (verwaltet vom öffentlich-privaten Konsortium SwissSign) für das EPD zu registrieren, wie auf der CARA-Website zu lesen ist. Diese elektronische Identität sollte noch vor dem Herbst in CARA akzeptiert werden.

In seiner Pressemitteilung erklärt der Kanton Waadt, dass er sein eigenes System entwickelt habe, "um die Souveränität des Staates über seine Daten in Übereinstimmung mit dem Willen des Volkes zu gewährleisten".

Es sei daran erinnert, dass die Schweizer am 7. März dieses Jahres mit deutlicher Mehrheit gegen das neue Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste gestimmt haben. Dieser Gesetzentwurf hatte eine hitzige Debatte über den Einsatz privater Unternehmen bei der Ausstellung der E-ID ausgelöst, wie Sie hier nachlesen können.

"Der Staatsrat des Kantons Waadt hat die Idee einer staatlich kontrollierten elektronischen Identifikation immer unterstützt, was in der Volksabstimmung über die nationale E-ID am 7. März bestätigt wurde. Er ist einer der ersten Kantone in der Westschweiz, der dies tut, nach Genf, das eine ähnliche Lösung hat", sagte eine Sprecherin des Departements für Gesundheit und Soziales und des Departements für Infrastruktur und Humanressourcen gegenüber ICTjournal.

Entwickelt auf Basis einer Elca-Lösung

VaudID-santé basiert auf einer technischen Lösung von CloudTrust. Dabei handelt es sich um eine Tochtergesellschaft von Elca, welche TrustID bereitstellt; eine Kennung, die auch von der CARA-Plattform akzeptiert wird. Der Kanton Waadt seinerseits fungiert als Registrierungsbehörde und verwaltet den Lebenszyklus von VaudID-santé allein (Ausstellung, Identifizierung, Änderung, Löschung und Benutzerunterstützung), wie in der Pressemitteilung betont wird. Nach der Erstellung eines VaudID-santé-Kontos muss die Identifikation wie bei einem Reisepass persönlich an einem der zertifizierten Orte validiert werden.

Freie Wahl des Bürgers

Auf seiner Webseite zum Identifikator VaudID-santé erklärt der Kanton, dass VaudID-santé speziell für den Zugang zum elektronischen Patientendossier entwickelt wurde. Es besteht kein Zusammenhang mit der Identifikation, die für die E-Government-Dienste verwendet wird. "Was E-Government betrifft, so bietet der Staat bereits eine hoheitliche Lösung in Form einer eigenen elektronischen Kennung (geregelt durch das E-Government-Gesetz), die den Zugang zum sicheren Portal für Online-Dienste ermöglicht", erklärte die Sprecherin gegenüber ICTjournal.

Der Kanton präzisiert zudem, dass es für einen Waadtländer Bürger weiterhin möglich ist, einen anderen von CARA zertifizierten und akzeptierten Identifikator zu verwenden, um sein EPD zu nutzen. Die Gewährleistung der staatlichen Souveränität über die Daten hängt also von dieser Entscheidung ab. "Es ist nicht Aufgabe des Staates, private Lösungen zu verbieten, die im Gesetz vorgesehen sind, das die Koexistenz mehrerer Lösungen vorsieht", fügte die Sprecherin hinzu.

Der Bundesrat hat kürzlich bekannt gegeben, dass die Einführung des EPD in der ganzen Schweiz vor mehreren Herausforderungen steht. Um dessen Einführung zu beschleunigen, plant die Regierung mehrere Massnahmen. Dazu gehört, die elektronische Patientenakte benutzerfreundlicher zu gestalten, die Fachärzte im ambulanten Bereich zur Teilnahme daran zu verpflichten und das Zertifizierungsverfahren für Referenzgemeinschaften zu vereinfachen.

Wie genau der Bundesrat dem EPD Beine machen will, lesen Sie hier.

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DPF8_226360

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