Wegen unzureichender Informationen

Update: Cistec zieht Beschwerde gegen KIS-Zuschlag des Unispitals Zürich zurück

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von Dylan Windhaber und René Jaun und cka, jor, rja

Cistec zieht die angekündigte Beschwerde gegen den Zuschlag für das Klinikinformationssystem (KIS) des Universitätsspitals Zürich an US-Hersteller Epic zurück. Der Zürcher Softwareanbieter hinter dem KIS namens Kisim begründet den Schritt mit einer eingeschränkten Informationslage im Verfahren.

(Source: PopTika / Shutterstock. com)
(Source: PopTika / Shutterstock. com)

Update vom 15.04.2026: Cistec hatte gegen den Zuschlag des Universitätsspitals Zürich (USZ) an den US-amerikanischen Hersteller Epic Beschwerde eingereicht. Nun zieht der Zürcher Softwareanbieter, der hinter dem Klinikinformationssystem (KIS) Kisim steht, seine Beschwerde wieder zurück, wie Cistec in einer Mitteilung bekannt gibt. 

Ursprünglich habe Cistec mit der Beschwerde beim zuständigen Verwaltungsgericht des Kantons Zürich mehr Transparenz erlangen wollen. Laut Mitteilung fehlen dem Zürcher KIS-Anbieter jedoch ausreichende Informationen, um das Verfahren im Detail nachzuvollziehen und zu beurteilen. 

Trotz des Rückzugs kritisiert Cistec in der Mitteilung das Vorgehen des Spitals. Nach Ansicht des Unternehmens habe das USZ seinen Ermessensspielraum bei Ausschreibung und Bewertung zugunsten des US-Anbieters genutzt. Auch seien wichtige Kriterien wie Usability, Datenschutz und spezifische Anforderungen des Schweizer Gesundheitswesens aus Sicht von Cistec zu wenig berücksichtigt worden.

 

Update vom 24.09.2025:

KIS-Zuschlag des Unispitals Zürich stösst auf Widerstand

Der Zuschlag des Universitätsspitals Zürich (USZ) an den US-amerikanischen Hersteller Epic kommt nicht überall gut an. Rund 70 Zürcher Kantonsräte reichten zum Entscheid eine Interpellation ein, wie "20 Minuten" berichtet. Die Politiker sorgen sich unter anderem um den Schutz der Daten im US-amerikanischen Klinikinformationssystem (KIS). In der Debatte verwiesen sie auf den US Cloud Act, mit dem sich die US-Regierung das Recht einräumt, in bestimmten Fällen auf die bei US-Anbietern gespeicherten Daten zuzugreifen – auch auf jene in der Schweiz. "Im jetzigen repressiven politischen Umfeld in den USA auf einen amerikanischen Softwarelieferanten zu setzen, ist leichtsinnig und fragwürdig", zitiert "20 Minuten" das Votum des Grünen-Politikers Urs Dietschi, der die Interpellation verfasste.

Regierungsrätin und Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli versuchte zu beschwichtigen und stellte klar, das USZ verantworte die Einhaltung der strengen gesetzlichen Bestimmungen im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz. Das Spital plane, Daten nicht in der Cloud, sondern in Schweizer Rechenzentren zu lagern. Ausserdem arbeite es mit der kantonalen Datenschutzbehörde zusammen.

Nicht nur die Politik beäugt den USZ-Entscheid kritisch. Im Rahmen der Parlamentsdebatte sagte Rickli auch, dass die Zürcher Softwarefirma Cistec gegen den Zuschlag Beschwerde einreichen wolle. Die Firma unterlag im Vergabeverfahren mit ihrem eigenen KIS namens Kisim.

 

Originalmeldung vom 28.08.2025:

Universitätsspital Zürich setzt auf US-amerikanischen KIS-Anbieter

Das Universitätsspital Zürich (USZ) führt in den kommenden Jahren ein neues Klinikinformationssystem (KIS) ein. Dabei setzt das Spital auf den US-Anbieter Epic Systems, wie es in einer Mitteilung heisst.

Mit der Entscheidung für den US-Hersteller folgt das USZ dem Beispiel des Kinderspitals Zürich sowie des Lausanner Universitätsspitals CHUV. Dort hatte die Vergabe an Epic heftige Kritik ausgelöst – wegen hoher Kosten und mangelnder Chancen für einheimische Anbieter. Eine Recherche von "Le Temps" habe gezeigt, dass mehrere Schweizer Anbieter die Bevorzugung von Epic beanstandet hatten.

Ungeachtet dieser Kritik stimmte der Spitalrat des USZ dem Antrag der Spitaldirektion zur KIS-Vergabe an Epic zu. Das neue KIS ersetze 15 bestehende Applikationen und soll Patientinnen und Patienten, Mitarbeitenden sowie Zuweisenden deutliche Vorteile bringen. Epic orientiert sich laut Mitteilung "massgeschneidert an den Arbeitsabläufen und Bedürfnissen des Universitätsspitals". 

Laut Mitteilung werden die Daten auf USZ-Servern gehostet, die die geltenden kantonalen und nationalen Datenschutzvorgaben erfüllen.

Die Vergabesumme betrage 94,8 Millionen Franken und werde über einen Zeitraum von zehn Jahren aus den eigenen Mitteln des USZ finanziert. Die Einführung ist, wie es weiter heisst, nach Abschluss der Vergabe- und Datenschutzverfahren voraussichtlich in frühestens zwei Jahren geplant.

 

Übrigens beschweren sich immer mehr Ärztinnen und Ärzte über ihre Klinik- und Praxisinformationssysteme. Eine Ende 2024 veröffentlichte Umfrage zeigt: 56 Prozent sehen keine Verbesserung der Patientensicherheit durch KIS - die Hälfte beurteilt diese Systeme als ineffizient. Lesen Sie hier mehr darüber.

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