4 von 5 Schweizer Banken führen schon KI ein
Annähernd 80 Prozent der Schweizer Banken befassen sich mit künstlicher Intelligenz oder wenden diese bereits an. Laut einer EY-Studie ist KI nur noch bei einigen Privatbanken kein Thema. Die Analyse zeigt, dass vor allem Digitalthemen die Finanzindustrie in den kommenden Monaten prägen werden.
Schweizer Finanzinstitute machen vorwärts mit KI. Dies zeigt das Bankenbarometer 2026 des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) Switzerland. Die Untersuchung basiert auf einer Ende 2025 durchgeführten Umfrage bei 100 Banken aus der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. 78 Prozent der Befragten gaben darin an, sich mit der Umsetzung von KI-Projekten zu beschäftigen – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 53 Prozent.
Oder umgekehrt: "Nachdem letztes Jahr noch 38 Prozent der Banken KI bzw. deren Einführung nur diskutierten, ist dieser Anteil im aktuellen Jahr auf 22 Prozent geschrumpft", schreibt EY. Insbesondere die Auslandsbanken hätten aufgeholt: 21 Prozent von ihnen gaben in der Vorjahresstudie noch an, KI sei bei ihnen kein Thema. In der jetzigen Ausgabe stellten sie mit 10 Prozent den grössten Anteil in der Gruppe dar, die KI erfolgreich in diverse Anwendungen integrierte.
Kantonalbanken liegen im Bankengruppenvergleich insofern vorne, als dass die Anwendung von KI für sie kaum noch ein Diskussionsthema ist, wie es weiter heisst. Bei 87 Prozent dieser Banken schreite die Einführung voran – wenn auch in verschiedenen Reifestadien. Nur wenig dahinter folgen Regionalbanken, von denen 75 Prozent KI-Anwendungen bereits einführen. Vergangenes Jahr gaben 54 Prozent dieser Banken noch an, KI lediglich zu diskutieren oder gar nicht zu thematisieren, wie EY anmerkt.
Die Aussage, sich gar nicht mit KI zu befassen, hörten die Studienautoren nur noch von einigen Privatbanken. 2025 kam sie noch von 21 Prozent der Auslandsbanken und von 8 Prozent aller befragten insgesamt.
Mehr Prozessautomatisierung, weniger Risikomanagement
Befragt nach den Einsatzgebieten, nannten 80 Prozent der Banken, die schon KI nutzen, die Prozessautomatisierung. Damit verstärke sich dieser Fokus von 67 Prozent im Vorjahr, schreibt EY. Vor allem die Regionalbanken wollen laut Umfrage die Prozessautomatisierung mit KI forcieren (94 Prozent).
Einen Rückgang stellen die Studienautoren dagegen im Bereich des Risikomanagements fest, nämlich von 27 Prozent im Vorjahr auf jetzt noch 8 Prozent. "Die Banken schrecken scheinbar vermehrt vor den Herausforderungen bei der Datenqualität und -verfügbarkeit, den regulatorischen Anforderungen und der geringen Fehlertoleranz zurück", analysiert EY.

Die verschiedenen Bereichen, in denen laut den Studienergebnissen die grössten Effizienzgewinne bei der Anwendung von KI im Bankengeschäft bestehen. (Source: EY Bankenbarometer 2026)
In den Bereichen IT-Entwicklung und Datenmanagement hat sich schliesslich wenig getan. Die Bereiche bleiben mit einem Anteil von 25 Prozent in ihrer Bedeutung ähnlich im Vergleich zum Vorjahr, wie EY feststellt. Auf den ersten Blick scheine dies verwunderlich. Der Einsatz von KI biete gerade in diesem Bereich grosse Effizienzpotenziale, welche insbesondere in der Softwareentwicklung auch täglich eingesetzt werden. Das Beratungsunternehmen erklärt die Diskrepanz jedoch damit, "dass viele Banken mittlerweile Tätigkeiten im Bereich IT-Entwicklung und Datenmanagement ausgelagert haben und die Interviewpartner weit von der operativen IT-Arbeit entfernt sind".
Bezüglich dieser Auslagerungen kommt EY in der Studie übrigens zum Schluss, dass zwar mit 44 Prozent der Befragten noch fast die Hälfte der Institute auf klassische Auslagerung setzt. Die Branche befinde sich aber im Umbruch: So nutzten 19 Prozent der Befragten Managed Services für gezielte Fähigkeiten und 7 Prozent sogar in grösserem Umfang. Und: Das grösste Potenzial für Managed Services sehen Schweizer Banken laut EY in der IT (79 Prozent). "Infrastruktur, Cyberabwehr und Cloud-Betrieb werden so komplex, dass Verfügbarkeit und Sicherheit wichtiger sind als Differenzierung — gleichzeitig werden Fachkräfte in diesen Feldern immer knapper", erklären die Autoren.
KI für Privatkunden, aber kaum für Firmen
Doch zurück zur KI: 19 Prozent der Banken sehen die grössten Effizienzgewinne in der Nutzung von KI in der Kunden- und Anlageberatung. Das sind gleich viel wie 2023 und und mehr als die 13 Prozent des Vorjahres. Gleichwohl sei der Anteil relativ betrachtet nach wie vor gering, stellt EY fest und analysiert: "Banken fokussieren sich verstärkt auf Prozesseffizienz und schöpfen dabei die Potenziale von KI im Bereich Customer Service (Customer Intelligence und Beratung) noch nicht aus. Wir gehen davon aus, dass mittelfristig AI-Agenten Hand in Hand mit den Kundenberatern arbeiten und vor allem die Beratungs- und Servicequalität auf ein höheres Niveau bringen werden."
Wie es weiter heisst, wollen mit nahezu 90 Prozent fast alle Banken KI auch im Kundengeschäft einsetzen – nur 11 Prozent der Befragten glauben nicht an den effizienten KI-Einsatz im Kundengeschäft. Nach Einsatzgruppen aufgeteilt, erwartet mit 71 Prozent die Mehrheit der befragten Institute den Einsatz von KI im Retail-Privatkundengeschäft, gefolgt von Private Wealth (mit 28 Prozent). Der Einsatz von KI im Firmenkundengeschäft spiele insgesamt für Banken im Vergleich zum Privatkundengeschäft eine untergeordnete Rolle, fasst EY zusammen. Kantonal- und Regionalbanken scheren hier etwas aus: Kantonalbanken erwarten den Einsatz vornehmlich im Geschäft mit grossen Firmenkunden, während Regionalbanken den Einsatz von KI vermehrt im KMU-Geschäft sehen.

Nach Kundensegment aufgeteilt, erwartet die Mehrheit der Befragten den KI-Einsatz insbesondere im Retail-Privatkundengeschäft. (Source: EY Bankenbarometer 2026)
Digitalthemen dominieren die Finanzbranche weiter
Drei grosse Herausforderungen sehen hiesige Banken bei der Anwendung von KI im Kunden- und Anlagebereich: Datenschutz und Sicherheit (63 Prozent), Mangel an Persönlichkeit in der Beratung (62 Prozent) und Zweifel an der Korrektheit und Genauigkeit von KI (48 Prozent) - "immerhin knapp die Hälfte der Banken, die angibt, der KI nicht zu trauen und sich nicht von ihr abhängig zu machen", kommentiert EY dazu. Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung teilt diese Bedenken nicht mehr, schreibt das Unternehmen weiter und verweist dazu auf die Digimonitor-Untersuchung.
Die kam 2025 zum Schluss, dass 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung KI-Tools nutzen. Die Technologie sei "mehr als nur ein Spielzeug und wird aktiv von der Schweizer Bevölkerung in nahezu allen Lebensbereichen genutzt", schreiben die Autoren.
Banken wiederum hadern bei der KI-Implementierung im Bereich Governance und Sicherheit in erster Linie mit der Datensicherheit und ethischen Aspekten (49 Prozent). Zu weiteren Herausforderungen – jeweils von etwa 30 Prozent der Befragten genannt – gehören der Mangel an klaren Leitlinien und Standards, Schwierigkeiten bei der Identifizierung und Bewertung von Risiken oder unzureichende Transparenz und Nachvollziehbarkeit.
Fragen zur künstlichen Intelligenz bildeten nur einen Themenblock der sehr ausführlichen EY-Studie. Dass Digitalthemen die Finanzbranche generell umtreiben, zeigen die Antworten auf die Frage: "Welche Themen und Aktivitäten werden Ihrer Ansicht nach in den nächsten 6 bis 12 Monaten in der Finanzindustrie eine grosse Bedeutung haben?" Die 4 häufigsten Antworten haben mit IT und Digitalisierung zu tun: An erster Stelle steht das Thema Cybersecurity – wie schon seit 2021. Auf Platz 2 folgt Prozessoptimierung und -automation (auch im Vorjahr schon auf Platz 2), gefolgt vom Einsatz künstlicher Intelligenz (im Vorjahr noch auf Platz 6).
Auf Platz 4 folgt schliesslich das Thema IT-Transformationen (z. B. Daten, CRM, KI oder Finance-Bereich), welches EY den Befragten in der aktuellen Studie erstmals zur Auswahl anbot. Insgesamt, so EY, rangierten Themen und Aktivitäten im Bereich von Risiko, Compliance und Regulierung sowie Kostensenkung und Effizienzsteigerung weit oben.
Im globalen Digitalranking hinken hiesige Banken übrigens hinterher. 2024 erreichten sie in der Digital Banking Maturity Studie von Deloitte nur noch Platz 27 - 2018 reichte es noch für einen Platz in den Top 5, wie Sie hier lesen können.
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