Rund 190 statt 95 Millionen Franken

Update: USZ muss für Epic-KIS deutlich tiefer in die Tasche greifen

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von Dylan Windhaber und René Jaun und cka, jor, rja, efe

Das neue Klinikinformationssystem von Epic kommt das Universitätsspital Zürich deutlich teurer zu stehen als zunächst kommuniziert. Das USZ rechnet inzwischen mit Gesamtkosten von rund 190 Millionen Franken - die ursprüngliche Vergabesumme lag bei 94,8 Millionen Franken.

(Source: PopTika / Shutterstock. com)
(Source: PopTika / Shutterstock. com)

Update vom 07.10.2026: Das neue Klinikinformationssystem (KIS) von Epic Systems dürfte das Universitätsspital Zürich (USZ) deutlich mehr kosten als die ursprünglich kommunizierte Vergabesumme. Statt der im August 2025 genannten 94,8 Millionen Franken über zehn Jahre rechnet das USZ inzwischen mit Gesamtkosten von rund 190 Millionen Franken. Das geht aus einer Antwort des Zürcher Regierungsrats (PDF) auf eine Kantonsratsanfrage hervor.

Der Regierungsrat verweist dabei auf Erfahrungen anderer Schweizer Spitäler. Demnach könnten die Aufwände für die Einführung des Systems nochmals eine Grössenordnung erreichen, die dem Vergabepreis entspricht. Im konsolidierten Entwicklungs- und Finanzplan des USZ sind laut dem Protokollauszug für die Jahre 2027 bis 2030 insgesamt 54 Millionen Franken in der Erfolgsrechnung und 40 Millionen Franken in der Investitionsrechnung vorgesehen.

Regierungsrat stellt Epic-Entscheid nicht infrage

Auch mögliche Zugriffe von US-Behörden auf Patientendaten aufgrund des US Cloud Acts waren Gegenstand der Anfrage. Laut Regierungsrat sollen die Daten, die heute in den eigenen Rechenzentren des USZ liegen, auch mit dem neuen KIS weiterhin lokal gespeichert werden. Fernzugriffe für Wartung und Support sollen "vertraglich geregelt und durch verschiedene administrative und technische Massnahmen sichergestellt" werden.

Die kantonale Datenschutzbeauftragte halte dabei die Umsetzung für entscheidend. Bei einer lokalen Lösung müsse sichergestellt werden, dass Epic keinen Zugriff auf die Patientendaten erhält. Bei einer Cloud-Lösung käme hingegen der Cloud Act zur Anwendung. Eine Verschlüsselung, bei der Epic nicht lesbar auf die Daten zugreifen könne, könnte laut Datenschutzbeauftragter das Patientengeheimnis schützen.

Den Epic-Entscheid stellt der Regierungsrat in seiner Antwort nicht infrage. Er verweist auf die Verantwortung des USZ sowie auf die vorgesehenen technischen und administrativen Schutzmassnahmen.

 

Update vom 15.04.2026:

Cistec zieht Beschwerde gegen KIS-Zuschlag des Unispitals Zürich zurück

Cistec hatte gegen den Zuschlag des Universitätsspitals Zürich (USZ) an den US-amerikanischen Hersteller Epic Beschwerde eingereicht. Nun zieht der Zürcher Softwareanbieter, der hinter dem Klinikinformationssystem (KIS) Kisim steht, seine Beschwerde wieder zurück, wie Cistec in einer Mitteilung bekannt gibt. 

Ursprünglich habe Cistec mit der Beschwerde beim zuständigen Verwaltungsgericht des Kantons Zürich mehr Transparenz erlangen wollen. Laut Mitteilung fehlen dem Zürcher KIS-Anbieter jedoch ausreichende Informationen, um das Verfahren im Detail nachzuvollziehen und zu beurteilen. 

Trotz des Rückzugs kritisiert Cistec in der Mitteilung das Vorgehen des Spitals. Nach Ansicht des Unternehmens habe das USZ seinen Ermessensspielraum bei Ausschreibung und Bewertung zugunsten des US-Anbieters genutzt. Auch seien wichtige Kriterien wie Usability, Datenschutz und spezifische Anforderungen des Schweizer Gesundheitswesens aus Sicht von Cistec zu wenig berücksichtigt worden.

 

Update vom 24.09.2025:

KIS-Zuschlag des Unispitals Zürich stösst auf Widerstand

Der Zuschlag des Universitätsspitals Zürich (USZ) an den US-amerikanischen Hersteller Epic kommt nicht überall gut an. Rund 70 Zürcher Kantonsräte reichten zum Entscheid eine Interpellation ein, wie "20 Minuten" berichtet. Die Politiker sorgen sich unter anderem um den Schutz der Daten im US-amerikanischen Klinikinformationssystem (KIS). In der Debatte verwiesen sie auf den US Cloud Act, mit dem sich die US-Regierung das Recht einräumt, in bestimmten Fällen auf die bei US-Anbietern gespeicherten Daten zuzugreifen – auch auf jene in der Schweiz. "Im jetzigen repressiven politischen Umfeld in den USA auf einen amerikanischen Softwarelieferanten zu setzen, ist leichtsinnig und fragwürdig", zitiert "20 Minuten" das Votum des Grünen-Politikers Urs Dietschi, der die Interpellation verfasste.

Regierungsrätin und Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli versuchte zu beschwichtigen und stellte klar, das USZ verantworte die Einhaltung der strengen gesetzlichen Bestimmungen im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz. Das Spital plane, Daten nicht in der Cloud, sondern in Schweizer Rechenzentren zu lagern. Ausserdem arbeite es mit der kantonalen Datenschutzbehörde zusammen.

Nicht nur die Politik beäugt den USZ-Entscheid kritisch. Im Rahmen der Parlamentsdebatte sagte Rickli auch, dass die Zürcher Softwarefirma Cistec gegen den Zuschlag Beschwerde einreichen wolle. Die Firma unterlag im Vergabeverfahren mit ihrem eigenen KIS namens Kisim.

 

Originalmeldung vom 28.08.2025:

Universitätsspital Zürich setzt auf US-amerikanischen KIS-Anbieter

Das Universitätsspital Zürich (USZ) führt in den kommenden Jahren ein neues Klinikinformationssystem (KIS) ein. Dabei setzt das Spital auf den US-Anbieter Epic Systems, wie es in einer Mitteilung heisst.

Mit der Entscheidung für den US-Hersteller folgt das USZ dem Beispiel des Kinderspitals Zürich sowie des Lausanner Universitätsspitals CHUV. Dort hatte die Vergabe an Epic heftige Kritik ausgelöst – wegen hoher Kosten und mangelnder Chancen für einheimische Anbieter. Eine Recherche von "Le Temps" habe gezeigt, dass mehrere Schweizer Anbieter die Bevorzugung von Epic beanstandet hatten.

Ungeachtet dieser Kritik stimmte der Spitalrat des USZ dem Antrag der Spitaldirektion zur KIS-Vergabe an Epic zu. Das neue KIS ersetze 15 bestehende Applikationen und soll Patientinnen und Patienten, Mitarbeitenden sowie Zuweisenden deutliche Vorteile bringen. Epic orientiert sich laut Mitteilung "massgeschneidert an den Arbeitsabläufen und Bedürfnissen des Universitätsspitals". 

Laut Mitteilung werden die Daten auf USZ-Servern gehostet, die die geltenden kantonalen und nationalen Datenschutzvorgaben erfüllen.

Die Vergabesumme betrage 94,8 Millionen Franken und werde über einen Zeitraum von zehn Jahren aus den eigenen Mitteln des USZ finanziert. Die Einführung ist, wie es weiter heisst, nach Abschluss der Vergabe- und Datenschutzverfahren voraussichtlich in frühestens zwei Jahren geplant.

 

Übrigens beschweren sich immer mehr Ärztinnen und Ärzte über ihre Klinik- und Praxisinformationssysteme. Eine Ende 2024 veröffentlichte Umfrage zeigt: 56 Prozent sehen keine Verbesserung der Patientensicherheit durch KIS - die Hälfte beurteilt diese Systeme als ineffizient. Lesen Sie hier mehr darüber.

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