Neues Open-Data-Portal der EU

Capgemini-Studien erforschen Wert von Open Data

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von Marc Landis

In zwei Studien hat Capgemini den aktuellen Stand rund um Open Government Data untersucht. Die Studien berücksichtigen auch die Schweiz. Allerdings ist die Datenlage dünn.

Mehrwert durch Open-Data.
Mehrwert durch Open-Data.

Das Beratungsunternehmen Capgemini Consulting hat im Auftrag der EU-Kommission zwei neue Studien über den aktuellen Stand öffentlicher Daten in Europa durchgeführt und heute publiziert. Dies anlässlich des Beta-Launches des offenen Datenportals der Europäischen Union.

Die Studien "Open Data Reife in Europa 2015: Erkenntnisse zum aktuellen Stand" und "Mehrwert durch Open Data: Untersuchung zu den Auswirkungen der Wiederverwendung öffentlicher Datenressourcen" berücksichtigen auch die EFTA-Staaten Fürstentum Liechtenstein, Island, Norwegen und die Schweiz (EU-28+).

Mehrwert durch Open Data

Die Capgemini-Studie "Mehrwert durch Open Data" skizziert, wie Open Data auf verschiedene Art und Weise wirtschaftlichen Nutzen generieren kann. Laut Capgemini zählen dazu steigende Markttransaktionen, neue Arbeitsplätze im Zusammenhang mit Open-Data-Services und -Produkten sowie Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen. Der gezielte Einsatz von öffentlichen Daten könnte demnach etwa auch dazu beitragen, rund 629 Millionen Stunden Stau auf den Strassen der EU zu vermeiden, oder den Energieverbrauch um etwa 16 Prozent zu reduzieren. Durch eine voll ausgebaute Nutzung von Open Data wären laut Schätzungen für öffentliche Einrichtungen Einsparungen in der EU-28+ im Jahr 2020 auf 1,7 Milliarden Euro möglich.

Mit dem Start der Beta-Version des europäischen Datenportals beabsichtigt die EU, den Zugang zu Open Data zu erleichtern und deren Potenzial zu nutzen. Das Portal will alle Aspekte der Daten-Wertschöpfungskette von der Datengenerierung bis zur Weiterverwertung berücksichtigen. Die Datenbank des Portals umfasst derzeit mehr als 240'000 Datensätze und 34 europäische Länder. Es bietet Zugriff auf öffentliche Daten aus ganz Europa in 13 Kategorien, von Gesundheit über Bildung oder Logistik bis hin zu Wissenschaft und Rechtswesen. Jeder kann auf diese Datensätze zugreifen und sie beliebig weiterverwenden. Der Begriff Open Data bezieht sich auf jene Informationen, die von öffentlichen Institutionen gesammelt, generiert oder gekauft wurden und von allen Bürgern frei genutzt, modifiziert und geteilt werden dürfen. Das unmittelbare Marktvolumen für Open Data wird für den Zeitraum von 2016 bis 2020 für Europa auf rund 325 Milliarden Euro geschätzt.

So sieht es in der Schweiz aus

Die Zahlen in der Studie über die Auswirkungen und den Mehrwert von Open Government Data in der Schweiz sind dürftig. Sie datieren aus dem Jahr 2013. Es handelt sich dabei um Schätzungen von 1,2 bis 6,5 Milliarden Franken. Seine Open Government Data Strategie beschloss der Bundesrat im April 2014. Zurzeit stehen auf dem seit 2013 betriebenen Open-Government-Data-Pilot-Portal des Bundes opendata.admin.ch 1849 Datensätze zur Verfügung. Es soll Ende 2015 durch das neue Portal opendata.swiss ersetzt werden.

Open Data Reife in Europa 2015

Wie weit europäische Länder bei der Implementierung von Open Data sind beurteilt die Studie „Open Data Reife in Europa 2015“ anhand zweier Indikatoren: Open-Data-Bereitschaft und den Reifegrad des jeweiligen nationalen Portals. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die EU-28+ bisher erst 44 Prozent des Weges hin zu einer ausgereiften Open-Data-Reife hinter sich gebracht haben und dass es darüber hinaus grosse Unterschiede zwischen den Staaten gibt. Im Vergleich zeigt sich, dass etwa ein Drittel der europäischen Staaten mit verlässlichen Richtlinien und Lizenzregelungen eine Vorreiterrolle einnehmen. Generell haben die Vorreiter gute Portal-Besucherzahlen und führen eine ganze Reihe von Initiativen und Veranstaltungen durch, in denen die Vorteile von öffentlich verfügbaren Daten erläutert werden.

Empfehlungen

Die Studie gibt folgende Empfehlungen für die Implementierung von Open Data in den untersuchten Ländern ab:

  • Das Bewusstsein auf Seiten von Bürgern und Unternehmen für Open Data sollte geschärft werden.
  • Der Zugriff auf die Daten sollte möglichst kostenlos sein, um deren Wiederverwendung attraktiver zu gestalten.
  • Entsprechende Portale sollten über einen erweiterten Funktionsumfang verfügen, um die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen und zur erneuten Nutzung anzuregen.
  • Die Potenziale der Nutzeranalyse sollten vollständig genutzt werden, um mehr darüber zu erfahren, wer die Portale zu welchem Zweck nutzt. Darauf aufbauend sollten dann die angebotenen Inhalte und Dienste erweitert werden.
  • Es bedarf nationaler Richtlinien, um lokale Initiativen bei möglichen Problemen wie etwa im Hinblick auf Schwerpunktbereiche und der Frequenz bei der Datenermittlung unterstützen zu können.
  • Der Erfolg einer Open-Data-Initiative sollte stets beurteilt werden, um sowohl die bestehenden Vorteile als auch entsprechende Möglichkeiten zur Verbesserung zu identifizieren. 
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