Patientensicherheit

Unispital Lausanne entwickelt KI zur Analyse kritischer Zwischenfälle

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von Joël Orizet und Netz-KI Bot und tse

Unter Federführung des Unispitals Lausanne entsteht ein KI-Assistent zur Analyse kritischer Zwischenfälle in Spitälern. Er soll Meldungen etwa zu Medikationsfehlern, Stürzen oder Gewaltvorfällen auswerten und geeignete Gegenmassnahmen vorschlagen. Der Bund unterstützt das Projekt mit rund 480'000 Franken.

(Source: Stromlab-3 / stock.adobe.com)
(Source: Stromlab-3 / stock.adobe.com)

Das Universitätsspital Lausanne (CHUV) will mithilfe künstlicher Intelligenz die Auswertung kritischer Zwischenfälle im Spital erleichtern. Im Projekt "LLM4CIRS" entsteht ein mehrsprachiger KI-Assistent, der entsprechende Meldungen kategorisieren, ihre Analyse unterstützen und auf wissenschaftlich belegte Gegenmassnahmen hinweisen soll, wie das CHUV mitteilt.

In einem Universitätsspital kommen demnach jedes Jahr mehrere Tausend solcher Meldungen zusammen. Dabei kann es sich etwa um Medikationsfehler, Stürze oder gewalttätiges Verhalten handeln - unabhängig davon, ob daraus tatsächlich Folgen entstehen. Die dokumentierten Fälle sollen den Spitälern helfen, aus kritischen Zwischenfällen zu lernen und ähnliche Ereignisse künftig möglichst zu verhindern.

Die Analyse der grossen Zahl an Meldungen beanspruche allerdings viel Zeit, erklärt Projektleiter Joachim Rapin. Gleichzeitig müssten Spitäler bei Gegenmassnahmen auf Ansätze setzen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt sei. An beiden Punkten soll die KI ansetzen.

Drei Spitäler sollen die Lösung einsetzen

LLM4CIRS steht für "Large Language Model for Critical Incident Reporting Systems". Das CHUV koordiniert das nationale Projekt zusammen mit Spitälern, Hochschulpartnern, der Stiftung Patientensicherheit Schweiz und der Schweizerischen Patientenorganisation. Zum Einsatz kommen soll der KI-Assistent am CHUV, am Universitätsspital Basel und beim Tessiner Spitalverbund Ente Ospedaliero Cantonale (EOC). 

Darüber hinaus soll die Lösung Daten aus zwei übergreifenden Meldesystemen einbeziehen. Dazu zählt CIRRNET, das von Patientensicherheit Schweiz koordinierte nationale Netzwerk für Meldungen kritischer Zwischenfälle. Hinzu kommt "PatBox.ch", eine Plattform, auf der Patientinnen und Patienten Vorfälle aus ihrer Behandlung melden können.

Die Eidgenössische Qualitätskommission (EQK) übernimmt rund die Hälfte der Projektkosten und steuert dafür rund 480'000 Franken bei. Die Finanzierung läuft laut EQK vom 1. April 2026 bis zum 31. Mai 2028. Die übrigen Kosten tragen die beteiligten Projektpartner.

KI soll ähnliche Fälle und Gegenmassnahmen finden

Die technische Entwicklung übernimmt hauptsächlich das Biomedical Data Science Center, eine gemeinsame Einrichtung des CHUV und der Universität Lausanne. Das Projektteam will die KI unter anderem darauf trainieren, verschiedene Arten von Zwischenfällen zu kategorisieren und die anschliessende Analyse zu unterstützen. Laut Eidgenössischer Qualitätskommission soll das System zudem ähnliche frühere Fälle identifizieren, auf Risiken hinweisen und passende Korrekturmassnahmen vorschlagen.

Gesundheitsfachpersonen sollen über eine mehrsprachige Chatbot-Oberfläche auf den Assistenten zugreifen können. Dabei will das Projektteam die Lösung so absichern, dass vertrauliche Daten geschützt bleiben. Sie richtet sich insbesondere an Fachpersonen, die sich in den beteiligten Einrichtungen mit Qualitäts- und Sicherheitsprozessen befassen. Nach der Einführung evaluiert das IUFRS (Institut universitaire de formation et de recherche en soins) der Universität Lausanne die Lösung in der Praxis.

 

Übrigens: Wie das Universitätsspital Zürich KI zur Überwachung sturzgefährdeter Patientinnen und Patienten einsetzt, lesen Sie hier

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