Die Suche nach dem Richtigen

"Oft finden Treffen bereits beim Morgenkaffee oder spät abends statt"

Uhr | Aktualisiert

Wie arbeitet eigentlich ein Headhunter? Philip Hofmann, Geschäftsführer von Hans Hofmann & Partner, spricht über die Herausforderungen seiner Arbeit und darüber, wie Kandidaten reagieren, wenn er sie zum ersten Mal kontaktiert.

Philip Hofmann ist Headhunter und Geschäftsführer von Hans Hofmann & Partner. (Quelle: Hans Hofmann & Partner)
Philip Hofmann ist Headhunter und Geschäftsführer von Hans Hofmann & Partner. (Quelle: Hans Hofmann & Partner)

Herr Hofmann, wie sieht ein typischer Arbeitstag eines Headhunters aus?

Typisch ist eigentlich nur, dass der Tag eines Headhunters 24 Stunden hat. Manchmal kommt der entscheidende Geistesblitz bereits morgens um eins. Und Visitenkarten werden bis spät in die Nacht gesammelt. Die Bewegungen, die sich in Branchen-Publikationen und Social Media zeigen, werden ebenfalls rund um die Uhr verfolgt. Und aus Diskretionsgründen – oder um keine vielbeschäftigten Leute vom Tagesgeschäft abzuhalten – finden Treffen bereits beim Morgenkaffee oder spät abends statt. Das, was sich "Bürozeit" nennt, versucht man möglichst flexibel zu halten, um schnell auf neue Entwicklungen eingehen zu können. "Durchterminierte" Tage gibt es eigentlich nur, wenn man eine Serie von Gesprächen, in denen sich ein Kunde mit verschiedenen Kandidaten trifft, in einem bestimmten Zeitfenster bündelt.

Wie verläuft die Suche nach einem neuen Mitarbeiter für einen Ihrer Kunden?

Unser Search erflogt im Wesentlichen in 5 Schritten: "Gezielter Start – Schnelle Longlist – Dynamische Ansprache – Gestaffelte Gespräche – Fundierte Empfehlung." Zum gezielten Start gehört, dass man die aktuelle Herausforderung nicht nur auf dem Papier kennt, sondern sich wirklich in die Situation hineinlebt. Und dass man das gegebene Profil im persönlichen Gespräch mit dem Auftraggeber zusätzlich schärft. Die erste sogenannte Longlist enthält je nach Position ein bis vier Dutzend der interessantesten und relevantesten Namen. Sie wird gemeinsam mit dem Kunden bereinigt, damit die gewünschte Stossrichtung schnell dar richtige Fleisch am Knochen hat. Auch kann man kann so schnell Prioritäten setzen – wobei man natürlich nach wie vor rundum die Augen offen hält. Die Ansprache via Headhunter hat für die Kunden wie für die Kandidaten den Vorteil, dass sie nach allen Seiten diskret und neutral ist. Ein Headhunter darf immer fragen – und einem Headhunter darf man immer antworten. Die Gespräche werden in der Regel so gestaffelt, dass der Headhunter das erste Info- und Abklärungsgespräch vornimmt. Beim ersten Kontakt mit dem Kunden ist er gerne als Beobachter dabei. Das erweist sich für den weiteren Prozess oft als hilfreich. Bei den weiteren Gesprächen zieht der Kunde dann meist intern zusätzliche Leute bei, so dass sich der Headhunter aufs Koordinieren der Termine beschränkt. Die fundierte Empfehlung schliesslich reift in der engen Begleitung des ganzen Suchprozesses. Und auf der Basis von ausführliche Referenzen und weiteren Anhaltspunkten. Dazu können zum Beispiel Graphologiegutachten gehören. Auftraggeber stehen diesen zuerst oft skeptisch gegenüber, bevor sie über deren Stichhaltigkeit staunen. Gute Dienste leisten auch strukturierte Fragen, die genau auf den spezifischen Fall zugeschnitten sind.

Wie reagieren die möglichen Kandidaten, wenn Sie sie das erste Mal kontaktieren?

Sie fühlen sich oft gebauchpinselt. Als Headhunter freut man sich natürlich über Reaktionen wie "kann ich Sie in wenige Minuten zurückrufen" oder "Moment, ich mache schnell die Türe zu."Dann weiss man, hier ist die Aufnahmebereitschaft hoch. Wenn jemand signalisiert, dass er im Moment auf keine Fall wechseln will, weil er völlig in seiner aktuellen Aufgabe aufgeht, respektieren wir das natürlich auch. Ganz wichtig in jedem Fall: Der Anruf eines Headhunters ist noch kein Jobangebot. Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er positiv auffällt. Und wenn er sich grundsätzlich dafür interessiert, was im Leben noch alles möglich ist. Wie überall ist "das erste Mal" sicher aufregend. Aber je mehr jemand Karriere macht, desto mehr ist ein Anruf von einem Headhunter etwas ganz Normales.

Wie verschaffen Sie sich die nötigen Kontakte?

Auf allen Wegen, die irgendwie legal sind. An die jeweiligen Koordinaten zu kommen, ist im Zeitalter von Social Media und  Business Networks an sich keine Kunst. Insbesondere dann, wenn man wie wir auch einen spezialisierten Researcher im Haus hat. Die Kunst ist aber, die richtigen Leute im richtigen Moment richtig zu motivieren. Zu wissen, wie die aktuelle Dynamik ist. Wie die Befindlichkeiten sind. Wer wie drauf ist und wer was anstrebt. Nach unserem Motto "wir kennen die Menschen" legen wir Wert darauf, die Kontakte nicht nur in der Kartei zu haben, sondern im Gespür. Selbstverständlich hat man aber nie ausgelernt. Wir öffnen den Horizont immer wieder neu, je nachdem auch mit speziellen Inseraten und immer neuen Kontaktnetzen. So pflegen wir zum Beispiel seit zwei Jahren eine Exklusivzusammenarbeit mit dem führenden deutschen Personalberater für die digitale Wirtschaft, Cribb in Hamburg/Berlin.

Wie schwierig ist es, die richtigen Leute zu finden?

Wenn es einfach wäre, gäbe es uns nicht. Je nach Auftraggeber und Aufgabe ist es, wenn man sich nicht einfach mit dem Erstbesten zufrieden gibt, anspruchsvoll bis sportiv. Manchmal bestehen Traumvorstellungen, die kaum 1:1 zu erfüllen sind. Der "weisse Hirsch", der absolute Wunschkandidat, ist manchmal noch gar nicht geboren. Entscheidend ist dann, zu erkennen, wo sich am ersten ein Auge zudrücken lässt – oder wer am schnellsten ins ultimative Wunschbild hineinwächst. Interessant ist immer wieder, wie sich Eindrücke wandeln können, wenn's konkret wird. Kandidaten, die auf dem Papier ganz flott daherkommen, erweisen sich plötzlich als doch nicht ganz zutreffend. Und umgekehrt: Kandidaten, deren Schriftstücke eher rudimentär sind, gehen im persönlichen Gespräch auf wie die Sonne!

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